APA14070148 - 09082013 - WIEN - ÖSTERREICH: Grüne-Chefin Eva Glawischnig bei der Präsentation der 1. Plakatwelle der Grünen für den Nationalratswahlkampf am Freitag, 9. August 2013, in Wien. APA-FOTO: ROLAND SCHLAGER

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Nationalratswahl
08/19/2013

Grüne werben um „Besorgte“ und „Verteilungs-Pessimisten“

Um das Wahlziel von 15 Prozent plus zu schaffen, müssen neue Wähler her.

von Michael Bachner

SPÖ und ÖVP setzen im Wahlkampf ganz klar auf ihre Kernwähler. Die Grünen blicken über den Tellerrand. Sie wollen all jene Menschen mit „grünem Lebensgefühl“ ansprechen, die ihr Kreuzerl bisher noch nicht unter der Ökopartei gemacht haben.

So soll das Wahlziel von „15 Prozent plus“ erreicht werden. Der Erfolg bei den vier Landtagswahlen in diesem Jahr – vor allem in Kärnten und Salzburg – gibt Selbstbewusstsein. Bei der vergangenen Nationalratswahl, im Jahr 2008, kamen die Grünen lediglich auf 10,4 Prozent (Details siehe Grafik).

Kommunikation

Grünen-Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner, der für die neue Kommunikations-Strategie verantwortlich zeichnet, sagt zum KURIER: „Wir müssen unsere klassischen Themen und Inhalte neu übersetzen und Themen wie die Bildung auf das normale Leben herunter brechen. Wir reden nicht über theoretische Modelle von Schule, sondern sprechen klar die Sorgen der Eltern und Kinder an.“ Die grüne Idee von der „Schule all inclusive“ reicht denn auch vom Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz bis zur ganztägigen Schulbetreuung. Teure Nachhilfe soll der Vergangenheit angehören. Wallner sagt: „Uns geht es um die Sorgen der Menschen und Lösungen, die unmittelbar umsetzbar sind.“

Die Ergebnisse der Landtagswahlen hätten gezeigt, dass man bei den Kernwählern nur noch bescheidene Zuwächse erzielen könne, während in den „Erweiterungsgruppen“ zweistellige Zuwachsraten möglich seien.

Hintergrund dieses Ansatzes sind wissenschaftliche Auswertungen sogenannter Sinus-Milieus und Umfragedaten, die das Potenzial an neuen Wählern aufzeigen. Besteht die Kernwählerschaft bisher aus Gruppen wie den „Postmateriellen“ oder „modernen Performern“, will man künftig verstärkt in den Zielgruppen der „Besorgten“, „Solidarischen“ und „Verteilungs-Pessimisten“ Erfolge einfahren.

Klassisches

Nicht überall ist der neue Ansatz bereits durch. In ihrem letzten Interview sprach Partei-Chefin Eva Glawischnig wieder mehr die klassischen Inhalte an: Schnellbahn statt Autobahn, Diesel verteuern, Ölheizungen verbieten und Haschischkonsum entkriminalisieren. Die scharfe Kritik der ÖVP war ihr sicher.

Dabei will Wallner vor allem die Jungen ansprechen, quer über alle neuen Zielgruppen hinweg, denn „die Erwartungshaltung an uns Grüne“ sei immer gleich. Ob günstige Jahrestickets für die Öffis oder niedrigere Mieten, das „leistbare Leben für alle“ sei zentral. Schwierig ist dabei nur die Erreichbarkeit der jungen „Spaßfraktion“, wie die Gruppe der „Hedonisten“ und die „digitalen Individualisten“ intern genannt werden. Diese Zielgruppe sei politisch relativ desinteressiert und über traditionelle Medien schwer anzusprechen. Hier setzt man auf YouTube, Apps, Facebook & Co. Wallner: „Wichtig ist auch ein gewisser Schmäh.“ Der Erfolg des „Part-of-the-Game“-Spiels und des „Sommerkinos“ auf YouTube bestätigt den Grün-Strategen.

So könnte das Ziel, bundesweit Nummer 1 bei den Jungen zu werden, aufgehen, ist Wallner überzeugt. In Tirol und Salzburg waren die Grünen heuer schon Nummer 2 bei den unter 30-Jährigen, in Niederösterreich und Kärnten jeweils Nummer 3 – meist vor der FPÖ. Bei der Nationalratswahl 2008 waren noch die Blauen vorne.

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