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Politik Inland
01/11/2021

Aus der hehren Forschung in die Niederungen der Politik

Von Alexander Van der Bellen bis Sonja Hammerschmid. Kocher ist nicht der Erste, der von der Uni-Karriere in die Politik wechselte

Umstieg. Was hinter der roten Tapetentür in der Hofburg gesprochen wird, unterliegt dem „Schweigegelübde“. Aber man kann sich durchaus vorstellen, dass Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der neue Arbeitsminister Martin Kocher auf Anhieb eine gute Gesprächsbasis fanden, haben sie doch einen ähnlichen Werdegang: Beide studierten Volkswirtschaft, beide starteten eine universitäre Karriere, bevor sie den Sprung in die Politik wagten.

Kocher ist nicht der einzige Experte in der ÖVP/Grünen-Koalition. Auch Bildungsminister Heinz Faßmann verließ seine „Komfortzone“ als Vizerektor für Forschung und Internationales an der Universität Wien, um Minister zu werden. Ebenfalls als Parteiloser wie der neue Arbeitsminister.

 

Vor dem Wechsel leitete Kocher das Institut für Höhere Studien. Bei seiner Antrittspressekonferenz betonte der Wissenschafter, dass er ohne die coronabedingte Wirtschaftskrise das Amt nicht angenommen hätte. „Das glaube ich ihm nicht. Es hat ihn sicher gejuckt. Denn es ist schon ein spannendes Geschäft“, sagt der ehemalige ÖVP-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle.

Taktisches Portefeuille

Töchterles Amtszeit war von Erfolgen wie Misserfolgen begleitet. Der Tiroler verhandelte trotz Wirtschaftskrise eine Wissenschaftsmilliarde heraus, aber bei der Einführung der Studiengebühren scheiterte der frühere Rektor der Leopold-Franzens-Uni in Innsbruck.

„In der Politik muss man taktisch ein ganz anderes Portefeuille auspacken. Beim Durchsetzen von Ressortangelegenheiten ist man meistens auf sich alleine gestellt. Da braucht es List und Stärke“, so Töchterle.

Eine der wenigen Frauen, die den Sprung von der universitären Karriere in die Politik wagten, ist Ex-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (auch sie war, wie Kocher heute, damals parteilos). Zwei Punkte waren für sie die größten Hürden. Als Rektorin war es die heutige SPÖ-Abgeordnete gewohnt, medial auf der Sonnenseite zu stehen. „Aber wenn du Ministerin bist, warten die Medien nur auf einen Schnitzer von dir“, schildert Hammerschmid. Jedes Wort sei „auf die Goldwaage“ gelegt worden. Das Schließen von Kompromissen bereitete Hammerschmid weniger Probleme. Viel mehr zu kämpfen hatte sie damit, die interne Parteilogik „zu kapieren“. „Ich versuchte Daten und Fakten zu liefern, um die Partei mitzunehmen, um bei Projekten eben die Ideologie beiseitelassen zu können. Dass das eine Herausforderung ist, wird Kocher bald erkennen“, meint Hammerschmid.

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