Ebola-Ausbruch: Helfer warnen vor rasanter Verbreitung
Ein Helfer versucht auf einem Markt, Menschen über Schutzmaßnahmen aufzuklären.
Es ist vorerst nur ein einziger Fall, doch mehr an Hoffnung hat die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit nicht zu bieten. In der Demokratischen Republik Kongo (DR) sei der erste Ebola-Patient genesen und habe das Krankenhaus verlassen, teilte Anaïs Legand in Genf, dem Hauptsitz der Organisation, mit. Man setze darauf, dass es bald weitere Genesungen geben werde.
Vorerst aber steigen nur die Krankheitsfälle und die Zahl der Toten rasant. Zwei Wochen nachdem der Ausbruch der Seuche in der DR offiziell bekannt gegeben und die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand erklärt haben, sind rund 1.000 Krankheits- und 250 Todesfälle bekannt. Im benachbarten Uganda gibt es rund ein Dutzend Tote. Hilfsorganisationen vor Ort sprechen aber von einer großen Dunkelziffer, es könnte Tausende weitere Kranke geben. Der Bürgerkrieg in der Region Ituri, dem Brennpunkt der Epidemie in der DR erschwert den Einsatz von Hilfskräften.
Am Wochenende war WHO-Chef Adhanom Ghebreyesus persönlich in der Krisenregion eingetroffen. Viel mehr als das Versprechen, gerade hier im Zentrum des Ausbruches, jede nur mögliche Hilfe zu leisten, hat der Äthiopier derzeit nicht zu bieten. Die Mittel der WHO sind, auch durch den Ausfall der USA als lange größtem Geldgeber, begrenzt.
Prognosen schwierig
Hilfsorganisationen vor Ort zeigen sich angesichts der aktuellen Zahlen alarmiert. Dieser Ebola-Ausbruch entwickle sich deutlich rasanter als jene in früheren Jahren. „Noch nie zuvor hat ein Ausbruch der Ebola-Krankheit so schnell so viele Fälle verzeichnet“, sagte Alan Gonzales, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen. „Die Menschen benötigen dringend eine Reaktion, die dem Ausmaß der Krise entspricht.“
Verantwortlich dafür ist auch der grassierende Virusstamm Bundibugyo. Für diesen gibt es aktuell keine Behandlung und keinen Impfstoff. Die Übertragung des Ebola-Virus erfolgt durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten. Eine Übertragung über die Luft, wie etwa bei Corona, ist ausgeschlossen.
Der WHO-Chef plädiert außerdem dafür, auf die Bevölkerung zu hören und sie zu unterstützen: „Die lokale Bevölkerung ist am besten dazu in der Lage, ihre Bedürfnisse auszudrücken und wirksame Lösungen zur Eindämmung des Ausbruchs zu identifizieren.“
Allerdings scheuen viele Mitglieder der örtlichen Bevölkerung Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche: Isolation, Trennung von den Angehörigen und spezielle Sicherheitsmaßnahmen für die Beisetzung verstorbener Ebola-Patienten stehen im starken Gegensatz zu den dort üblichen sozialen Normen im Krankheits- oder Todesfall. Die Helfer haben auch damit zu kämpfen, dass viele Menschen in Ituri Ebola für einen Mythos, oder einen Fluch halten.
Streit um US-Pläne
Auch im benachbarten Kenia sorgt Ebola bereits für Aufregung. Dort sind es aber Pläne der USA, ein eigenes Quarantäne-Zentrum nur für ihre Staatsbürger in der Hauptstadt Nairobi zu errichten. Ein Gericht hat diese vorerst gestoppt, der Ärger aber bleibt bei den Kenianern. Die Amerikaner hielten ihre Gesundheit wohl für wichtiger als die der Kenianer, zitieren US-Sender Passanten in Nairobi.
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