Politik | Inland
18.01.2018

Streitbarer Politiker: Grazer Alt-Bürgermeister Götz ist tot

Der FPÖ-Spitzenpolitiker Alexander Götz war zehn Jahre lang Grazer Stadtoberhaupt. Währenddessen war er auch in der Bundespolitik aktiv. Bekanntheit erlangte Götz zudem mit einem Bonmot über Wien und den Südbahnhof.

Alexander Götz, schillernder FPÖ-Politiker der Siebziger und Achtziger Jahre, ist am Donnerstag im 90. Lebensjahr verstorben. Götz war 1973 bis 1983 der bisher einzige freiheitliche Bürgermeister von Graz. Zudem war er Abgeordneter im Landtag und im Nationalrat. Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) bedauerte den Verlust einer "großen Persönlichkeit unserer Stadt".

Götz wurde am 27. Februar 1928 in Graz geboren und zählte zu den Freiheitlichen der ersten Stunde. Bereits 1955 schloss sich der National-liberale der im Formierungsprozess befindlichen Partei an. 1958 wurde Götz in den Gemeinderat der Stadt Graz gewählt, und von diesem noch im selben Jahr in den Stadtsenat gewählt. Er führte als Wohnungsreferent das Punktesystem für die Vergabe von Wohnungen durch die Gemeinde ein.

Mit Coup zum Bürgermeister

1964 schaffte er die Wahl zum Dritten Vizebürgermeister. Neun Jahre später gelang es ihm als Obmann der drittstärksten Fraktion im Grazer Rathaus, die dort zweitstärkste Partei, die ÖVP, zu einem Pakt zu überreden, der die SPÖ und deren Bürgermeisterkandidat Gustav Scherbaum in die Opposition schickte und ihn, Götz, zum Bürgermeister kürte. Dieser Coup beeindruckte die Bundes-FPÖ derart, dass sie Götz 1978 zum Nachfolger von Langzeitobmann Friedrich Peter machte.

In seine Ära als Bürgermeister fallen u.a. die Errichtung einer Abteilung für Bürgerinitiativen, ein mit Landesförderung ermöglichtes Programm zum Bau und zur Reparatur von Pflichtschulen, Landessubventionen für die Verkehrsbetriebe, die Errichtung der Augartenbrücke und das innerstädtische Einbahnsystem. 1978 wurde er als Bürgermeister wiedergewählt.

Von 1964 bis 1983 war er FPÖ-Landesparteiobmann in der Steiermark, 1978 und 1979 auch Bundesparteiobmann der FPÖ und 1979 agierte er als FPÖ-Klubobmann im Nationalrat. Sein Gastspiel im Parlament dauerte aber nur fünf Monate, vom Juni bis Ende November 1979. 1980 wurde Götz nach einem matten Wahlergebnis vom Norbert Steger als Parteiobmann der FPÖ abgelöst.

Freche Zitate über Südbahnhof und Kreisky

Aus seiner Zeit als Klubchef stammt auch ein Bonmot, mit dem Götz in das mündlich überlieferte österreichische Sprüche-Lexikon Eingang fand. Der schönste Ort von Wien sei für ihn der Südbahnhof, sagte er damals in einem Gespräch mit Journalisten. Götz' launige Begründung: "Da kann man wieder heimfahren."

Bundespolitisch sorgte Götz für großes Aufsehen, als er eine Attacke des damaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky mit der Aussage kommentierte, Kreisky sei "Papp ins Hirn" gestiegen. Die SPÖ stellte darauf hin prompt den Wahlkampf 1979 unter das Motto "Götz & Taus - Nein Danke" (Josef Taus war damals VP-Bundesobmann). Kreisky erhielt die absolute Mehrheit, Götz sah sich gescheitert, legte alle Bundesfunktionen der FPÖ zurück und konzentrierte sich wieder auf Graz. Kreisky später: "Solange er (Götz) bei dieser Behauptung blieb, kam er als Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Österreichs bei mir nicht mehr über die Schwelle".

Konflikt mit Haider

Bei der Gemeinderatswahl 1983 fiel die FPÖ von 14 auf neun Mandate zurück, daraufhin beendete er seine politische Karriere. Danach übernahm er die Funktion eines Geschäftsführers des Technologieberatungszentrums Technova und bis 1997 die Präsidentschaft der Grazer Messe. 1978 war er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet worden.

In seiner Polit-Pension hatte der streitbare Politiker noch einen innerparteilichen Konflikt auszufechten. Nachdem er wegen des Bezugs einer doppelten Pension als Politiker und Beamter kritisiert wurde, forderte ihn Jörg Haider als nunmehriger FPÖ-Chef zum Verzicht auf seine (Schilling-)"Millionenpension" auf. Der Steirer, der bis zum Verfassungsgericht um seine Pensionsrechte kämpfte, verstieß damit gegen den von seiner Partei damals propagierten Privilegienabbau und wurde aus der FPÖ ausgeschlossen.

Der kampferprobte Götz setzte sich aber schließlich in beiden Sachen durch. Er bekam sowohl seine Parteimitgliedschaft als auch nicht ausbezahlte Pensionszahlungen von der Stadt Graz zurück.

Ein harter, aber fairer Verhandler

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zeigte sich über den Tod von Alexander Götz betroffen: "Wir haben mit ihm gut zusammengearbeitet. Er war ein harter, aber fairer Verhandler mit Handschlagqualität. Er hat sich sein ganzes langes politisches Leben immer um die Zusammenarbeit der Bürgerlichen in der Steiermark bemüht, aber stets auch den Ausgleich zu allen Parteien gesucht."

Betroffen gab sich auch FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache: "Bei Alexander Götz handelte es sich um einen echten wahren Freiheitlichen, der zu unserer Gesinnungsgemeinschaft gestanden ist, egal wie rau ihm der politische Wind ins Gesicht geweht hat. Er hat die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft nicht nur ein Leben lang gepredigt, er hat sie auch gelebt", so Strache. Für die FPÖ habe der Altbürgermeister viel geleistet und sei gerade in schwierigen Zeiten einer der treuesten Weggefährten gewesen. Man werde Götz schmerzlich vermissen.

Der Grazer FPÖ-Vizebürgermeister Mario Eustacchio meinte: "Wie verlieren eine große Persönlichkeit als Mensch und Politiker. Er hat durch sein Wirken unser Graz, die Steiermark, aber auch unsere Heimat Österreich nachhaltig positiv geprägt. Er wird unvergessen bleiben. Mein aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie und den Angehörigen."

Götz sei nicht nur einer der erfolgreichsten freiheitlichen Politiker, sondern auch ein stets um das Wohl der Menschen bemühter Verantwortungsträger gewesen, sagte FPÖ-Verteidigungsminister Mario Kunasek und fügte hinzu: "Er war eine tragende Säule der steirischen Freiheitlichen."