Politik | Inland
29.11.2017

"Brauchen doppelt so viele Kinder-Pädagogen"

Mehr Qualität gehe nur mit kleineren Gruppen und Kindergarten ab 4 für alle, sagt die Obfrau des Berufsverbandes der Kindergarten- und Hortpädagogen

Derzeit dürfen in Kindergärten maximal 25 Kinder in einer Gruppe sein, diese muss zumindest von einer Kindergartenpädagogin und einer Assistentin betreut werden. "Wenn wir die Kindergärten wirklich aufwerten wollen, wie das die neue Koalition offenbar plant, müssen wir das Personal massiv aufstocken", erklärt Raffaela Keller, Obfrau des Berufsverbandes der Kindergarten- und Hortpädagogen. Die Wissenschaft empfiehlt deutlich kleinere Gruppen von maximal 15 Kindern, sagt Keller, und pro Gruppe zwei Pädagogen. "Wenn die Regierung das wirklich ernst meint, brauchen wir mindestens doppelt so viele Pädagogen." Klar sei auch, dass das viel mehr Geld kosten werde.

Und da die geplante Ausbildung der Kindergarten-Leiterinnen auf Uni-Niveau nicht so schnell umgesetzt werden könne, schlägt Keller vor, vorerst eigene Kollegs einzurichten.

Kindergarten ab 4. Jahr

Erfreut zeigt sich Keller über den erneuten Beschluss des verpflichtenden Kindergartens ab dem vierten Lebensjahr – für jene Kinder, die es brauchen, wie die Koalition erklärt. "Die Frage, wer das wirklich braucht ist einfach zu beantworten: Alle Kinder brauchen das. Denn im Kindergarten geht es ja ja um viel mehr Kompetenzen als den sicherlich auch erwünschten Spracherwerb", erklärt die Kindergartenobfrau.

Was das alles sein soll? Die Frage bringt die erfahrende Pädagogin zum Schmunzeln: "Überlegen Sie einmal, was ein Kind alles lernt, bis es schulreif ist. Da sind einmal die feinmotorischen Fähigkeiten, vom Stift- und Pinselhalten bis zum Malen mit den Fingern, aber auch die Grobmotorik, sich ausreichend bewegen oder auf einem Bein hüpfen zu können. Es geht aber auch um soziale Fähigkeiten, den Umgang mit anderen Kindern und Erwachsenen. Das kann ein Kind im gewohnten Umfeld daheim nicht erlernen. "

Das Türkis-Blau in dieser wichtigen Frage vor allem auf die Sprachkenntnisse abzielen will, sei für sie unverständlich, weil das "fern der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist. Da frage ich mich schon, welche Experten hier zu Rate gezogen wurden. Wir haben unsere Expertise wiederholt angeboten, bisher ohne Rückmeldung."

Zumindest fragwürdig sieht die Kindergartenexpertin auch die Forderung nach einem "Bekenntnis zur Verfassungs-, Werte- und Gesellschaftsordnung", und dass "jedwede Arbeit in elementarpädagogischen Einrichtungen auf Basis dieser Werte zu erfolgen habe". Sie frage sich, "wer soll diese Werte und die Gesellschaftsordnung vorgeben, vielleicht Andreas Gabalier?"

Grundsätzlich sei sie mit dem Vorschlag von ÖVP und FPÖ aber sehr zufrieden. "Da sind viele Vorschläge dabei, die wir seit Jahren fordern."