Eurofighter: Was die Nachfolge kostet - und warum es 36 Jets sein müssen
Der Eurofighter bzw. dessen Nachfolge-Modell sorgt für veritable Turbulenzen in der Regierung. Theoretisch können die vor mehr als zwanzig Jahren gekauften Jets ja noch ein Weilchen fliegen. Allerspätestens 2039, so heißt es im Militär, müsste die letzte Maschine am Boden bleiben. Laienhaft könnte man meinen: Es ist noch Zeit.
Tatsächlich aber herrscht hinter den Kulissen ein mittelgroßer Streit darüber, ob und wie das Bundesheer die Nachfolge regelt. Denn nachdem Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) vergangene Woche erklärt hat, dass für "zusätzliche Anschaffungen" im Budget aus seiner Sicht kein Spielraum besteht, sind Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, die ÖVP und das gesamte Militär in Alarmstimmung. Der Kauf von neuen Abfangjägern sei unabdingbar, ventilierte die Verteidigungsministerin.
Harald Vodosek, Rüstungschef der Armee, geht von zehn Milliarden Euro an reinen Anschaffungskosten aus. Und die seien auch dann nicht aus dem laufenden Wehrbudget zu stemmen, wenn dieses - wie geplant - auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigt.
Warum wird der Konflikt jetzt virulent? Das liegt daran, dass "ein gewisser Druck" (Vodosek) besteht. Die Entscheidung für die Nachbeschaffung muss spätestens 2028 passieren. Und da die Kaufsumme zu diesem Zeitpunkt zumindest irgendwie rechtlich verankert sein muss, gilt es sie in den nächsten Monaten zu paktieren - die Regierung will ja wieder ein Doppelbudget für die Jahre 2027/2028 verabschieden. Warum muss 2028 vieles auf Schiene sein? Vodosek erklärt das so: "Bevor wir wirklich ausschreiben und auf den Markt gehen, muss Rechtsverbindlichkeit vorhanden sein." Das sei "jedenfalls Ende 2027 oder Anfang 2028" zu gewährleisten. Soll heißen: Damit das Verteidigungsressort ernsthaft mit Anbietern verhandeln kann, ist eine gesetzliche Zusage des Sonderbudgets vonnöten - andernfalls könnte man einwenden, die Beamten agieren, ohne das überhaupt zu dürfen.
66-Augen-Prinzip
Der Kauf eines derartigen Waffensystems ist langwierig. Vodosek spricht von einem "66-Augen-Prinzip", also fast drei Dutzend Beamten, die den Deal prüfen. Zunächst muss die Armee im Detail klären, was der Jet können soll. Hier spielt nicht nur die Maschine an sich eine Rolle, es geht um Infrastruktur und Umfeld: Wo und wie wird ausgebildet, gibt es Simulatoren, wie sieht es mit Ersatzteilen und Betriebskosten aus, welche Infrastruktur ist nötig, passt diese zum Rest des Bundesheeres, und, und, und. Erfahrungsgemäß vergehen vom ersten Vorhabensbericht bis zum Vertrag gut und gerne drei Jahre - und dann gilt es, die Lieferzeiten einzurechnen.
Gerfried Promberger, der Chef der Luftstreitkräfte, geht davon aus, dass diesmal keine "Lücke" entstehen darf. Zur Erinnerung: Als das Bundesheer in den 2000er Jahren vom Draken auf den Eurofighter wechselte, mussten aus der Schweiz zwölf F-5-Jets gemietet werden, um die Luftraumverteidigung vorübergehend zu gewährleisten.
Insgesamt geht das Bundesheer von 36 Maschinen aus, die beschafft werden müssen. Warum diese Zahl? Wenn Kampfflugzeuge mehrere Stunden durchgehend in der Luft patrouillieren, ist planerisch immer die doppelte Anzahl an ausgerüsteten Jets vorzuhalten. In der Praxis gilt: Wird der Luftraum "nur" gesichert, müssen mindestens vier, bei Verteidigungsaufgaben mindestens zwölf überschall-schnelle Jets verfügbar sein. Zwölf mal zwei macht 24 - und rechnet man mit einem Drittel Maschinen, die gewartet werden müssen, kommt man auf 36.
Dass die Kampfflugzeuge grundsätzlich nötig sind, gilt im Militär als Binsenweisheit und alternativlos. Reduziere man die Zahl auf weniger als 36 Maschinen, "dann bekommt man auch weniger Sicherheit", sagt Promberger. Tatsache ist, dass der Flugverkehr über Österreich rasant zunimmt: Die Zahl der Flüge über Österreich hat 2025 mit 2,36 Millionen Überflügen einen Rekordwert erreicht. Und jedes Jahr muss das Bundesheer rund 100 "souveränitätsrelevante Vorfälle" klären, sprich: Ein Flugzeug oder Fluggerät hält sich nicht an den vereinbarten Kurs, ist grundsätzlich nicht erreichbar - oder gefährdet irgendwie sonst den Luftraum.
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