Politik | Inland
10.01.2018

Familienbonus: Viele Gewinner, nicht alle profitieren

Türkis-Blau will zum Start mit einem Geldregen punkten. Die neue Famlienförderung bringt vielen mehr als bisher. Für Geschiedene und Studenten wird es komplizierter.

"Neue Gerechtigkeit" sagt Kanzler Sebastian Kurz dazu, sein Vize Heinz-Christian Strache nennt das Modell gar die "größte Familienentlastung in der Geschichte Österreichs": Die Regierung hat am Mittwoch den 1500-Euro-Familienbonus verabschiedet – einen türkisen Wahlkampfschlager, den die FPÖ ebenso gern vermarktet. ÖVP-Chef Kurz verspricht dabei, dass "niemand schlechter aussteigt". Stimmt das? Der KURIER rechnete anhand von lebensnahen Fallbeispielen nach.

Wie sehr profitiert eine Durchschnittsfamilie? Ein Ehepaar mit zwei Kindern unter zehn Jahren, mit einem Brutto-Einkommen von 3150 Euro im Monat...

Für die Familie bleibt deutlich mehr übrig als bisher. Pro Kind gibt es einen Bonus von 1500 Euro. Aber: Mit Start des Bonus 2019 werden der bisherige Kinderfreibetrag (440 bis 600 Euro pro Kind) und die Absetzmöglichkeit für Kinderbetreuungskosten (bis zu 2300 Euro für Kinder unter zehn Jahren) gestrichen. Die bisherigen Absetzmöglichkeiten haben die Steuerbemessungsgrundlage verringert und waren daher nur zu 25 bis 50 Prozent "cash-wirksam" (je nach Steuersatz). Der neue Familienbonus reduziert die Steuerlast aber voll. Deshalb hat eine Durchschnittsfamilie zwar nicht 3000 Euro, aber jährlich immerhin 1082 Euro mehr am Konto, wie Norbert Neuwirth vom Institut für Familienforschung errechnet hat.

Wie sieht es mit Geringverdienern aus, die keine Steuern zahlen? Der Familienbonus greift ja erst ab einem Einkommen von 1250 Euro.

"Auch diese Menschen profitieren", sagte Kurz dazu. Der Plan: Man will den Alleinverdiener- und Alleinerzieher-Absetzbetrag erhöhen – diese Absetzbeträge bekommt man nämlich auch ausbezahlt, wenn man keine Steuern zahlt. Wie hoch die Anhebung ausfallen wird, ist noch offen; derzeit liegt der Absetzbetrag bei 494 Euro pro Jahr. Nicht profitieren werden davon aber geringverdienende Paarfamilien: Haushalte, wo beide arbeiten und wenig Einkommen haben, "werden systematisch außen vor gelassen", sagt Neuwirth.

Gibt es weitere Gruppen, die nicht profitieren?

"Niemand steigt schlechter aus", versicherte Kurz. Das stimmt prinzipiell, sagt Neuwirth – nur gebe es "Konstellationen, wo man nichts dazubekommt." Der Fall ist das etwa bei Personen, die wenig verdienen (1830 Euro brutto Haushaltseinkommen) und drei oder mehr Kinder haben. Hat die Familie bisher alle Absetzmöglichkeiten ausgeschöpft, profitiert sie vom neuen Modell gar nicht.

Wem nutzt der Bonus dann am meisten?

Die Opposition kritisiert, nur Gutverdiener wären Nutznießer. Sieht man sich Neuwirths Berechnungen an, sind es aber vor allem mittlere Einkommen. Vom alten Modell haben indes eher Besserverdiener profitiert – wer eine höhere Besteuerung hatte, bekam auch mehr zurück. Künftig werden alle gleich entlastet, sofern sie über 1700 Euro verdienen. Zudem steigen Familien mit Kindern über zehn Jahren besser aus – sie konnten bisher keine Betreuungskosten geltend machen, der Familienbonus gilt aber bis zur Volljährigkeit.

Wie wirkt der Familienbonus bei Patchworkfamilien, also bei Geschiedenen aus? Wird da geteilt?

Man will sich hier an die geltende Regelung beim jetzigen Kinderfreibetrag anlehnen: Zahlt ein Partner Unterhalt, sollen sich Geschiedene den Familienbonus teilen – jeder Partner kann mit bis zu 750 Euro entlastet werden, die jeweilige Höhe hängt vom Ausmaß der Alimente ab. Dabei will man darauf schauen, dass der Bonus "jener Person, wo das Kind wohnt, zugute kommt", wie Kurz sagte – das heißt: Kümmert sich nur ein Partner um das Kind und wird kein Unterhalt gezahlt, bekommt auch nur derjenige den Bonus. Das ist eine Regelung, die durchaus für Konfliktstoff sorgen könnte.

Werden auch Eltern entlastet, deren Kinder über 18 Jahre sind?

Ja. Wer ein Kind hat, das studiert, erhält ab dem kommenden Jahr eine Steuergutschrift von 500 Euro. Aber auch hier gibt es Einschränkungen: Den Bonus soll man nur ausschöpfen können, wenn das Kind auch Familienbeihilfe bezieht – wenn es also unter 25 ist in der Mindeststudiendauer plus Toleranzsemester liegt.

Wie ist das bei Studierenden, die arbeiten?

Studierende, die selbst für ihr Auslangen sorgen und über 10.000 Euro brutto im Jahr verdienen, werden laut dem aktuellen Modell wohl nicht vom Familienbonus profitieren können.

Kommt der Familienbonus eigentlich nur österreichischen Familien zugute, wie FPÖ-Chef Strache meinte?

Nein. Jede Person, die hier arbeitet und Einkommenssteuer zahlt, hat Anspruch darauf. Voraussetzung ist lediglich, dass auch die Kinder in Österreich leben.