Politik | Inland
02.11.2017

Harald Mahrer: Dandy, Denker und Digital Nerd

Schnellredner mit Faible für schrille Outfits übernimmt die traditionsbewusste Wirtschaftkammer.

Die deutsche Zeit nannte Harald Mahrer in einem Porträt den "Jedi der Volkspartei", das profil titulierte ihn als "digitalen Dandy". Gegenüber dem KURIER legte er Wert darauf, kein "Neoliberaler", zu sein, sondern ein "Bürgerlicher" genannt zu werden.

Als Klassensprecher und Vorsitzender der ÖVP-nahen studentischen Aktionsgemeinschaft an der Wirtschaftsuni schnupperte er früh in der Welt der Politik. Als PR-Unternehmer hat er bis heute ein Standbein in der Wirtschaft. Zuletzt war er Staatssekretär und Minister, seit gestern ist er designierter Präsident der Wirtschaftskammer. Vorgänger Christoph Leitl wird bei der Amtsübergabe 18 Jahre lang an der Spitze der WKÖ gestanden sein, Vor-Vorgänger Rudolf Salinger sogar 26 Jahre. Ob der 44-Jährige den Job ebenfalls bis zur politischen Rente machen wird, weiß nicht einmal er selbst. Passen würde es zu dem quirligen Wiener, der mit der wohlhabenden Kärntner Krankehausmanagerin Andrea Samonigg verheiratet ist, nicht.

Perfekt inszeniert

Aber wer ist dieser Harald Mahrer? Unübersehbar ist seine Größe von 1,93. Auffällig ist auch seine Kleidung. Die Krone widmete kürzlich der Auswahl seiner bunten Krawatten eine eigene Bilderstrecke. Bei Medienterminen erscheint er immer perfekt gestylt, mal glatt rasiert, mal mit klassischem Dreitagesbart. Dazu ein souveränes Lächeln und manchmal gegelten, mal geföhnten Haaren. Harald Mahrer weiß, wie er sich inszeniert, was er auf den Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram auch ausgiebig zelebriert.

"Mahrer ist ein innovativer Vordenker und Reformer mit Managerqualitäten, der unternehmerisches Denken von der Pike auf gelernt hat", lobt ÖVP-Chef Sebastian Kurz. Aber stimmt das auch?

Er ist in Wien-Döbling aufgewachsen und zur Schule gegangen, danach Wirtschaftsstudium, mit 27 Jahren Promotion zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Während des Studiums, in der Ära Schüssel, dockte er bei der Volkspartei an, wurde ÖH-Vorsitzender und Hochschulassistent.

Nach seiner Promotion gründete Mahrer das Beratungsunternehmen "legend consulting", das später mit der damals größten PR-Agentur Österreichs, der "pleon publico", zusammenging.

Mahrer blieb dort vier Jahre, bis 2010, als deren geschäftsführender Gesellschafter. Die "Publico" hatte zu seiner Zeit rund 80 Mitarbeiter und mehrere Standorte, er kann also mit gutem Recht nun als Politiker sagen, dass er aus der Wirtschaft kommt. 2010 verkauften er und ein Partner ihre Unternehmensanteile für mehrere Millionen Euro. 2014 wurde Mahrer vom damaligen ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner ins Staatssekretariat des Wirtschaftsministeriums geholt wurde.

Schon als Unternehmer wurde Mahrer ein manchmal rauer Ton gegenüber seinen Mitarbeitern nachgesagt, was dem KURIER nur insofern bestätigt wird, als dass er in der Rolle des Chefs "fordernd" aber durchaus auch "fördernd" sei. Als Staatssekretär setze er immer wieder auf Themen, die vielleicht wenig tagesaktuelle Relevanz, aber für ihn Zukunftspotenzial hatten. Er denke viel und schnell und voraus, gibt es viel Lob aus seinem unmittelbaren Umfeld.

Innovative Themen wie die Digitalisierung seien für ihn weniger ein modernes Schlagwort, Mahrer selbst hat als Digital Nerd (Computerfreak) Coding-Kenntnisse, er versteht also, wie Computerprogramme funktionieren und welches Potenzial die binäre Welt bereithält.

Undankbare Aufgaben

In der Regierung hatte er die denkbar undankbaren Aufgaben des Regierungskoordinators und des Chefverhandlers aufseiten der Volkspartei für die Bildungsreform.

Als solcher klatschte er schon 2015 mit der damaligen Bildungsministerin Gabi Heinisch-Hosek eine vermeintliche Einigung einer "geilen" Reform ab, es sollte noch viele Monate, bis Juni 2017 dauern, bis diese tatsächlich abgehakt werden konnte. Nachhaltig sichtbar wurde dabei, dass er weit mehr erreichen wollte, als seine Parteifunktionäre und die schwarze Lehrergewerkschaft bereit waren zu geben.

Als künftiger Wirtschaftskammer-Präsident werden mühselige Verhandlungen mit widerstrebenden Gewerkschaftern wohl zu seinem Alltag gehören.