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Politik Inland
01/22/2021

Datenblatt beweist: Experten wissen nicht, wie viele Menschen geimpft sind

Keine Angabe. Ein aktuelles Datenblatt aus dem Krisenstab der Regierung zeigt, dass selbst Experten nicht wissen, wer aus welcher Altersgruppe schon geimpft ist.

von Ida Metzger, Kevin Kada, Bernhard Gaul

Wie viele Menschen über 85 Jahre sind bereits geimpft? Wie viele über 75 Jahren sind schon geimpft?

Die Antworten auf diese Fragen sind essenziell, denn diese besonders vulnerablen Gruppen sind es, die nach einer Covid-Infektion mit einer höheren Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus landen und auf eine Intensivstation verlegt werden müssen. Oberstes Ziel aller Covid-Maßnahmen der Regierung ist es, die Intensivstationen nicht zu überlasten, weil sonst das Gesundheitssystem zusammenbrechen könnte. Deshalb sind die Antworten so wichtig, wie viele schon geimpft wurden.

Tatsächlich wissen das weder wir im KURIER – aber auch nicht die Experten im Krisenstab der Regierung, die über Lockdowns entscheiden. Das zeigen die aktuellen Unterlagen aus dem Krisenstab, die dem KURIER vorliegen.

Das Gesundheitsministerium bestätigt, dass man nicht sagen könne, welche Altersgruppe schon geimpft wurde. Das können die Bundesländer wahrscheinlich schon, haben aber die Daten nicht eingespielt. Für Neos-Mann Loacker ein Skandal: „Wir können ja die Zielerreichung nur überprüfen, wenn ich weiß, wie viele die Impfung erhalten haben. Das können wir derzeit nicht.“

Impfdosen knapp

Etwas mehr als 160.000 Menschen in Österreich wurden bereits geimpft, noch nicht ganz zwei Prozent der Bevölkerung. Es sind nicht mehr, weil noch nicht mehr Impfdosen zur Verfügung stehen. Da kommt das nächste Problem auf uns zu: Astra Zeneca soll am 29. Jänner zugelassen werden. Derzeit sieht es aber so aus, als ob Astra Zeneca bis dahin keine profunden Daten über die Wirksamkeit ihres Vakzins für die Über-65-Jährigen liefern kann, sondern nur für die Jüngeren. Somit könnte die Zulassungsbehörde EMA den Impfstoff nur für Unter-65-Jährige empfehlen.

AstraZeneca entwickelt den Impfstoff zusammen mit Uni Oxford

Das hätte zur Folge, dass alle Impfpläne der EU-Staaten überarbeitet werden müssen. Denn von Astra-Zeneca sind sehr große Lieferungen zu erwarten, der Plan war, diese an die nächsten großen Gruppen, die Exekutive oder die Pädagogen, zu verimpfen. Doch, wie ein Experte im KURIER-Gespräch befürchtet: „Die Lehrer werden diesen Impfstoff nicht so einfach akzeptieren.“

Bis Jahresende gibt es aber mehr Impfdosen, als Österreich je verimpfen kann: 19 Millionen Dosen kommen bis Ende 2021. Konkret sind diese Mengen gesichert:

Biontech/Pfizer: 11.137.000

Moderna: 1.800.000

Astra Zeneca (noch keine Zulassung): 5.935.000

Johnson&Johnson (noch keine Zulassung): 2,5 Millionen (siehe Kasten unten)

CureVac (noch keine Zulassung): 3.000.000

Ein weiterer Grund, warum rund um die Zahlen der verimpften Dosen ein Chaos herrscht, ist die Tatsache, dass das Impfregister erst langsam ausgerollt wird.

Impfregister im März

Aus dem Gesundheitsministerium heißt es, dass erst Ende März österreichweit alle Alten- und Pflegeheime sowie sämtliche praktische Ärzte die Daten in das Impfregister eintragen können. Österreich hinkt in der Digitalisierung eindeutig nach. Das, so hört man, sorgt auch für Ärger im Bundeskanzleramt.

Erst wenn das Impfregister österreichweit installiert ist, wird auch die Eintragung in den eImpfpass funktionieren. Warum das Impfregister erst im Aufbau ist, liegt auch daran, dass ein spezielles Netzwerk benötigt wird, das vor Hackern sicher ist. Sonst könnten bei einem Hackerangriff alle Impfdaten gelöscht werden. Außerdem müssen die Alten- und Pflegeheime und niedergelassenen Ärzte erst mit rund 2.000 Tablets versorgt werden.

Impfplan im Ministerrat

Verwirrung herrscht auch um den Impfplan – vor allem wer zum Zug kommt, wenn eine Impfdose in einem Alters- oder Pflegeheim übrig bleibt. Zuletzt hatten sich hier einige Bürgermeister an den Empfehlungen „vorbeigeschummelt“.

Tatsache ist, das Gesundheitsministerium hat bis jetzt noch nicht den Impfplan im Ministerrat zum Beschluss vorgelegt. Kommenden Mittwoch soll es so weit sein. Dann könnte auch der Schummelei ein Ende gesetzt werden.

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