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Politik Inland
09/30/2019

Ein "Sunday for Future" für die Grünen

Die Ökopartei kehrt nach kurzer Auszeit in das Parlament zurück - mit ihrem besten Ergebnis.

Grüne. Zu sagen, Ulrike Lunacek wirke angespannt, als sie um 17 Uhr mitten im Gedränge vor der Bühne im Metropol steht, wäre ein Euphemismus. Ihre Miene ist kontrolliert, als die Balken von ÖVP, SPÖ und FPÖ in die Höhe gehen (ernst – mitfühlend – schadenfroh) und sämtliche Kameras im Raum auf sie, die frühere Spitzenkandidatin, gerichtet sind. Sie ist ein Profi. Immer noch.

Völlig entgleisen ihr und den umstehenden Grünen dann die Gesichtszüge, als der eigene grüne Balken mehr als drei Mal so hochsteigt wie im Jahr 2017.

14,0 Prozent – so lautet das vorläufige Ergebnis, das euphorisierend auf die versammelten Anhänger im Metropol wirkt.

Vor exakt 714 Tagen, am 15. Oktober 2017, gab es bei den 3,8 Prozent Tränen der Enttäuschung. Jetzt verrinnt Lunacek der grüne Lidstrich vor Freude.

Türkiser Sebastian

Und dann rechnen alle. Eine „schwarz“-grüne Mehrheit geht sich aus. Eine türkis-blaue aber auch. „Wir werden sehen, was Kurz will“, sagt Lunacek über den Chef der türkisen ÖVP. Die „türkise“ – das ist der Knackpunkt. „Türkise Politik geht mit uns nicht“, sagt Lunacek bestimmt. Ein anderer Grüner bringt es nonchalant auf den Punkt: „Wenn der sympathische schwarze Staatssekretär Basti wieder auflebt, können wir gerne was machen. Aber mit dem türkisen Sebastian geht es nicht.“

Spitzenkandidat Werner Kogler will die ÖVP gleich einmal auf die Probe stellen. Als er nach der Hochrechnung im Metropol vorbeischaut, grüßt er seine Anhänger mit: „Willkommen am Sunday for Future“ (in Anlehnung an die Klimabewegung). Und verspricht als erste Amtshandlung

ein „strenges Transparenz- und Anti-Korruptions-Gesetz“. „Mal schauen, ob der Kanzlerdarsteller und seine Sektenanhänger da mitgehen“, spöttelt der Steirer.

„Einiges zu tun“

So „cool“ Kogler tut – das Top-Ergebnis stellt Spitze wie Basis vor eine schwierige Frage: Will man Partner der ÖVP sein oder lieber starke Opposition? Für die Partei, die in den vergangenen Monaten so geeint im Kampf um den Wiedereinzug aufgetreten ist, beginnt das interne Verhandeln. Praktisch täglich finden diese Woche Partei- und Klubsitzungen in wechselnder Besetzung statt.

Im Parteivorstand – so wollte es Werner Kogler – sind drei Vertreter der jungen Generation: Etwa Stefan Kaineder, Landessprecher und Spitzenkandidat in Oberösterreich. Er ist die rechte Hand von Kogler, gilt wie er als pragmatischer Kopf und Weiterdenker. Aber auch der linke Flügel ist vertreten – und dessen Wort hat Gewicht.

Kogler sieht das Wahlergebnis jedenfalls als Auftrag – und dieser lässt sich in der Opposition schlecht erfüllen. Österreich müsse bei Klimaschutz Nummer eins in Europa werden.

Die Grünen hätten sich für eine „solidarische Gesellschaft in einer intakten Umwelt“ aus der Asche erhoben. „Und ja, da haben wir jetzt einiges zu tun.“

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