Politik | Inland
04.01.2018

Für Wiens Michael Ludwig ist das Kapitel Rot-Blau geschlossen

Michael Ludwig will sich gegen Andreas Schieder um die Häupl-Nachfolge durchsetzen.

KURIER: Auf der SPÖ-Homepage wird der Kampf um die Häupl-Nachfolge als freundschaftlicher Akt inszeniert. Für Beobachter wird das eine Zerreißprobe.

Michael Ludwig: Ich sehe keinen Kampf, sondern einen Wettbewerb der Ideen. Das Duell um Wien findet 2020 mit den politischen Mitbewerbern statt.

Am Freitag endet die Bewerbungsfrist. Rechnen Sie mit einer Überraschungskandidatur?

Das würde mich wundern, aber es würde an meiner Kandidatur nichts ändern.

Michael Häupl hat gesagt, die SPÖ Wien gehört durchlüftet. Reicht es da jetzt, nur gegen Türkis-Blau zu sein?

Nein. Unabhängig davon wie sich eine Bundesregierung zusammensetzt, hat es für mich oberste Priorität, die Interessen der Wiener Bevölkerung zu vertreten. Die Mitsprache ist mir dabei wichtig.

Was halten Sie von einer Ämtertrennung SPÖ-Vorsitz und Wiener Bürgermeister?

Nichts, weil es gerade jetzt notwendig ist, als Partei geschlossen aufzutreten. Dazu braucht es aber eine Führungspersönlichkeit.

Türkis-Blau hat sich bereits gegen das Rote Wien positioniert.

Da sind im speziellen Maßnahmen am Arbeitsmarkt und im Wohnbereich angekündigt worden, die dem entgegen stehen, was ich mir vorstelle.

Was missfällt Ihnen?

Zum Beispiel, den Lagezuschlag auszuweiten. Das würde höhere Mieten in weiten Teilen der Stadt bedeuten. Dagegen bin ich massiv.

Und der angekündigte Gehaltscheck im Gemeindebau?

Den halte ich für leistungsfeindlich.

Schwarz-Blau I hat die Hausmeister abgeschafft, jetzt wird die von Ihnen propagierte soziale Durchmischung infrage gestellt. Droht die SPÖ, die Lufthoheit im Gemeindebau zu verlieren?

Ganz im Gegenteil. Jetzt sieht man, wie die Parteien agieren, wenn sie an der Macht sind. Viele in der Wiener Bevölkerung werden merken, dass ihre Interessen bei der Wiener SPÖ gut aufgehoben sind.

Wie wollen Sie sich gegen die Angriffe zur Wehr setzen?

Die Wohnbauförderung ist Länderkompetenz, daher haben wir hier als Stadt durchaus Möglichkeiten. Für konstruktive Vorschläge seitens des Bundes bin ich grundsätzlich offen. Aber solche Ideen, die sich gegen die Interessen der Wienerinnen und Wiener richten und das Wohnen verteuern, lehne ich strikt und entschieden ab.

Und die Mindestsicherung?

Wir haben erst ein neues Wiener Modell beschlossen. Jetzt gilt es daher abzuwarten, was auf Bundesebene wirklich daherkommt. Ich war immer für eine bundeseinheitliche Regelung und auch für Sachleistungen.

Sie wollen in Wohn-, Schul- und Straßenbau investieren, um die Konjunktur anzukurbeln. Gleichzeitig hat Wien hohe Schulden, wie soll das gehen?

Ich habe im Wohnbau bewiesen, dass es kreative Möglichkeiten gibt, privates Kapital hereinzuholen und trotzdem kostengünstige Wohnungen anzubieten.

Wie stehen Sie zu den zwischen Rot und Grün umstrittenen Verkehrsprojekten?

Straßenbau heißt für mich Lobautunnel, heißt für mich Stadtstraße oder auch dritte Piste am Flughafen. Denn wir müssen Maßnahmen setzen, um den Wirtschaftsstandort Wien fit zu halten.

Hält die rot-grüne Koalition?

Ich gehe davon aus, denn bis 2020 ist die Vereinbarung geschlossen.

Und wenn es doch grünen Widerstand gibt?

Das wird mich nicht davon abhalten, Projekte, die im Sinne der Wiener Bevölkerung sind, zu forcieren.

Sie sind gegen eine Zusammenarbeit mit der FPÖ. Ist das Kapitel Rot-Blau auf allen Ebenen geschlossen?

Auf Bundesebene sind die Weichenstellungen erfolgt. Und auf Wiener Ebene sehe ich auch keine Möglichkeit.

Gilt das auch für die Zeit nach der Wien-Wahl 2020?

Es ist davon auszugehen.

Wird das die Schicksalswahl um das rote Wien?

Es zeichnet sich bereits eine sehr schwerwiegende Wahlauseinandersetzung ab. Es muss daher unser Ziel sein, bei dieser Wahl so stark zu werden, dass es keine Mehrheit gegen die SPÖ-Wien geben kann.

Und Sie würden sich als neuer Wiener Bürgermeister so eine starke Mehrheit wirklich zutrauen?

Ja, sonst würde ich mich nicht um diese Position bewerben.