Politik | Inland
01.10.2018

Gutachten vom Umweltbundesamt empfiehlt Tempo 100 auf Autobahnen

Das Umweltbundesamt schlägt Minister Hofer Maßnahmen vor, die im Gegensatz zum Projekt Tempo 140 stehen.

Tempo 100 für Pkw auf Autobahnen und Schnellstraßen. Das ist einer der Vorschläge des Umweltbundesamts, die im Rahmen einer Studie für das Verkehrsministerium gemacht wurden. Das berichtet der Standard. Das Ministerium von Norbert Hofer ließ durchrechnen, welche Menge an CO2-Äquivalenten durch welche Maßnahmen eingespart werden können. Hintergrund ist, dass Österreich bis Jahresende seine Energie- und Klimapläne in Brüssel vorlegen muss, mit denen die vom Pariser Klimaabkommen festgelegten Vorgaben erreicht werden sollen.

Und im Punkt "Maßnahmen Personenverkehr" wird die Absenkung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit angeregt. Ausnahme: "Zero Emission Vehicles" - also Elektroautos - die weiterhin maximal 130 km/h fahren dürften. Auch in den IG-L Tempolimitzonen.

Mit einer entsprechenden Maßnahme könnten laut Umweltbundesamt gleich einmal 450.000 Tonnen Treibhausgas pro Jahr eingespart werden, heißt es im Standard.

Das steht im Gegensatz zu den Plänen von Verkehrsminister Norbert Hofer. Der will laut Medienberichten auf zwei Drittel der Autobahnen in Österreich Tempo 140 einführen. Auf zwei Teststrecken in Nieder- und Oberösterreich ist seit 1. August Tempo 140 erlaubt - probeweise für ein Jahr.

"Wenn dieses Projekt gut funktioniert, werden wir genau festlegen, auf welchen Autobahnen aufgrund der Sicherheitslage Tempo 140 möglich ist. Wo es nicht geht, werden wir das mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen eben herunterregeln", wurde Hofer zitiert. Zudem will der Verkehrsminister weitere Bundesländer ersuchen, den so genannten Luft 100er aufzuheben. Er sei "nicht davon überzeugt, dass der 'Luft-100er' viel bringt".

Der Großteil der Bevölkerung sieht das wohl ähnlich. Eine vom Meinungsforschungsinstitut GfK begleitend durchgeführte Umfrage ergab laut Standard, dass 39 Prozent der Befragten strikt gegen ein Tempolimit sind, 28 Prozent der Befragten lehnen ein solches ab bzw. sehen es kritisch. Nur acht Prozent der Befragten waren für rigorosere Geschwindigkeitsbeschränkungen.

50 Vorschläge

Insgesamt 50 Einzelmaßnahmen hat das Umweltbundesamt vorgeschlagen. Bis zum Jahresende müssen bei der EU die Maßnahmen vorgelegt werden, wie Österreich das Ziel bis 2030 erreichen will, das ein Minus der THG-Emissionen von 36 Prozent vorsieht, was das Einsparen von 7,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, also Treibhausgasen (THG), bedeutet. Zum Vergleich: Das größte deutsche RWE-Braunkohlekraftwerk Grevenbroich-Neurath soll im Jahr 2015 rund 32 Millionen Tonnen verursacht haben.

Mit einem Anteil an 45 Prozent ist in Österreich jedenfalls der Verkehr der größte THG-Verursacher. Um hier Reduktionen zu erzielen, hat man beim Umweltbundesamt (UBA) im Auftrag des BMVIT den Sachstandsbericht "bewusst so ausgelegt, dass alle möglichen Maßnahmen enthalten sind", sagte dessen Verkehrsexperte Günther Lichtblau im Gespräch mit der APA. Der Bericht enthalte alle Maßnahmen, die beim BMVIT liegen und soll als "wissenschaftliche Grundlage" dienen und voraussichtlich Mitte Oktober publik werden.