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Politik von innen
11/17/2019

Die SPÖ-Personalreserve heißt "Dosko"

Kommt Türkis-Grün, will die SPÖ mit „kleine Leute“-Politik auf FPÖ- und Kurz-Wähler fokussieren.

von Daniela Kittner

Geplatzt ist mit dem Ibiza-Video zwar Türkis-Blau, aber es ist die SPÖ, die seither keinen Fuß auf den Boden bekommt. Das jüngste Hoppala: Die Parlamentsperiode begann die SPÖ mit dem kindischen Versuch, die Grünen zu entlarven, dass sie nicht klimafreundlich genug seien.

Auf dem burgenländischen SPÖ-Parteitag am Samstag schien es jedoch erstmals seit sechs Monaten so, als würde die SPÖ zu einer Linie in ihrem Tohuwabohu finden. Der Nukleus in diesem Findungsprozess ist – Hans Peter Doskozil.

Die gesamte SPÖ-Führung war nach Raiding angereist, um dem Burgenländer ihre Aufwartung zu machen: Pamela Rendi-Wagner, Doris Bures, Peter Kaiser, Christian Deutsch, Franz Schnabl, Georg Dornauer und Michael Ludwig. Der Wiener Bürgermeister gab sogar den Einpeitscher für den burgenländischen Landeshauptmann. „Ich nenne ihn den Dosko. Das klingt wie ein Schlachtruf“, sagte er, und der Saal skandierte prompt „Dosko, Dosko“.

Trotz seiner lädierten und daher leisen Stimme war es Doskozil, der die politische Richtung der SPÖ dozierte: „Wir sind keine Elite. Wir kommen aus der Bevölkerung, sind Teil der Bevölkerung, und so werden wir uns in Zukunft politisch auch verhalten.“

Also: Weg mit’m Porsche und der teuren Uhr. Kleine Leute sind wieder angesagt.

Doskozil erzählte Geschichten von Köchinnen in der Krankenhausküche und Reinigungskräften in Regierungsbüros, denen ordentliche Entlohnung, Anerkennung und Respekt gebühren. Er sprach von Gratis-Kindergärten und davon, dass man mit der Pflege alter Menschen keinen Profit machen solle. Und er positionierte die SPÖ gegen Türkis-Grün: „Es ist modern und auch richtig, Klimaziele zu verfolgen. Aber mit Augenmaß. Wir werden gegen die kilometerabhängige Maut einer türkisgrünen Bundesregierung auftreten.“

Michael Ludwig war begeistert. „Immer mehr Menschen werden Dosko, Dosko, Dosko rufen“, sagte er.

Was steckt hinter dieser Euphorie? Wie aus einer OGM-KURIER-Umfrage hervorgeht, hält ein Drittel der Gesamtbevölkerung Doskozil für geeignet, die SPÖ aus der Krise zu führen. Das ist viel, gemessen an dem Umstand, dass die SPÖ bei der Nationalratswahl nur von einem Fünftel gewählt wurde.

Wahlstrategisch will vor allem die Wiener SPÖ nicht tatenlos zusehen, wie enttäuschte FPÖ-Wähler scharenweise zu Sebastian Kurz überlaufen. Doskozil ist mit seiner restriktiven Flüchtlingspolitik in seiner Ministerzeit in Erinnerung geblieben. Genau er ist in der Lage, diese begehrten Wähler anzusprechen. Und Eisenstadt ist nicht weit weg von jenen Wiener Flächenbezirken, wo viele dieser Wähler zu Hause sind. Ludwig hofft, dass „der Dosko“ bis Wien hinein strahlt, und ihm bei der Gemeinderatswahl 2020 hilft.

Dazu muss Doskozil aber erst einmal seine eigene Wahl am 26. Jänner im Burgenland gut schlagen. Das erklärt, warum die burgenländische Wahl für die SPÖ eine so zentrale Bedeutung hat, dass sie am Samstag in Raiding in voller Mannschaftsstärke aufsalutierte.

Falls am kommenden Sonntag bei der steirischen Landtagswahl die SPÖ die erwarteten Verluste einfährt, wird man das als „hausgemacht steirisch“ abtun und etwaige steirische Querschüsse gegen Rendi-Wagner ersticken. Doskozils Wahlkampf hat Vorrang.

Doskozil hat mit Christian Dax einen fähigen Parteimanager an seiner Seite und startet im Burgenland von für die SPÖ niedrigem Niveau (Grafik). Es ist nicht auszuschließen, dass er trotz der Bundes-SPÖ-Krise ein Plus erzielt. Wenn dann im Frühjahr auch noch seine Stimme wieder hergestellt wird, ist „Dosko“ jedenfalls die Top-Personalreserve der SPÖ. Denn, wie gesagt, Eisenstadt ist ja nicht weit von Wien.