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Ebola-Ausbruch im Kongo: Warum uns das alle betrifft

Gegen viele Virusvarianten gibt es keine zugelassenen Impfstoffe, weil die Forschung dabei steckenbleibt. Nur eine globale Lösung kann das ändern.
Marlene Auer
Eine Frau wird mit einem Infrarot-Thermometer an der Stirn gemessen.

Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo ist keine Überraschung. Leider. Überraschend ist aber, wie wenig die Welt daraus lernt. Seit vielen Jahren warnen Virologen davor, dass Krankheiten wie diese jederzeit ausbrechen könnten, und trotzdem gibt es bis heute für viele Varianten nur begrenzte Impfstoffkapazitäten - im Fall des aktuellen Bundibugyo-Typs noch nicht einmal einen einzigen zugelassenen Wirkstoff. Selbst die CEPI, die übersetzt so etwas wie die Vereinigung für Innovationen in der Epidemieprävention ist, gibt zu verstehen, dass man nun unter Hochdruck versucht, mögliche Impfstoffe in weitere Studien zu bringen. Denn die tatsächliche Wirkung lässt sich nur erproben, wenn diese durch eine Reihe von Untersuchungen gelangen. Laut WHO liegt eine Handvoll möglicher konkreter Impfstoffe gegen das aktuelle Ebola-Virus seit Jahren im Labor. Keiner von ihnen wurde fertigentwickelt.

Der mögliche Grund dahinter ist so simpel wie erschütternd: Der Markt "lohnt" sich offenbar nicht. Die Pharmaindustrie setzt oft stärker auf große Krankheitsbilder und gesellschaftliche Veränderungen, so wurden etwa GLP-1-Wirkstoffe, so genannte Abnehmspritzen, zum großen Erfolg. Auch in der Alzheimerforschung bahnt sich eine Neuheit mit großem Potenzial an. Doch ein Impfstoff gegen ein Virus, das vor allem arme Regionen Afrikas trifft und immer wieder nur in Wellen und in verschiedenen Varianten ausbricht, scheint den Konzernen vergleichsweise wenig zu bringen. Also wird wenig(er) investiert, manche Gesundheitsexperten sprechen inzwischen von einem "Marktversagen" bei Infektionskrankheiten.

Globaler Fonds

Schon beim letzten größeren Ebola-Ausbruch 2014 bis 2016 zeigte sich, wie gefährlich das ist. Erst als mehr als 10.000 Menschen starben und die Angst vor einer weltweiten Ausbreitung stieg, wurde seitens der Forschung begonnen, an einem Gegenmittel für diesen Virusstamm zu arbeiten. Tatsächlich kam dieses dann zwei Jahre nach "offiziellem" Ende der Epidemie auf den Markt. Der Wirkstoff lässt sich für die aktuelle Virusvariante aber nicht einsetzen, es bräuchte eine gänzlich neue Entwicklung. CEPI versucht nun, das voranzutreiben und hat ein internes Notfallteam aktiviert, um die bestehenden klinischen Studien zu evaluieren. In einigen Monaten könnten erste Dosen für die nächsten Studienphasen bereitstehen, heißt es.

Das zeigt, was generell nötig wäre: globale Forschung im öffentlichen Interesse, damit nicht erst reagiert wird, wenn ein Virus bereits außer Kontrolle geraten ist. Es braucht weltweit finanzierte Hochsicherheitslabore und Forschungsnetzwerke, die unabhängig von Profitinteressen arbeiten können. Die Entwicklung des Covid-Impfstoffs hat gezeigt, wie rasch es möglich ist, ein Schutzmittel zu entwickeln - wenn die Welt das will. Staaten investieren derzeit Milliarden in Aufrüstung, sie sollten das auch bei der globalen Gesundheitsvorsorge tun. Eine Möglichkeit wäre ein internationaler Fonds, getragen von allen Staaten und gestaffelt nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Das wäre tatsächlich eine weltweite Sicherheitsstrategie, denn Viren kennen keine Grenzen. Ein Ausbruch in Afrika kann innerhalb weniger Flugstunden zum weltweiten Problem werden. So, wie es auch bei "Patient Null" von Corona war. Die Menschheit hat das Wissen, die Technologie und die Möglichkeiten - was fehlt, ist der politische Wille, Gesundheit endlich als gemeinsames Gut zu behandeln, und nicht nur als Geschäftsmodell. 

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