Traiskirchen: "Es gab schon zu viele Versprechungen"

Christine Wagner: "Es gab schon zu viele leere Versprechungen."
Was denken die Bürger über die Pläne der Regierung? Viele sind skeptisch, ob die versprochene Entlastung dieses Mal auch wirklich kommt.

Der 16-jährige Noormohamed strahlt. Mit Freunden sitzt er Freitagvormittag in einem Beserlpark nahe der Erstaufnahmestelle Traiskirchen. Sie essen Chips, teilen sich eine Dose Bier. Grund für die gute Laune ist kein Aufnahmestopp und kein Verfassungsgesetz – St. Pölten und Wien sind für die Burschen so weit weg wie ihre Heimat Afghanistan. "Wir freuen uns, dass der Sommer zurück ist. Macht das Schlafen im Freien erträglicher", erklärt Noormohamed.

Traiskirchen: "Es gab schon zu viele Versprechungen"
Eveline Staffler
Neun Ärzte besichtigten am Donnerstag gemeinsam mit Beamten der Bezirkshauptmannschaft Baden die Erstaufnahmestelle. Bis Mittwoch soll der von Landeshauptmann Erwin Pröll angekündigte Aufnahmestopp in einen Bescheid gegossen sein.

Beim "Lager" in der Otto-Glöckel-Straße geht so lange alles seinen beinahe schon gewohnten Gang. Einige Menschen gehen in kleinen Gruppen spazieren. Andere stehen in Trauben um Autos von privaten Spendern, nehmen Matten und Decken entgegen. Die Ankündigungen auf politischer Ebene? Schulterzucken.

Die Mülltonnen gehen über. Der Zaun auf der Rückseite der Erstaufnahmestelle ist beinahe blickdicht von den zum Trocknen aufgehängten Matten und Decken. Dahinter reihen sich gespendete Zelte aneinander.

Babler: Richtung richtig

Gut zehn Minuten zu Fuß sind es von der Erstaufnahmestelle zum Traiskirchner Hauptplatz und der Einkaufspassage. Hier sind die Zustände im Flüchtlingslager, die Belastung der Stadt und die aktuellen Entwicklungen sehr wohl Thema. "Natürlich habe ich eine Meinung zum Lager", meint ein älterer Herr, "aber die sage ich besser nicht öffentlich." Auch zwei Männer, die vor der Bank in ein Gespräch vertieft sind, winken gleich ab: "Das kann man in einer Zeitung sowieso nicht schreiben."

Traiskirchen: "Es gab schon zu viele Versprechungen"
Hans-Gerd Meixner
In einem kleinen Café lässt indes ein Pensionist seinem Ärger freien Lauf. "Die Zustände sind eine Katastrophe. Nirgends kann man wegen denen mehr hingehen", schimpft Hans-Gerd Meixner, "schuld sind die Politiker. Auch diesmal wird nichts rauskommen. Die gehören alle ..." Seine Frau greift kalmierend ein.

Andere zeigen mehr Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. Vertrauen, dass der angekündigte Aufnahmestopp Linderung bringt hat aber niemand. "Das sind arme Menschen, aber ich glaube nicht, dass es jetzt wirklich besser wird", meint Eveline Staffler, "es hat schon zu viele Ankündigungen gegeben." Ähnlich sieht es Christine Wagner: "Es gab schon zu viele leere Versprechungen."

Nur vorsichtig optimistisch ist auch Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ): "Aber das angekündigte Verfassungsgesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung."

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