Politik | Inland
09.02.2017

Gesundheitsministerin Oberhauser im Krankenhaus

Sabine Oberhauser am 06.10.2016 in Wien. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Die SPÖ-Politikerin leidet an einer Bauchfellentzündung.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) ist stationär ins Krankenhaus aufgenommen worden. Dies erfolgte wegen einer Bauchfellentzündung, teilte eine Sprecherin am Donnerstag der APA mit.

Sabine Oberhauser ist seit Anfang Februar 2015 wegen einer Tumorerkrankung in Behandlung. Damals hatte sie bekannt gegeben, an Unterleibskrebs zu leiden.

Sabine Oberhauser: "Ich habe an Rücktritt gedacht"

KURIER: Wenn Sie auf 2016 zurückblicken: Die Querelen mit den Ärzten, dann die zweite Krebsdiagnose. War das Ihr härtestes Jahr?

Sabine Oberhauser: Es war sicher eines der herausforderndsten Jahre. Es begann mit dem Regierungswechsel. Da war die Unsicherheit: Bleibt man in der Regierung oder muss man gehen? Danach die Rückkehr der Krebserkrankung. Dazu kamen zwei Operationen. Das Jahr war sehr fordernd, aber es hat sich zum Besseren entwickelt. Ich bin optimistisch, dass wir den Konflikt mit den Ärzten bereinigen können. Meine Befunde verbessern sich. Ich hoffe, dass ich mich in den Weihnachtsfeiertagen körperlich erholen kann.

Das heißt, die neuerliche Chemotherapie greift offenbar, obwohl sie anstrengender ist als bei der ersten Krebstherapie ...

Die Chemotherapie belastet mich momentan weniger als die Verdauungsprobleme, die durch die zwei Operationen entstanden sind. Jede Nahrungsaufnahme ist extrem schwierig. Ich muss sehr genau aufpassen, was, wann und wie ich esse. Den Krebs behandeln meine Onkologen salopp gesprochen parallel dazu ab. Das große Problem ist eher, wie ich wieder zu einer guten Kondition komme.

Wie mussten Sie Ihre Ernährung umstellen?

Rein theoretisch muss ich gar nichts umstellen. Mein Problem haben auch Menschen, die mit einem chronisch entzündlichen Darm kämpfen. Etwa bei Morbus Crohn, wo die Darmpassage schnell ist. Dadurch können Nährstoffe nicht aufgenommen werden und es kann Durchfälle geben. Dieses Kurzdarmsyndrom ist in Österreich relativ wenig erforscht. Ich muss einfach probieren: Welches Essen vertrage ich? Darf ich zum Essen etwas trinken oder nicht? Bekomme ich Durchfall? Wird mir schlecht? Es funktionieren manchmal komische Dinge: Süßes ist manchmal gar kein Problem. Aber Brot vertrage ich gar nicht. So experimentiere ich mich jeden Tag aufs Neue durch, weil sich keine Gesetzmäßigkeiten erkennen lassen.

Interview mit Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser am 20.12.2016 in Wien. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Vor wenigen Tagen passierte das Attentat in Berlin. Relativieren solche dramatischen Ereignisse das eigene Schicksal, weil man sich bewusst wird: Diese Menschen waren chancenlos. Ich habe wenigsten die Chance, um mein Leben zu kämpfen?

Das letzte Mal hatte ich solche Gedanken, als eine Bekannte von mir mit 50 bei einem Motorradunfall ums Lebens kam. Bei Berlin denkt man nur über die Sinnlosigkeit und den Irrsinn nach.

Woher beziehen Sie Ihre Kraft, neben dem Job auch noch den Krebs zu bekämpfen?

Arbeit war immer ein Teil meines Lebens. Mein Job macht mir extrem viel Freude. Ich habe das Privileg, dass ich mir meine Arbeitszeit einteilen kann. Außerdem lenkt die Arbeit ab. Ich erhalte viele Briefe von Menschen, die auch gerne zumindest ein paar Stunden trotz Erkrankung arbeiten gehen würden, aber es nicht können, weil es die Möglichkeit nicht gibt.

"Natürlich habe ich an Rücktritt gedacht. Ich habe mir überlegt, ob ich für die Partei tragbar bin, ob ich den Job, für den ich bezahlt werde, ausfüllen kann als nicht völlig fitter Mensch."

Haben Sie an Rücktritt gedacht?

Natürlich habe ich an Rücktritt gedacht. Ich habe mir überlegt, ob ich für die Partei tragbar bin, ob ich den Job, für den ich bezahlt werde, ausfüllen kann als nicht völlig fitter Mensch. Nach der zweiten Operation war ich mir nicht sicher, ob ich das schaffe. Das Glück war, dass die Operation in den Sommer gefallen ist. Mein Team und ich haben es geschafft, die Arbeit auch am Krankenbett und zu Hause fortzusetzen. Auch Christian Kern hat mir versichert, dass er hinter mir steht.

Einer Ihrer Lieblingsbeschäftigungen war, mit Ihrem Hund jeden Tag in der Früh spazieren zu gehen. Ist das momentan möglich?

Das geht gar nicht, weil ich es körperlich nicht schaffe. Aber diese Spaziergänge fehlen mir sehr.

Wer ist Ihre größte Stütze?

Was mein Mann leistet, ist völlig unvorstellbar. Neben seinem Job als Arzt im SMZ Ost managt er den ganzen Haushalt mit Waschen, Putzen, Bügeln, Einkaufen. Nebenbei übernimmt er zu Hause meine medizinische Versorgung rund um die Uhr . Ich kann mich gar nicht genug bei ihm bedanken. Es fällt nie ein grantiges Wort, obwohl ich nicht immer gut gelaunt bin.

Wie sehr hadert man mit seinem Schicksal, wenn die Diagnose Krebs zum zweiten Mal kommt?

Schon bei der ersten Erkrankung habe ich mir überlegt, wie ist es, wenn du wieder die Diagnose bekommst. Ich habe es mir furchtbar vorgestellt. Es ist auch furchtbar und natürlich hadert man mit dem Schicksal. Aber du kommst sofort in den Modus: Es ist so. So what? Auf ein Neues. Es gibt nicht viele Möglichkeiten. Fenster auf und runterspringen ist nicht die Lösung. Dafür wäre ich viel zu feig (lacht).

Welchen Weihnachtswunsch haben Sie?

Friedliche Feiertage mit Harmonie in der Familie, und dass ich noch viele Weihnachten feiern kann.

Interview mit Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser am 20.12.2016 in Wien. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Frau Minister Oberhauser, der Vizepräsident der Ärztekammer skizzierte im KURIER am Beispiel Neusiedler See folgende Zukunft: So wird es in Parndorf ein Primärversorgungszentrum geben. Die Praxen in Illmitz, Neusiedl & Co. werden verschwinden. Ist das die Zukunft, die Sie wollen?

Ganz sicher nicht. Unser Ziel ist es, wohnortnahe hausärztliche Versorgung zu machen. Es entspricht auch meiner Vorstellung, dass rund um den Neusiedler See Hausärzte niedergelassen sind, aber diese sollten sich überlegen, wie sie ihre Öffnungszeiten koordinieren. Schön wäre es, wenn am Montag der Arzt in Neusiedl offen hat. Am Dienstag der Arzt in Parndorf, am Mittwoch der Arzt in Podersdorf, et cetera. Im Idealfall treffen sich die Ärzte auch noch und tauschen sich über die kritischen Patienten aus. Dazu gehört auch eine Krankenschwester, die die Arbeit von täglichen Blutzuckerspiegeln mobil kontrolliert. Im absoluten Idealfall gibt es noch einen Internisten, der die kritischen Fälle übernimmt.

Wenn es nur um eine Verbesserung der Koordinierung geht, warum schalten dann die Ärzte auf stur?

Das müssen Sie die Ärztekammer fragen. Diese hat ein Bild des Fließbandarztes geschaffen, von dem sie nicht mehr runtersteigt. Im parlamentarischen Ausschuss meinten sie sogar, dass der Arzt in Zukunft die Zeit nicht mehr haben wird, den Patienten die Hand zu geben. Wenn ein Primärversorgungszentrum geschaffen wird, weil es in einem Ort tolle Busverbindungen gibt oder weil ein Bürgermeister den Raum dafür zur Verfügung stellt, dann kann es das geben – aber es muss nicht sein. Meine oberste Priorität ist, dass sich die Ärzte koordinieren. Eine Kollegin war im Vorjahr an einem See auf Urlaub. Es hatte am Montagvormittag keine einzige Praxis geöffnet. Das darf nicht sein. Mir geht es um eine flächendeckende Versorgung – und das muss regional unterschiedlich gestaltbar sein. Deswegen sollen es auch die Regionalpolitiker planen.

Die Ärztekammer argumentiert, dass der Testlauf des Primärversorungszentrums auf der Mariahilfer Straße wackelt, weil er um ein Vielfaches teurer wurde als kalkuliert. Wird das der Patient finanziell spüren?

Ich verspreche den Menschen, wenn sie ein Primärversorgungszentrum aufsuchen, dann müssen sie ihre Brieftasche nicht öffnen. Dass es teurer wird, hat die Stadt Wien gewusst. Auch Länder und Sozialversicherung haben 200 Millionen Euro für den weiteren Ausbau von Primärversorgungsmodellen reserviert. Warum ist das so? Weil die Allgemeinmediziner um 40 Prozent weniger verdienen als die Fachärzte. Es war allen klar, wenn ich die Primärversorgung gut aufstellen will, dann muss ich bei der Honorierung der Allgemeinmediziner was ändern.

Interview mit Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser am 20.12.2016 in Wien. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Zwischen der Stadt Wien und den Ärzten krachte es gewaltig. Nun der Streik der Allgemeinmediziner. Fürchten die Ärzte, dass sie ihre jahrzehntelange Machtposition der "Götter in Weiß" verlieren können?

Ich denke, die Ärzte haben die Sorge, dass sie die Wertschätzung verlieren. Die Patientenfragen werden kritischer, die Arbeitsbedingungen sind nicht mehr so rosig. Die finanzielle Situation der Kassen wird nicht besser. Die Konflikte, wie sie von der Ärztekammer geführt wurden, waren weit überzogen und haben möglicherweise mit dem Ego zu tun.

Sie haben die Ärzte der Lüge bezichtigt. Ist das ein gutes Niveau?

In vielen Verhandlungsrunden habe ich erklärt, dass wir den Hausarzt nicht abschaffen wollen. Wir haben der Ärztekammer zugesagt, dass kein Vertrag eines Hausarztes gekündigt wird, wenn ein Primärversorgungszentrum eröffnet. Die Kammer hat viele falsche Argumente gebracht, um Ärzte und Patienten in Geiselhaft zu nehmen. Mit mir kann man einen fairen Kampf führen, aber da ist mir der Kragen geplatzt. Wir haben alle Zusagen schriftlich festgehalten. Was macht die Ärztekammer? Sie schließt die Türe und kommuniziert wider besseren Wissens falsche Tatsachen.