Politik | Inland
24.09.2017

Großkampf-Abend im TV

Elefantenrunde auf Puls4: Sechs Spitzenkandidaten im Infight um die Unentschlossenen.

Die so genannte Elefantenrunde der sechs maßgeblichen Spitzenkandidaten auf Puls4 stellt zweifelsohne einen ersten Höhepunkt im Intensivwahlkampf für die Nationalratswahl am 15. Oktober dar.

Der Privatsender versammelte am Sonntagabend zur besten Sendezeit die Spitzenkandidaten der im Parlament vertretenen Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne und Neos – plus die Liste Pilz, also Peter Pilz selbst.

Der Auftritt des Ex-Grünen war insofern mit Spannung erwartet worden, als der öffentlich-rechtliche ORF Pilz die Teilnahme an seinen TV-Konfrontationen ja untersagt hat. Außerdem sind viele der Positionen der anderen Kandidaten durch ihre bereits mehrfach absolvierten TV-Auftritte schon relativ bekannt bis breit getreten, Pilz hatte bisher noch nicht soviel Öffentlichkeit im Fernsehen.

Kartellverdacht

Er will daher "voll in die Offensive gehen" und die wahlkampftechnisch wertvolle Sendezeit nutzen, um gegen das "Kartell der Angst" aus SPÖ, ÖVP und FPÖ aufzutreten, wie er im KURIER-Gespräch sagte.

Pilz sagte vor der TV-Konfrontation mit Christian Kern, Sebastian Kurz, Heinz-Christian Strache sowie Ulrike Lunacek und Matthias Strolz: "Mit Strache kämpfe ich um die Protestwähler, mit Kurz kämpfe ich um die Zukunft der Republik."

Einen Mangel an Selbstvertrauen kann man Pilz jedenfalls nicht attestieren. Er ist nach eigener Einschätzung der "einzige Gegenpol, zur künftigen Regierung – die "einzige Kontrolle".

Wie diese künftige Regierung zusammen gesetzt sein wird, dürfte auch nach dieser Elefantenrunde unklar bleiben. Niemand will sich vor dem 15. Oktober festlegen, wie wohl alle Umfragen Sebastian Kurz die Favoritenrolle zusprechen. Schließlich führt der ÖVP-Chef und Außenminister klar und das seit längerer Zeit. Die jüngste KURIER-OGM-Umfrage, veröffentlicht in der Sonntagsausgabe hat ergeben: Kurz beziehungsweise seine ÖVP liegt mit 33 Prozent klar voran, dahinter matchen sich aktuell Christian Kern (26 Prozent) und Heinz-Christian Strache (25 Prozent) um Platz zwei.

Koalitionsfrage offen

Einig sind sich Kurz, Kern und Strache darin, dass der Gewinner des 15. Oktober den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen soll. Ob aber am Ende Schwarz-Blau oder gar Schwarz-Rot herauskommt, oder gar Rot-Blau, selbst bei einem ÖVP-Sieg, wie ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel vermutet, ist völlig offen.

In der Puls4-Debatte müssen Kern und Strache jedenfalls versuchen, im Teich das jeweils anderen zu fischen – ohne die eigene Anhängerschaft vor den Kopf zu stoßen. Vor allem die Unentschlossenen, rund 15 Prozent jener, die sicher zur Wahl gehen wollen, galt es am Sonntag Abend anzusprechen.

Während der Kanzler mit dem Hinweis auf die guten Wirtschaftsdaten zu punkten versucht, verweist Strache schon routinemäßig auf die Probleme mit der Zuwanderung. Dennoch haben die TV-Konfrontationen einen großen Wert, was ihren Charakter als Entscheidungshilfe für die Wahl angeht. Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer sagt sogar: "Das Fernsehen entscheidet alles."

An mehr oder weniger flotten Sprüchen mangelt es den Kandidaten jedenfalls nicht, wie ein Rückblick auf die bisher besten Sager (siehe Zitate oben) zeigt.

Den Abschluss des Reigens an TV-Duellen macht dann drei Tage vor der Wahl die Elefantenrunde im ORF mit allen im Parlament in Klubstärke vertretenen Partei beziehungsweise ihren Spitzenkandidaten. Da wird Peter Pilz fehlen. Seiner Liste gehören nur vier Abgeordnete an. Zur Bildung eines Klubs sind fünf Mandatare nötig.