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Politik Inland
02/14/2021

Eine weitere Öffnung bleibt vorerst Illusion

Keine großen Erwartungen vor dem Corona-Gipfel, zu stabil sind die Neuinfektionen.

1.433 Corona-Neuinfektionen von Freitag auf Samstag, eine Sieben-Tagesinzidenz von ungefähr 100, eine weitere Ausbreitung der britischen und südafrikanischen Mutation – keine guten Voraussetzungen für weitere Öffnungsschritte. Über diese will die Regierung am morgigen Montag mit Experten beraten, große Erwartungen wären jedoch fehl am Platz.

Und selbst wenn die Bundesregierung den Lockdown beenden würde, hieße das Ökonomen zufolge noch lange nicht, dass es zum ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung käme: Vergleichsstudien in Skandinavien und den USA zeigen, dass die Wirtschaft in Ländern und Regionen ohne strikte Lockdowns in der ersten Phase der Epidemie ebenso abstürzte wie in Staaten mit strikten Beschränkungen.

„Da das Virus für Unsicherheit sorgt, investieren viele Firmen nicht“, sagt Clemens Fuest, der Präsident des Münchner Ifo-Instituts. „Wenn ein gefährliches Virus grassiert, gehen die meisten Menschen nicht ins Kino, ins Restaurant oder ins Konzert, egal ob sie dürfen oder nicht.“

In Europa ist Schweden das bekannteste Beispiel für ein Land, dass mit der Pandemie zunächst ohne strikte Beschränkungen zurechtkommen wollte. Dennoch brach die schwedische Wirtschaftsleistung nach Daten der EU-Statistikbehörde im zweiten Quartal 2020 um acht Prozent ein.

Dabei spielte allerdings auch eine Rolle, dass die internationalen Lieferketten in der Industrie zeitweise schwer gestört waren. Ifo-Wissenschafter haben in einer Studie den schwedischen Arbeitsmarkt untersucht, der ebenfalls hart getroffen wurde. „Ohne Lockdown kommt der wirtschaftliche Einbruch etwas später und ist nicht ganz so tief“, sagt Fuest. „Das bezahlt man allerdings mit später höheren Infektionszahlen und entsprechend höheren gesundheitlichen und ökonomischen Schäden, die nicht mitgezählt sind.“

In den USA haben die Ökonomen Austan Goolsbee und Chad Syverson die ökonomischen Folgen für den Einzelhandel in der frühen Phase der Pandemie in mehreren US-Landkreisen mit und ohne Lockdowns untersucht. Ergebnis: „Während der gesamte Kundenverkehr um 60 Prozent zurückging, erklären die rechtlichen Beschränkungen nur sieben Prozent dieses Rückgangs. Individuelle Entscheidungen (der Einkäufer) waren sehr viel wichtiger und stehen anscheinend in Zusammenhang mit der Angst vor Infektion“, schreiben die beiden Wissenschafter. Eine offene Frage ist allerdings, ob die Menschen sich in einer späteren Phase der Pandemie ebenso verhalten würden wie in der ersten.

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