Politik | Inland
22.11.2017

Gewerkschafter warnen davor, Lehrer länger unterrichten zu lassen

Eine höhere Lehrverpflichtung würde 370 Millionen Euro freispielen.

Der KURIER-Bericht, wonach es kein frisches Geld fürs Bildungssystem geben soll, sorgt weiter für Aufregung – auch bei den Verhandlungsgruppen der neuen Koalition. Den Verhandlern von ÖVP und FPÖ sei nämlich wichtig, wurde am Mittwoch erklärt, dass nicht geplant sei, die Bildungsausgaben zu kürzen – was der KURIER auch nie behauptet hatte. Weiters hieß es, dass "das System verbessert, die Struktur optimiert und die vorhandenen Mittel effizient eingesetzt" werden sollen. Das letzte Wort über das Bildungsbudget sei aber noch nicht gesprochen.

Die Lehrergewerkschaft ist dennoch in Sorge, denn sehr viele Stellschrauben, wie man "das System verbessern und Mittel besser einsetzen" könne, gibt es nicht.

Am einfachsten ginge das, wenn die Lehrverpflichtung angehoben wird. So könnten 370 Millionen Euro gehoben werden.

Aber was spricht dagegen? Matthias Hofer, schwarzer AHS-Lehrergewerkschafter aus Tirol, ärgert sich, dass dieses Thema wieder hochkocht. "Vor allem die Arbeitsbelastung der Lehrer quer durch alle Schulen spricht dagegen. Das hat die Thalis-Studie schon vor Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass Österreichs Pädagogen überdurchschnittlich viel arbeiten. Damals hatte Bildungsministerin Schmidt verordnet, dass wir bei der Studie nicht mehr teilnehmen, um ihr Peinlichkeiten zu ersparen." Eine Erhöhung der Unterrichtsstunden wäre jedenfalls für die Gewerkschaft "inakzeptabel".

24 statt 20 Stunden

Die Lehrervertreter wissen aber auch, dass eine neue Regierung gute Argumente hätte, genau das zu verlangen: Junglehrer können jetzt schon in ein 2015 verhandeltes neues Dienstrecht optieren, das für ein etwas höheres Anfangsgehalt auch eine höhere Lehrverpflichtung beinhaltet – 24 statt 20 Stunden pro Woche. Ab 2019 gilt dieses Dienstrecht für alle neuen Lehrer, somit wird es eine Art Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer geben, mit jenen, die nur 20 Stunden Lehrverpflichtung haben, und den Jungen mit 24 Stunden. "Wir haben damals, als das neue Dienstrecht verhandelt wurde, davor gewarnt, dass das aufgrund der stark erhöhten Belastung viele Kollegen in die Teilzeit zwingen wird", zeigt sich AHS-Chefgewerkschafter Herbert Weiß nicht glücklich über die höhere Lehrverpflichtung für Junglehrer.

Gute Chancen, Geld im Schulsystem freizubekommen, gibt es aber auch in den NMS. Dort gibt es – in den "Schularbeitsfächern" – zwei Lehrer in der Klasse, "Teamteaching". Das funktioniert sehr gut, wenn die Lehrer gut miteinander harmonieren, "aber wenn da zwei Lehrer miteinander arbeiten müssen, die grundsätzlich unterschiedliche pädagogische Konzepte verfolgen, dann funktioniert das schlecht", sagt AHS-Mann Hofer. Mögliche Einsparung, wenn das abgeschafft wird: 170 Millionen Euro.

Klar ist aber auch, dass es geplante Konzepte wie "Deutsch vor Schuleintritt" oder eine Ausbildungspflicht nicht zum Nulltarif geben wird.