Politik | Inland
23.02.2018

Bruna Sudetia: "Altes Zeug aus der Nazizeit" gefunden

Bei der Hausdurchsuchung bei der Burschenschaft Bruna Sudetia soll weiteres einschlägiges Material gefunden worden sein.

In den Räumen der schlagenden Burschenschaft Bruna Sudetia soll ein weiteres, bisher unbekanntes Liederbuch mit antisemitischen Texten gefunden worden sein.

Auch in diesem Buch soll - wie schon in jenem, das zu Beginn dieser Woche ürsprünglich für Aufregung sorgte - ein Lied mit der Strophe "Wir schaffen die siebente Million" enthalten sein, berichtet der Falter heute.

Zudem dürften die Ermittler auch "altes Zeug aus der Nazizeit" bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmt haben. Um Hakenkreuzfahnen oder verbotene Abzeichen soll es sich dabei aber nicht handeln. Vielmehr geht es laut Falter um alte Verordnungen und Schriften "über irgendwelche Reichsstudentenführer".

Die Bruna Sudetia selbst konnte den Bericht am Freitag nicht bestätigen. Man kenne die Inhalte der mitgenommenen Kisten noch nicht, hieß es am Freitag in einer Stellungnahme gegenüber der APA. "Befremdlich" findet die Verbindung, dass Ermittlungsergebnisse an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Auch von der Staatsanwaltschaft Wien war am Freitag auf KURIER-Nachfrage keine Bestätigung der berichteten Funde zu bekommen, man verweist auf die laufenden Ermittlungen. Diese Ermittlungen nach dem Verbotsgesetz seien von Amtswegen eingeleitet worden, sie laufen seit Mittwochvormittag und werden gegen unbekannte Täter geführt, sagte eine Sprecherin.

Bananenschachteln

Herwig Götschober, der Vorsitzende der Wiener Burschenschaft, er ist Pressemitarbeiter im Büro von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), hatte sich bereits am Mittwoch beurlauben lassen. Götschober selbst bestätigte bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag, begleitet von Strafverteidiger Werner Tomanek, es habe Mittwochmittag eine Hausdurchsuchung der Verbindungs-"Bude" durch die Behörden gegeben. Diese habe rund drei Stunden gedauert. Dabei seien mehrere Kartons mitgenommen worden.

Über den Inhalt der nach Götschobers Angaben sehr alten Kisten wisse er nichts. Auf eine neuerliche Anfrage durch den KURIER am Freitag sagte Anwalt Tomanek, das sei nach wie vor der aktuelle Wissensstand. Erfahren habe er lediglich, dass es sich um zwei Bananenschachteln handle, die von den Ermittlern - angeblich so wie im "Buden"-Keller vorgefunden - abtransportiert wurden. Bei der Hausdurchsuchung sei ein anderer Anwalt der Burschenschaft zugegen gewesen, Tomanek selbst sei erst kurz vor der Pressekonferenz am Donnerstag beigezogen worden.

Die ermittelnden Beamten hätten die Kartons grob gesichtet und an die Staatsanwaltschaft geschickt, berichtet Tomanek über seinen Kenntnisstand. Vor kommendem Montag erwarte er keine neuen Erkenntnisse.

Vorsorgliche Entschuldigung

Götschober spekulierte am Donnerstagabend, dass es sich bei dem Inhalt um Nachlässe verstorbener Burschenschafter handeln könnte - und entschuldigte sich schon vorsorglich: Der beurlaubte Hofer-Mitarbeiter betonte, er wolle - gemeinsam mit zwei Anwälten - die Geschichte seiner Burschenschaft aufarbeiten. "Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass so etwas in der Art bisher nicht erfolgt ist."