© APA/AFP/CHARLY TRIBALLEAU

Politik Inland
02/06/2022

Die Bahn hat Zukunft, der Flugverkehr sucht Lösungen

Der Zugverkehr wird schneller und grüner werden. Bei Flugzeugen zeichnet sich noch keine klimagerechte Lösung ab

von Bernhard Gaul

Der Schienenverkehr ist das nachhaltigste Verkehrsmittel. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur entfielen im Jahr 2017 nur 0,5 % der gesamten Treibhausgasemissionen der EU auf den Eisenbahnsektor. Dennoch ist der Bereich ein europäisches Sorgenkind, fast jeder EU-Staat kocht hier sein eigenes Süppchen, hat ein unterschiedliches Stromspannungs- und Sicherheitssystem, was einen echten Zusammenschluss schwierig macht.

Das zeigt sich auch bei den Hochgeschwindigkeitszügen: International setzen immer mehr Staaten auf diese Transportart (Japans Shinkansen-L0-Züge schaffen über 600 km/h, Chinas CRH3C-Züge fahren mit weit über 350 km/h).

In Europa fehlt aber ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz, solche Züge verkehren fast ausschließlich in einem Land (etwa Frankreichs TGV mit 300km/h). In Österreich ist man schon zufrieden, wenn Geschwindigkeiten über 250 km/h mit dem ICE-T oder dem Railjet erreicht werden. Da Schieneninfrastruktur nur sehr langsam gebaut wird, ist eine rasche Verbesserung nicht in Sicht.

Dennoch ist Österreich beim Schienenverkehr EU-Spitzenreiter. Pro Kopf werden hier 2.255 Kilometer im Jahr mit Zug, Straßen- und U-Bahn gefahren, der EU-Schnitt liegt bei 1.090 km.

Konkurrenz Flugzeug

Internationales Reisen auf der Mittelstrecke ist mit dem Zug meist noch immer teurer als mit dem Flugzeug. Seit 2000 ist der Flugverkehr in der EU-27 um 86 Prozent gestiegen.

Doch bei der Branche brennt der Hut mit Blick auf die Klimapolitik, denn: Derzeit gibt es kein schlüssiges Konzept für eine CO2-freie Zukunft der Luftfahrtbranche.

Elektrisch betriebene Flugzeuge kommen wegen des Batteriegewichts nicht weit. Die größte Hoffnung bieten derzeit fossil-freie, nachhaltige Kraftstoffe. Dabei wird Flugbenzin entweder aus Pflanzen raffiniert oder aus Wasserstoff generiert. Beide Lösungsansätze haben immense Nachteile: Auf welchen Flächen sollen die Energiepflanzen wachsen? Und woher soll der zur Wasserstoff-Produktion notwendige Grünstrom kommen?

Beiden „Lösungen“ gemein ist, dass sie den Treibstoff um ein Vielfaches teurer machen würden, was zur Frage führt, wie Flüge künftig auch für ärmere Bevölkerungsschichten leistbar sein sollen. Ein Ansatz wäre, die Flugsteuern pro Person und Jahr mit der Anzahl stetig steigen zu lassen, sodass Vielflieger zur Kasse gebeten werden.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare