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Politik Inland
12/17/2019

Alt und arbeitslos: "Aktion 20.000" brachte nur kurzen Lichtblick

Jeder dritte Teilnehmer der Jobinitiative hatte laut Studie danach einen Fixjob. AK-Präsidentin fordert eine Neuauflage.

Fast drei Jahre lang waren die Teilnehmer im Schnitt arbeitslos, bevor sie durch die "Aktion 20.000" die Chance auf einen geförderten Arbeitsplatz bekamen. Knapp ein Drittel konnte diese Chance optimal nutzen und hatte auch später noch einen Job, für die Hälfte der rund 3.800 Teilnehmer ging es aber zurück in die Arbeitslosigkeit.

Die SPÖ verbucht die "Aktion 20.000", initiiert zu Zeiten der rot-schwarzen Regierung 2017 und später abgeschafft von Türkis-Blau, jedenfalls als Erfolg. Diese Zahlen zeigten, wie „richtig und wichtig“ die Aktion war, sagte SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch am Montag laut einer Aussendung.

Auch die Geschäftsführerin von arbeit plus, einem österreichweiten Netzwerk von sozialen Unternehmen, hob die Bedeutung hervor: "Die Aktion 20.000 hat 'Ja' gesagt zu Menschen, die schon viel zu oft ein 'Nein' gehört haben. Neben existenzsichernder Beschäftigung durch kollektivvertraglich bezahlte Jobs, erhielten sie Unterstützung und Weiterbildung."

Die nackten Zahlen allerdings sind wenig berauschend. Die Initiative mit geförderten Arbeitsplätzen hätte Potenzial für 74.361 Personen gehabt, genutzt haben sie nur 3.824 - das sind fünf Prozent (Zeitraum: Juli bis Dezember 2017), wie eine Evaluierung von Prospect Unternehmensberatung im Auftrag des Sozialministeriums zeigt.

"Begeistert, endlich wieder arbeiten zu können"

Die Ergebnisse der Evaluierung im Detail: Knapp ein Drittel der Teilnehmer hatte auch drei Monate nach Förderende noch einen Job. Neben ungeförderter Arbeit seien auch eine weitere geförderte Beschäftigungsepisode oder eine Qualifizierungsteilnahme als erfolgreiche Anschlussperspektiven zur "Aktion 20.000" zu werten, heißt es. „Unter Berücksichtigung dieser Aspekte ergibt sich ein Anteil von 37,3 Prozent aller Teilnahmen mit positiver Arbeitsmarktpositionierung zum Stichtag“, geht aus der Erhebung hervor.

Genau die Hälfte der geförderten Personen war nach Auslaufen der Förderung aber wieder arbeitslos, 12,7 Prozent waren in einem „erwerbsfernen Status“, darunter finden sich auch jene Personen, die im Anschluss an die Aktion in die Pension übertraten.

Mehr als 90 Prozent der 551 befragten Teilnehmer (und Abbrecher) stimmten der Aussage „Ich war begeistert, endlich wieder arbeiten zu können“ zu.

89 Prozent der Befragten waren mit dem Dienstverhältnis (eher) zufrieden, 58 Prozent davon sogar sehr zufrieden. Die Befristung der Dienstverhältnisse im Rahmen der Aktion wurde aber von 41 Prozent kritisch betrachtet.

Rund 20 Prozent der geförderten Personen lösten das Dienstverhältnis vorzeitig auf. Als Hauptgründe wurden gesundheitliche Belastungen, Schwierigkeiten mit Kollegen oder Vorgesetzten, schlechtes Arbeitsklima, zu niedrige fachliche Anforderungen oder kein Spaß an der Arbeit genannt.

Teilnehmer im Schnitt 54,6 Jahre alt

Die Evaluierung ergab, dass rund 2.500 bis 2.890 neue Stellen für einen Zeitraum von 1,3 Jahren geschaffen wurden. Geplant waren im Konzept 20.000 Jobs pro Jahr - daher der Name "Aktion 20.000".

Die Dienstverhältnisse reichten von Hilfstätigkeiten über unterschiedliche soziale Dienstleistungsbereiche bis zu Führungsfunktionen. Im Schnitt waren die Personen vor Förderbeginn 2,8 Jahre arbeitslos.

58 Prozent der geförderten Personen waren männlich, 42 Prozent weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 54,6 Jahren, 89 Prozent hatten die österreichische Staatsbürgerschaft. 44 Prozent verfügten über einen Abschluss einer mittleren Schule oder Lehre, 30 Prozent maximal über einen Pflichtschulabschluss.

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die "Aktion 20.000" jedenfalls einen kurzfristigen beschäftigungspolitischen Effekt hatte. Wie viele Personen auch nach Förderende noch Arbeit haben, ist jedoch derzeit über einen Beobachtungszeitraum von drei Monaten hinaus nicht zu eruieren.

Anderl will "Chance 45" als Vorbild für Neuauflage

Die Aktion war im Juli 2017 von der damaligen SPÖ-ÖVP-Regierung ins Leben gerufen worden. Unter Türkis-Blau wurde sie abgeschafft. Kritisiert wurden zu hohe Kosten bei fehlender Nachhaltigkeit. Im September hat der Nationalrat allerdings eine Förderung in Höhe von 50 Mio. Euro für Langzeitarbeitslose über 50 beschlossen.

Die Präsidentin der Arbeiterkammer, Renate Anderl, fordert von der nächsten Regierung, für eine Neuauflage der "Aktion 20.000" zu sorgen. Die Arbeiterkammer hat ihrerseits ein Programm für Menschen, die älter als 45 Jahre und länger als zwei Jahre arbeitslos sind - das so genannte "Chance 45" könne Vorbild sein.

Für Menschen im Alter über 45 Jahren, die länger als zwei Jahre arbeitslos waren, sollen langfristig 40.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Entlohnung soll den jeweiligen Kollektivverträgen entsprechen, zumindest aber der Mindestlohnforderung des ÖGB in Höhe von 1.700 Euro brutto im Monat entsprechen, so die Forderung der AK. Die Maßnahmen würden zu einem Teil durch das Arbeitslosengeld finanziert - diese Kosten würden für die Zielgruppe ohnedies anfallen. Die zusätzlichen Kosten seien also überschaubar.

"Die geförderten Beschäftigungsplätze können genutzt werden, um die regionale Entwicklung und einen sozial-ökologischen Wandel zu unterstützen. Darüber hinaus wirkt die Maßnahme konjunkturstabilisierend", erklärt Anderl.

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