Politik | Inland
03.11.2018

Grün-Politiker Kogler: „Rettung der Welt kann auch Spaß machen“

Der grüne EU-Spitzenkandidat Werner Kogler strotzt vor Optimismus. Warum er an das Comeback glaubt.

Es existieren zwei Wege, sich dem Status quo der Grünen in Österreich zu nähern – nüchtern, auf Fakten basierend. Zugegeben, aus dieser Perspektive herrscht viel Schatten, durchbrochen von einigen Lichtblicken, wenn man an Wahlerfolge in Innsbruck oder Niederösterreich denkt. Weg Nummer zwei wäre, man sucht das Gespräch mit Werner Kogler – dem letzten grünen Mohikaner. Diesen erlebt man euphorisiert wie selten zuvor, sogar stärker als in seiner besten Zeit als grüner Hypo-Aufdecker.

Nein, der Steirer verabschiedete sich nach dem historischen Versagen der Grünen bei der Nationalratswahl 2017 (3,8 Prozent) nicht in die Privatwirtschaft wie andere Parteikollegen. Nein, er warf nicht die Flinte ins Korn. („Was die logische Konsequenz gewesen wäre“). Kogler entschied sich für den steinigen Weg – nämlich fürs Anpacken. Der 56-Jährige verschrieb sich dem Optimismus. Die grüne Krise als Chance sehen, lautet sein Motto. „Das klingt zwar nach Kalenderspruch, aber diese Sprüche besitzen oft hohe Weisheit“. Seit einem Jahr verzichtet er auf sein Gehalt als Parteichef, lebt von seinen Ersparnissen, tourt unermüdlich durch Österreich mit der Mission: „Das größte Comeback seit Lazarus zu schaffen. Ich bin ein Überzeugungstäter im besten Sinne“.

„Heimat EU schützen“

Nun kommt der nächste Schritt: Kogler, der eigentlich immer der Mann in der zweiten Reihe war, tritt als grüner EU-Spitzenkandidat an. „Denn es geht um alles .“ Eine Refundierung der Wahlkampfkosten gibt es nur, wenn der Einzug ins EU-Parlament gelingt – also ein Kampf um Leben und Tod.

Aber nicht für die Grünen, sondern auch für die EU. Denn in Italien arbeitet man an „einem Zerstörungswerk, wo in Kauf genommen wird, dass nicht nur die EU, sondern auch Italien selbst an die Wand gefahren wird “, warnt Kogler.

Für den studierten Volkswirt existiert so etwas wie eine Heimat Europa. „Wir brauchen nicht nur ein Europa, das schützt, sondern man muss auch Europa vor den Altnationalisten und neuen Rechtsextremen schützen. Gegen diese Zündler wirkt selbst Kickl wie der kleine bösartige Bruder. Denn in Italien sollen europäische Staatsbürger nach ihrem Äußeren qualifiziert und registriert werden. Das ist brandgefährlich.“

Was hat Kogler aus dem Betriebsunfall Nationalratswahl 2017 gelernt?

Vorbild deutsche Grüne

Auftrieb und Orientierung geben Kogler selbstverständlich die Wahlerfolge der deutschen Grünen.

Und dass die Frage des Klimaschutzes immer mehr an Dominanz gewinnt („In der Frage der Ökologie gibt es dieses Jahr den Durchbruch“).

Statt auf erhobenen Zeigefinger, wie es die Attitüde der Grünen war, setzt Kogler auf positive Botschaften. „Die deutschen Grünen formulieren frischer und lockerer. Sie signalisieren die Botschaft: Ja, es geht um die Weltrettung. Aber ich kann für eine bessere Welt auch so auftreten, dass die Menschen nicht glauben, dass sie das Büßerhemd überstreifen müssen. Die Rettung der Welt kann auch Spaß machen“, definiert Kogler das neue, positive grüne Lebensgefühl. Ganz nach dem Motto: Fürchtet euch nicht. Die deutschen Wahlergebnisse haben dem kämpferischen Grünen-Chef gezeigt, dass bei den Wählern das Migrationsthema an Bedeutung verliert. Es existiert eine Sehnsucht nach Lösungen von Alltagsproblemen. „Die deutschen Grünen sind eine Projektionsfläche für positive Gegenbilder zu diesen Negativtypen in der schwarz-roten Regierung, in der AfD und zu speziellen CSU-Typen wie Horst Seehofer“, so Kogler. Diesen Hype will der Steirer auch für die EU-Wahl und die Salzburg-Stadt-Wahl nützen. „In Salzburg haben wir die Chance auf über 20 Prozent der Stimmen“, so Koglers mutige Prognose.

Und wie man weiß: Der Glaube kann Berge versetzen.