"Flächenbrand": Kickl bilanziert ein Jahr nach Scheitern der Koalitionsverhandlungen
Gespräche mit klassischen Medien meidet FPÖ-Chef Herbert Kickl bekanntermaßen mittlerweile bis auf seltene Ausnahmen. So schlug er zuletzt auch die Einladung der ZiB2 zur traditionellen Interview-Reihe mit den Parteichefs zum Jahreswechsel aus.
Viel lieber tritt der blaue Obmann da schon in den parteieigenen Medien auf, wo er ungestört von etwaigen kritischen Fragen seine Botschaften verbreiten kann. So etwa im neuen FPÖ-Radiosender Austria First, dem er am Donnerstag eines seiner raren Interviews gab. Der Anlass: Vor einem Jahr scheiterten die Koalitionsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP.
Umrahmt von Mainstream-Hits zog Kickl im Interview, das FPÖ-Pressesprecher Volker Höferl im freundlichen Plauderton mit dem „lieben Herbert“ führte, Bilanz. Nach wie vor ist Kickl angesichts des Wahlergebnisses überzeugt: „Der Auftrag war eine Veränderung und zwar unter freiheitlicher Führung.“ Also etwa einen neuen Kurs in der Asyl-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.
Abrechnung mit der ÖVP
Dass es nicht dazu gekommen sei, sei allein die Schuld der ÖVP: „Ich habe mit jedem Tag der Verhandlungen mehr gemerkt, dass die ÖVP keinerlei Interesse an dieser Veränderung gehabt hat“, so Kickl. „Sie hat geglaubt, dass man mir nur die Kanzlerkarotte hinhalten muss, und ich werde dann zubeißen.“ Nach dem Scheitern habe er dem Bundespräsidenten wissen lassen, dass nun eigentlich Neuwahlen erforderlich wären, vor allem aufgrund der „Budgetkatastrophe“, deren Ausmaß erst nach der Wahl bekannt wurde. „Das System hat sich aber zusammengehängt.“
An der Dreierkoalition lässt der FPÖ-Chef naturgemäß kein gutes Haar: „Ich würde die Situation, in der sich Österreich befindet, mit einem Flächenbrand vergleichen“ – angesichts der Situation beim Budget oder in Sachen Migration.
Seine Entscheidung, den Regierungsauftrag zurückzulegen, bereut er jedenfalls nicht: „Das war damals die goldrichtige Entscheidung. Die katastrophale Situation, in der sich das Land befindet, ist eine Bestätigung dafür.“ Die „faulen Kompromisse“ der "Systemparteien" hätten die Lage der Menschen im Land nicht verbessern können. Er selbst sei hingegen seinen Überzeugungen treu geblieben, habe die Wähler nicht verraten.
Damit sei die FPÖ in einer „ganz hervorragenden Ausgangssituation für die kommende Nationalratswahl“. Sie werde eine Entscheidungsfrage sein, ob man auf diese Art und Weise weiterwursteln oder endlich einen Systemwechsel auf allen Ebenen durchführen wolle. Es seien klare Machtverhältnisse notwendig, weshalb die FPÖ noch viel stärker als jetzt werden müsse.
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