Politik | Inland
11.08.2017

Fix: Lugar kehrt zur FPÖ zurück

Stronach-Politiker Robert Lugar wurde von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als neues Mitglied des FPÖ-Klubs präsentiert. Brisant: Erst 2012 schimpfte Strache ihn einen "Verräter" und sagte, Lugar habe in der FPÖ keinen Platz.

"Herzlich willkommen in der freiheitlichen Familie": Mit diesen Worten begrüßte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache den einstigen blauen, orangen und Stronach-Politiker. Lugar erklärte bei der FPÖ-Pressekonferenz, dass er "im Herzen immer ein Freiheitlicher" gewesen sei. "Endlich", so Lugar, "bin ich wieder dort, wo ich hingehöre". Er sei in den vergangenen Jahren klüger geworden, sagt Lugar. Man dürfe es ihm jetzt nicht vorwerfen, "dass ich weiter Politik machen möchte", erklärt sich Lugar, der Platz acht auf der blauen Bundesliste bekommt. Nachsatz: "Das wäre, als ob man einem Feuerwehrmann vorwirft, weiter Brände löschen zu wollen". Auch Strache sagte, man habe sich "ausgeredet" und dankte Lugar für seine Ausführungen.

Vor fünf Jahren klang das noch etwas anders: "Sie alle wechseln die Parteien wie die Unterhosen", urteilte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im November 2012 über Robert Lugar und andere Polit-Söldner, die zum damals neuen Team Stronach übergelaufen sind, auf Facebook. Lugar habe zuvor auch versucht, bei der FPÖ "unterzuschlupen", schrieb Strache - "was ich jedoch konsequent abgelehnt habe", so der FPÖ-Chef über den routinierten Überläufer. Der Gipfel der Schimpftirade Straches gegen Lugar: "Einmal Verräter, immer Verräter, heißt es im Volksmund. Und so etwas hat in der FPÖ seit 2005 nichts verloren!"
Lugar kehrt damit zu seinen politischen Wurzeln zurück: 1999 trat er der FPÖ Baden bei und wurde danach Bezirksobmann-Stellvertreter. Im Zuge der FPÖ-Spaltung wechselte Lugar dann zu Jörg Haiders BZÖ - und zog 2008 mit den Orangen in den Nationalrat ein. Dieses Intermezzo war dann 2011 wieder vorbei, Lugar trat aus dem BZÖ aus und war fortan wilder Abgeordneter. 2012 gab Lugar dann bekannt, zum Team Stronach zu wechseln - dessen Klubobmann er bis vor Kurzem noch war.
Ebenfalls präsentiert wurde in der Pressekonferenz übrigens eine Frau: Susanne Fürst, Rechtsanwältin in Wien und ORF-Publikumsrätin, wird für die Freiheitlichen ins Parlament gehen. Sie startet vom sicheren Listenplatz sieben ins Rennen. In ihrem ersten Statement schlug sie gleich scharfe Töne an: "Willkommenskultur" halte Fürst etwa für "bescheuert", erklärte sie bei der Pressekonferenz.

Zurück im blauen Schoß

Einmal geht's noch, Robert Lugar, bis vor wenigen Tagen Team Stronach-Klubchef wechselt wieder die Partei. Es ist eine Rückkehr zu den Freiheitlichen, kam er doch ursprünglich über die FPÖ in die Politik. Der Einzug ins Hohe Haus erfolgte über das BZÖ und nun will Lugar weiterhin die Abgeordnetenbank drücken: Er kandidiert bei der Nationalratswahl auf dem achten Listenplatz der FPÖ.

Als einer der ersten Fans von Milliardär und Parteigründer Frank Stronach sorgte der Nationalratsmandatar Lugar 2013 mit seiner Unterschrift dafür, dass sich das Team Stronach das Unterschriftensammeln für das Antreten bei der Nationalratswahl erspart. Er selbst war 2011 aus dem BZÖ ausgeschieden und wirkte fortan als "wilder" Abgeordneter. "Das Team Stronach ist für mich ein Geschenk des Himmels", frohlockte Lugar dann und ließ auch später die Launen des Parteichefs über sich ergeben.

Die Geschichte der jungen, zunächst finanzstarken Partei war wechselvoll. Ähnlich wie das Team Stronach sein Personal aus dem BZÖ rekrutiert hatte, erging es der Partei später selbst. Kathrin Nachbaur und Marcus Franz etwa waren prominente Abgänge in Richtung ÖVP - diese trennte sich später allerdings wieder von Franz. Lugar blieb, jedenfalls bis zur jüngsten Auflösung der Parlamentsfraktion.

Im Parlament war Lugar etwa im Hypo-Untersuchungsausschuss tätig. Einen Ordnungsruf im Nationalrat handelte sich der Abgeordnete im März dieses Jahres ein, nachdem er Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) als "organisierten Schlepper" bezeichnet hatte - den Ordnungsruf erteilte sein nunmehriger Parteikollege Norbert Hofer.

Parteigründer Frank Stronach stellte seine politischen Ambitionen längst ein und drehte den Geldhahn zu. Auch der Name des Austro-Kanadiers darf von der Partei nicht mehr verwendet werden. Im Frühsommer hieß es noch, man sei auf der Suche nach einem Spitzenkandidaten, wenig später wurde das Antreten gänzlich abgesagt. Diese Woche gipfelten die Auflösungstendenzen schließlich im Verlust des Klubstatus' im Parlament.

Nach dem Austritt Lugners bestätigten sich die Gerüchte, der gebürtige Tiroler wechselt zurück in die freiheitliche Familie. Zwar habe er in den letzten Jahren im Team Stronach gewirkt, sei aber auch dort für freiheitliche Werte eingestanden. "Ich kann keine andere Politik machen, denn ich bin im Herzen freiheitlich", meinte Lugar bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Von Platz 8 aus soll der Einzug gelingen. Mit seinem neuen Parteiobmann Heinz-Christian Strache habe er sich ausgesprochen, betonten beide.