Politik | Inland
07.08.2017

Team Stronach: Eine Partei löst sich auf

Projekt des steirischen Milliardärs erwies sich als politische Eintagsfliege. Was bleibt, sind Schulden.

Während in allen Wahlkampfbüros die Strategen unter Hochdruck ihre Kampagnen finalisieren, hat ein Parteichef die Ruhe weg und kann sich beruhigt in den Schatten legen. Robert Lugar, nicht de-jure, aber de-facto-Chef des Teams Stronach, hat geschafft, was niemand vor ihm bewerkstelligt hat: Eine totale politische Bankrotterklärung. Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik gibt eine Parlamentspartei auf, verzichtet auf einen Antritt bei der Wahl 2017 und kündigt an, sich aufzulösen. Braucht man zur Gründung einer Partei noch Statuten, die im Innenministerium hinterlegt werden müssen, ist die Auflösung nicht einmal den Behörden bekannt zu geben.

Das Inventar des Parteiklubs ist katalogisiert und muss am Ende der Legislaturperiode der Parlamentsverwaltung retourniert werden, ebenso die Kunstwerke aus dem Kunstdepot. Da die Klubräume des Teams nicht im Parlament sind, sondern gleich ums Eck in der Doblhoffgasse, müssen die Mitarbeiter kurz vor dem Ende wegen der Sanierung nicht mehr umziehen. Bis zur konstituierenden Sitzung nach der Wahl am 9. November können sie bleiben, es finden ja noch drei Plenartage statt.

Bitter ist das Ende jedenfalls für die rund 20 Mitarbeiter im Klub. Sie bekommen mit Ende dieses Monats ihr Kündigungsschreiben.

25 Millionen Euro

Und dann wären da noch die Schulden. Das Team Stronach hat hohe Außenstände, allerdings nicht wie alle anderen Parteien bei Banken, sondern bei Multimilliardär Stronach persönlich. Die meisten Landesparteien haben ihre vom Parteigründer zur Verfügung gestellten "zinslosen Darlehen" teilweise oder zur Gänze (durch die Parteiförderungen aus Steuergeld) zurückgezahlt.

Wie viel bei der Bundespartei noch offen wäre, lässt sich zur Stunde nicht eruieren. Rund 25 Millionen Euro hatte Stronach in sein politisches Projekt gesteckt. Das amerikanische Forbes-Magazin schätzt das Vermögen des Steirers, der 1954 in Kanada mit Hunger und gerade einmal 200 Dollar in der Tasche ankam, auf rund 1,47 Milliarden Dollar – das sind rund 1,25 Milliarden Euro. Er wird es also wahrscheinlich verkraften.

Aber was bleibt? Das Strohfeuer namens Team Stronach sucht ihresgleichen in der politischen Geschichte: Die Partei wurde 2012 gegründet, übersprang gleich beim ersten Antritt 2013 mit 5,7 Prozent die Vier-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament – 270.000 Wähler ließen anfangs elf Abgeordneten im Plenum Platz nehmen. Dazu noch erstaunliche Ergebnisse bei Landtagswahlen: In Kärnten holte Spitzenkandidat Gerhard Köfer 11,3 Prozent, in Niederösterreich trat Teamchef Frank Stronach selbst an und holte 9,8 Prozent, in Salzburg schaffte Frontmann Hans Mayr 8,3 Prozent. Im Burgenland gab es mit der fusionierten "Bündnis Liste Burgenland" einen letzten Wahlerfolg mit 4,8 Prozent. Das war im Frühjahr 2015.

Neue BürgerbewegungHeute sind von den elf Abgeordneten noch sechs übrig, die anderen sind in andere Klubs geflohen: Georg Vetter, Kathrin Nachbaur und Rouven Ertlschweiger wechselten zur ÖVP, Jessi Lintl ging zur FPÖ und der Po grapschende Arzt Marcus Franz flog nach einem kurzen Gastspiel im ÖVP-Klub wieder raus und ist seit März 2016 parteiloser Abgeordneter mit Twitter-Account (wo er 2015 postete: "Po-Grapschen kann übrigens zur Hochzeit führen. So war's zb bei mir").Was aus den übrig gebliebenen Abgeordneten wird, ist großteils offen. Dem Vernehmen nach hat sich Klubchef Lugar bei der FPÖ beworben, wurde vorerst aber abgelehnt. Der Oberösterreicher Leo Steinbichler bestätigt gegenüber dem KURIER, dass er gerade an der Gründung einer eigenen "Bürgerbewegung" arbeitet – Details bleibt er aber noch schuldig. In den Ländern firmiert das Salzburger Team nun unter dem Namen "Freie Wähler Salzburg", in Kärnten hat Landesteamführer Köfer die Darlehen von Stronach bezahlt und genießt als "Team Kärnten – Liste Köfer" seine Selbstbestimmung.

Glücksritter

Warum Stronachs Projekt dermaßen fulminant gescheitert ist? Das lag in erster Linie an dem Projekt selbst: Stronach wollte am Ende seiner höchst erfolgreichen Karriere Anerkennung auch in seinem Heimatland. Er ist bis heute alleiniger Parteichef, war aber in den vergangenen Jahren kaum hier. Seine Stellvertreter in Österreich konnten also nie allein entscheiden, welche Richtung eingeschlagen werden soll.

Das führte auch zu Verwerfungen über die Stoßrichtung der Partei. Stronach sprach vor allem einfache, hart arbeitende Hackler an, seine langjährige Stellvertreterin Kathrin Nachbaur wollte dem Team aber so etwas wie eine wirtschaftsliberale Prägung geben, die eher weit von dem entfernt ist, was seine Wähler wollen.

Dann das Geld: Hauptgrund, warum das Team Stronach bei dieser Wahl nicht mehr antritt, ist, dass Stronach kein Geld mehr zur Verfügung stellen will. Grund genug auch für alle Banken, Kredite für einen Wahlkampf zu verweigern. Nicht zuletzt war das Personal immer ein Problem. Wo mit viel Geld gewunken wird, stehen rasch politische Glücksritter vor der Tür. Einen Großteil davon, wenn nicht vielleicht sogar alle, hatte Stronach seit 2012 kennenlernen müssen.

Jetzt kehrt Stronach diesen und seinen Wählern für immer den Rücken, seinen Lebensabend wird der 84-Jährige in Kanada und Florida verbringen.