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Faßmann
01/09/2021

Faßmanns Schul-Strategie: „Schnelltests sind ein wesentliches Sicherheitsnetz“

Der Bildungsminister erklärt das weitere Vorgehen im Schulbereich

von Bernhard Gaul

KURIER: Fünf Millionen Schnelltests für alle Schüler werden nun verteilt – wie soll das den Schulbetrieb ermöglichen?

Heinz Faßmann: Die Tests stellen ein wesentliches Sicherheitsnetz für die Schulen dar. Wir können mit den Schnelltests infizierte Schüler früh entdecken, weil wir regelmäßig testen werden und damit eine Clusterbildung in Schulen vermeiden können. Man kann Infektionen auch damit nicht völlig ausschließen, aber wir werden sie minimieren.

Sie können noch nicht sagen, wann die Schulen wieder aufsperren, sie plädieren für den 18. Jänner. Aber ist das überhaupt ihre Entscheidung?

Das Erste, was aufsperren wird, sind die Schulen, das hat mir der Bundeskanzler gestern zugesichert. Letztlich hängt alles von den weiteren Infektionszahlen ab.

Täuscht die Beobachtung, dass Sie zwar ein vertrauensvolles Verhältnis zu Kanzler Kurz haben, Sie aber nie in Entscheidungen eingebunden werden?

Ich habe ein vertrauensvolles Verhältnis zum Kanzler. Und natürlich diskutieren wir auch bildungspolitische Sachfragen. In der medialen Wahrnehmung des politischen Geschehens geht es am Ende aber dann um die Frage, wer hat wen overruled. Das halte ich für entbehrlich, die Sache sollte im Vordergrund stehen.

Es gibt Kritik wegen der Auf-Zu-Maßnahmen, dass das eben keine Strategie sei.

Auf und zu, Öffnen und Schließen ist mit Sicherheit keine Situation, die ich präferiere, aber leider gab es bis dato keine Alternative, gerade dann, wenn die Infektionszahlen explodiert sind. Der oder diejenige, die in einer solchen Krise die alles umfassende Strategie hat, möge sich bitte melden.

Eine Studie der Uni Wien hat gezeigt, dass Schulen gleich infektiös sind, wie alles andere. Was heißt das für Sie?

Diese Studie hat das Unterrichtsministerium in Auftrag gegeben. Ich will über die reale Situation Bescheid wissen. Wenn man sich die Daten ansieht, zeigt sich, dass die Prävalenz in der Schule etwas geringer ist als in der Gesamtbevölkerung. Aber natürlich schwappen Infektionen in die Schule und werden von dort auch wieder weitergegeben. Die Schule ist kein isolierter Ort, sondern Teil des öffentlichen Lebens.

Wurde vor dem vergangenen Sommer überhaupt erwogen, Lüftungsanlagen in den Schulen einzubauen?

Wir hätten in 5800 Schulen Lüftungssysteme einbauen müssen. Manche Vorschläge klingen beim ersten Hören vernünftig, beim Nachdenken stellen sie sich aber als nicht realisierbar da. Und es gibt eine Studie aus Hessen, die sagt ganz simpel: Öffnet die Fenster, das ist um vieles effizienter und einfacher.

Was wird noch alles erwogen? Klassen teilen und vor- und nachmittags unterrichten?

Real gesehen ist nur ein Schichtbetrieb möglich, eine Teilung der Klassen, die eine Gruppe am Montag, die andere am Dienstag und so weiter. Andere Vorschläge wie Vormittagsunterricht mit der einen halben Klasse und Nachmittagsunterricht mit der anderen Hälfte würde eine Verdoppelung der Lehrer nach sich ziehen. Woher nehmen? Die Variante mit einem Sicherheitsnetz durch viele Tests ist realistischer.

Bräuchten wir nicht ein zehntes Schuljahr, um den Bildungsverlust abfangen zu können? Es gibt auch den Vorschlag vom nö. Bildungsdirektor, in den kommenden Jahren einfach die Unterrichtsstunden zu erhöhen?

Wir machen ohnehin mehr Unterrichtsstunden, etwa durch den Förder- und Ergänzungsunterricht. Wir werden das aber gezielter machen. Wichtig ist, dass wir jenen, die Bildungsdefizite aufgebaut haben, was ich überhaupt nicht leugnen will, helfen. Es wird daher kompensatorische Maßnahmen geben, etwa in den Semester- und Osterferien und groß angelegt in den Sommerferien. Darüber werde ich eigens informieren. Dafür alleine nehmen wir über 100 Millionen Euro in die Hand.

Und wie sollen die Pädagogen jetzt benoten, offenbar werden schon die ersten blauen Briefe verschickt?

Das geht, sobald Lehrer ausreichend Material haben, um eine Leistung beurteilen zu können, etwa durch Teilnahme am Distance Learning. Da partizipieren manche mehr, manche weniger.

Dennoch, eine normale Matura wird wohl kaum stattfinden können. Oder soll die Matura abgesagt werden?

Also Absagen machen nur ganz wenige Staaten. Ein Abschluss der Sekundarstufe ist wichtig, denn sie stellen die Eintrittszertifikate für die Hochschulen dar. Würde man rein theoretisch die Matura abschaffen, würden die Unis mit Sicherheit Aufnahmeprüfungen installieren.

Andererseits stehen viele Schüler enorm unter Druck, weil sie ständig in Videochats sind und versuchen, den Stoff zu erarbeiten.

Was sich immer deutlicher zeigt, ist die Qualität des Präsenzunterrichts. Die Erklärung neuer Stoffinhalte lässt sich über den persönlichen Kontakt sehr viel anschaulicher bewerkstelligen. Distance Learning, Videogespräche und Aufgabenstellungen über Lernplattformen dienen der Vertiefung, für das Erarbeiten des Neuen ist der Präsenzunterricht viel notwendiger.

Schließen Sie aus, dass Ferien gekürzt werden?

Das schließe ich aus, wir können in einer Situation, wo alles unsicher ist, den Menschen nicht die letzten Anker ihres sicheren Lebens nehmen.

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