Politik | Inland 26.02.2015

Asyl: "Deutsch ist wichtig für die Zukunft"

© Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Asyl-Jugendheime sind noch die Ausnahme.

Ich lebe hier seit zwei Jahren und mache den Hauptschulabschluss", erzählt der 16-jährige Mahmud in akzentfreiem Deutsch, während er gemeinsam mit seinen Mitbewohnern Spaghetti kocht.

Die 14 Burschen aus Afghanistan und Syrien haben Glück, dass sie in Gänserndorf, NÖ, einen Platz im Asyl-Jugendheim erhalten haben. "Ich möchte hierbleiben und irgendwann Arbeit finden", sagt Mahmud, der oft seine Freizeit nutzt, um deutschsprachige Filme zu sehen. Er weiß, dass "für eine Zukunft in Österreich gute Deutschkenntnisse wichtig" sind.

Vielen anderen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) geht es (noch) nicht so gut. Während derzeit alle 1000 Bundesbetreuungsplätze belegt sind, warten weitere 700 Flüchtlingskinder – darunter 400 alleine im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen – auf einen altersgemäßen Versorgungsplatz, der ihnen auch Zugang zu Bildung bietet. Seit österreichische Jugendhilfsorganisationen in der Vorwoche auf die Misere bei der Unterbringung von jungen Flüchtlingen ohne Begleitung hingewiesen haben, sucht die Politik nun verstärkt nach Quartieren, weil durch die anhaltenden Flüchtlingsströme – vor allem aus Syrien – keine Entspannung in Sicht ist.

Berührungspunkte

Wie die Integration junger Flüchtlinge in das Gemeindeleben funktionieren kann, zeigt der Verein "Menschen. Leben", der auch das Asyl-Jugendheim in Gänserndorf betreibt, vor. Bewusst werden Berührungspunkte in Vereinen gesucht, um Ängste zwischen Bürgern und Flüchtlingen abzubauen. "Ich bin Fußballer beim Sportverein in Gänserndorf. Meine Herkunft ist kein Problem", erzählt der 17-jährige Afghane Ali. Damit die jungen Flüchtlinge aber auf keine dummen Gedanken kommen, achten ihre Heimbetreuer, die 24 Stunden vor Ort sind, darauf, dass es einen geregelten Tagesablauf gibt und sie Verantwortung übernehmen müssen. "Die Burschen müssen selber einkaufen und kochen. Jeder ist auch verpflichtet, regelmäßig sein Zimmer zu putzen", erzählt Standortleiter René Poppel. So sollen die Jugendlichen selbstständig werden. 225 Flüchtlinge ohne Begleitung werden derzeit in Niederösterreich betreut. "Das Ziel für 2015 lautet, alle Kinder aus Kriegsgebieten im Zuge der Jugendwohlfahrt unterzubringen", sagt die für Asyl zuständige Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger (Team NÖ).

Erstellt am 26.02.2015