Dünger-Dilemma in Österreich: Produktpreise runter, Erzeugerpreise rauf
Wie im KURIER berichtet, waren die Ernten weltweit im Vorjahr prächtig, die Lager sind gut gefüllt. Dieses Überangebot drückt weltweit die Preise – gut für die Konsumenten, nicht so gut für die Landwirte. Denn auf der anderen Seite, bei den bäuerlichen Erzeugern, steigen die Kosten – etwa für Energie, aber auch – wie am Sonntag berichtet – für Düngemittel.
„Derzeit sorgt die EU-Kommission verstärkt für minderqualitative und dadurch billigere Konkurrenzprodukte bei gleichzeitiger Verteuerung zentraler Betriebsmittel wie Dünger. So geht es nicht weiter“, kritisierte bereits Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger: „Wenn etwa die europäischen Düngemittel-Hersteller geschützt werden, darf das nicht zu noch höheren Betriebsmittelkosten für die ohnehin unter den niedrigen Erzeugerpreisen leidenden Ackerbauern führen.“
„Ohne Düngemittel geht es nicht, auch wenn die Landwirte diese optimiert einsetzen, es muss sich ja rechnen“, sagt Nikolaus Berlakovich. Der ehemalige Landwirtschaftsminister (2008 bis 2013) ist erster Stellvertreter der Copa, das ist der europäische Bauernverband, der über 22 Millionen europäische Landwirte vertritt.
Berlakovich erklärt, dass nicht zuletzt auch durch die Handelsabkommen eine Schieflage am Markt entsteht, weil die europäischen Bauern immer schlechter international wettbewerbsfähig sind. Auch weil die Düngemittel immer teurer werden.
Beispiel Stickstoffdünger: Europa importierte 2024 rund zwei Millionen Tonnen, Herkunftsländer sind Russland und Trinidad mit je einer halben Million Tonnen, der Rest kommt aus Algerien, Ägypten und den USA.
Nun gibt es gleich mehrere Faktoren, die Dünger in den vergangenen Jahren deutlich verteuert haben: Der Düngerpreis steigt mit dem Gaspreis. Das hat Düngemittel seit 2022 um über 30 Prozent verteuert. Seit Jänner gibt es zudem einen speziellen Zoll, eine CO2-Einfuhrgrenzsteuer namens CBAM, auch auf Dünger – nicht aber auf importierte Lebensmittel wie Weizen, Mais oder Soja.
Zoll auf russische Waren
Idee des CBAM ist, die europäische Produktion zu stärken, damit Europas Betriebe nicht im Wettbewerb massiv unterboten werden. Berlakovich macht aber zudem aufmerksam auf eine EU-Zollregelung seit vergangenem Juli, die nur bestimmte Erzeugnisse wie Dünger aus Russland und Belarus im Visier haben. Dieser Zoll ist derzeit bei 40 Euro pro Tonne und jedes Jahr steigend – ab Juli 2028 sind gleich 315 Euro pro Tonne vorgesehen.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hat am Montag im EU-Ministerrat einen Antrag eingebracht, dass die EU-Kommission zumindest den CO2-Zoll auf Dünger vorerst ausnehmen soll. Russland und Weißrussland sollen von der Zollaussetzung ausgenommen sein, heißt es zudem aus dem Landwirtschaftsministerium.
Nun liegt der Ball bei der EU-Kommission: Die Hoffnung der Österreicher ist, dass zumindest eine vorläufige Aussetzung des CO2-Grenzzoll auf Düngemittel kommt.
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