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Politik Inland
09/26/2018

Gegenwind für Rendi-Wagner: "Glaube nicht an Anführerinpartei"

Holpriger Start für die neue rote Frontfrau: Murren in der SPÖ über Entmachtung von Schieder und Co. hält an.

von Michael Bachner

Die „Sondersituation für alle Beteiligten“ ist noch keineswegs ausgeräumt, wie ein roter Parteigrande unumwunden zugibt: Nur einen Tag nach ihrer Wahl im Parteivorstand geht in der SPÖ bereits die Befürchtung um, dass Pamela Rendi-Wagner mit ihrer neuen Mammut-Aufgabe überfordert sein könnte.

Außerdem, ätzen etwa die ursprünglichen Unterstützer von Doris Bures, stecke mit Rendi-Wagner, dem neuen Partei-Manager Thomas Drozda und der bisherigen Pressemannschaft „ein bisschen viel Kern“ im vermeintlich neuen Team.

Auf ihr eigenes Betreiben hin, ist ihr der bei Ländern und Gewerkschaft beliebte und bestens vernetzte Geschäftsführer Max Lercher aus der Steiermark abhanden gekommen. Lercher hatte erst Ende August sein Landtagsmandat zurück gelegt, um sich voll auf seine Aufgaben in Wien konzentrieren zu können. Ihn ersetzt nun Drozda, Minister unter Ex-Kanzler Christian Kern und enger Rendi-Wagner-Vertrauter.

Der steirische SPÖ-Chef Michael Schickhofer bedauert Lerchers Abgang zutiefst. „Max Lercher war so etwas wie das Herz der Partei. Er wäre als bodenständiger Typ die ideale Ergänzung zu Rendi-Wagner gewesen. Sie muss jetzt in die Länder hinaus und sich rasch ein Netzwerk aufbauen. Sie wird sehr schnell einen vollen Terminkalender haben.“

Dazu kommt, dass dem Parteiumbau auch der erfahrene, geschäftsführende Klubchef Andreas Schieder zum Opfer fiel. Er ist jetzt auf Wunsch Rendi-Wagners nur noch ihr Vize, bekommt kein Zusatzgehalt und will sich auf die Außenpolitik konzentrieren. Viele SPÖ-Abgeordnete bedauern das.

Ludwig: "Sehr starke persönliche Belastung"

Rendi-Wagner will die SPÖ-Klubführung im Parlament alleine stemmen. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ist skeptisch, ob sie das schaffen kann: „Ich persönlich glaube, es ist eine sehr starke persönliche Belastung, den Parteivorsitz und den Klubvorsitz zu machen, aber das ist ihre persönliche Entscheidung.“ Der Simmeringer SPÖ-Chef Harald Troch sagt sogar: „Ich glaube nicht an eine Anführerinpartei.“

Erste inhaltliche Festlegungen wollen die Roten auf einer Klausur am 6./7. Oktober machen. Schickhofer freut sich, dass in der Woche dieses Termins zwei Volksbegehren (Frauen, Rauchen) ihre Eintragungswoche haben. „Das ist aufgelegt, das sind ihre Themen, da ist Rendi-Wagner stark. Beim 12-Stunden-Tag wird die Gewerkschaft schon hoch aktiv sein. Da braucht es eben eine gescheite Spielaufstellung. Bei uns ist es nicht so wie bei Kurz, wo schon ein Jahr vorher alles bis ins Detail festgelegt war.“

Kern wirkt nach

Ob sich die rote Frontfrau auf Frauen- und Gesundheitsthemen konzentrieren kann, wird in der Gewerkschaft bezweifelt. Im Kampf gegen Türkis-Blau sei Wirtschafts- und Sozialkompetenz gefragt. Sie habe sich durch ihre Personal-Entscheidungen zwar Respekt verschafft, heißt es im ÖGB. Aber die Kombination aus Rendi-Wagner und Drozda sei „halt sehr kernlastig, also weit weg von denen, die wir ansprechen müssen“.

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