Politik | Inland
28.06.2018

GPA-Chefin Teiber: „Streiken ist nicht super, aber...“

Porträt: Die neue GPA-Chefin Barbara Teiber ist die einzige Frau in der Gewerkschafts-Männerbastion – mit unfreiwilligem 12-Stunden-Tag.

Eigentlich, sagt Barbara Teiber, hat sie sich den Einstieg nicht so vorgestellt.

Es ist Donnerstagabend, der ÖGB-Kongress geht zu Ende; kurz danach verkündet die Regierung die Freigabe des Wegs zum 12-Stunden-Tag. Montag darauf wird Teiber zur Chefin der Gewerkschaft der Privatangestellten ( GPA) bestellt – und es gibt für sie kaum ein anderes Thema mehr als die Arbeitszeit.

Hätte einfacher sein können, stimmt. „Seither haben wir alle nicht viel geschlafen“, sagt sie. Doch immerhin hat die Regierung so auch eines geschafft: Teiber, bisher keine bekannte Politik-Größe, hat jetzt ihren großen Auftritt.

Kein Bürokraten-Gen

Bei der ÖGB-Großdemo am Samstag, bei der man auf einige zehntausend Teilnehmer hofft, wird sie erstmals prominent auf der Bühne stehen – als einzige Frau, und als diejenige, die den Aufbruch in neue Zeiten verkörpern soll: Die Wienerin, 40, blond, Brille, ist schließlich das ziemliche Gegenteil von dem, was man sich landläufig unter dem klassischen Funktionär vorstellt.

Zwar ist auch sie ein Gewerkschaftseigengewächs – sie startete als GPA-Frauensekretärin, war Bundesfrauen-Chefin, Vizepräsidentin der AK, nur das behäbige Apparatschik-Gehabe, das graue Bürokraten-Gen, das fehlt. Die alte Männerbastion „bröckelt“, sagt sie – verstaubt, das war gestern, so ihre Botschaft.

Die Chancen, dass sie ankommt, stehen jedenfalls nicht allzu schlecht – denn Reden ist Teibers Ding. Von ihr kommen Sätze wie: „Der Entwurf zum 12-Stunden-Tag muss in den Mistkübel. Das ist ein Generalangriff auf die Sozialpartnerschaft, ein Brachialakt.“ Oder: „Was von der Regierung und der Industriellenvereinigung gesagt wird, da sind ganz viele Märchen, Unwahrheiten, Fake News dabei.“ Und: „Ich bin keine, die sagt: Streiken ist super. Aber wenn man durchs Reden nicht zusammenkommt, werden die Mittel eben härter werden.“

Allianz mit Arbeitgebern

Ist Teiber also streiklustig? Nicht wirklich, sagt sie und wiegt den Kopf. „Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Leute sich das wünscht.“ Vorerst versucht sie es darum lieber es auf anderem Weg: „Bei den Betriebsversammlungen, wo ich war, haben sich auch Arbeitgeber zu Wort gemeldet und gesagt, dass sogar ihnen das Gesetz zu arg ist“, sagt sie. Mit ihnen sucht Teiber nun die – diplomatische – Allianz. „Ich hoffe, dass sie sich auch öffentlich zu Wort melden und das die Regierung zum Nachdenken bringt.“

Nur die Frage, was passiert, wenn nichts fruchtet, lässt Teiber wie alle anderen Gewerkschafter lieber aus. Taktik ist das, man will der Koalition nicht zu früh sagen, womit sie zu rechnen hat. Ganz harte Bandagen, wie sie ein PORR-Betriebsrat in den Raum gestellt hat, werden es aber eher nicht sein: Er meinte, man könnte als Protest gegen den 12-Stunden-Tag „auf der Autobahn ein bisschen Beton verlieren“. Eine heftige Idee – aber für die harten Worte hat Teiber hat aber durchaus. „Der Ärger ist einfach riesig“, sagt sie.

Und sie selbst, wie geht es ihr mit ihrem eigenen, unfreiwilligen 12-Stunden Tag? Das sei eine ihrer Lieblingsfragen, sagt sie. „Ich bin sowieso vom Arbeitszeitgesetz ausgenommen“, für Führungskräfte gelte das ja nicht. Und ihre Mitarbeiter, was haben die davon? „Unser Betriebsrat hat das nicht schlecht verhandelt“, sagt Teiber. Alles andere wäre irgendwie auch nicht vertretbar – quasi ein Angriff auf die Sozialpartnerschaft.