"Aktivpension" ab 2027: So soll Arbeiten im Alter attraktiver werden

Steuerlicher Freibetrag von 15.000 Euro, Streichung von Sozialversicherungsbeiträgen: Die Regierung hat ihr finales Paket für die Aktivpension präsentiert.
PK GESUNDHEITSREFORMFONDS: WÖGINGER /SCHUMANN / SHETTY

Wer neben der Pension oder über das Pensionsantrittsalter hinaus arbeitet, soll ab 2027 steuerlich profitieren. Die Bundesregierung hat sich auf die Rahmenbedingungen der sogenannten "Aktivpension" geeinigt. ÖVP-Klubobmann August Wöginger, Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) und Neos-Klubchef Yannik Shetty präsentierten die Details am Mittwoch nach dem Ministerrat.

Derzeit arbeiten 150.000 Menschen in Österreich über das Pensionsalter hinaus. Dieses "Potenzial" will die Regierung stärken, heißt es. "Wer sich entscheidet, länger zu arbeiten, hat am Monatsende deutlich mehr zur Verfügung", meint Schumann. Wer etwa 2.000 Euro Pension habe und den selben Betrag dazu verdiene, werde sich 7.000 Euro im Jahr sparen, rechnet Wöginger vor.

Wie sieht die konkrete Umsetzung aus?

Steuerlicher Freibetrag, Frauen benötigen nur 34 Versicherungsjahre

Erstens über einen steuerlichen Freibetrag von bis zu 15.000 Euro. Dieser gilt für Personen, die zusätzlich zur Alterspension weiterarbeiten - und auch für jene, die den Pensionsantritt aufschieben, um länger erwerbstätig zu bleiben. Debatten gab es darüber, wie viele Versicherungsjahre Frauen erwerben müssen, um den Freibetrag zu erhalten.

Ab 2027 gilt vorerst: Männer müssen 40, Frauen nur 34 Versicherungsjahre haben. Bis 2033 werden die Voraussetzungen der Frauen auf das Niveau der Männer schrittweise angeglichen. Hintergrund: Bis dahin steigt auch das gesetzliche Pensionsalter auf das Level der Männer, nämlich auf 65 Jahre.

Reduktion der Beiträge

In einem zweiten Schritt reduziert die Regierung die Sozialversicherungsbeiträge für Erwerbstätige im Regelpensionsalter. Der Dienstnehmerbeitrag zur Pensionsversicherung von 10,25 Prozent entfällt ab 2027 zur Gänze. Auch die besondere Höherversicherung entfällt. Die Regelungen gelten ebenso für Selbstständige.

"Die Aktiv-Pension ist das Leuchtturmprojekt der ÖVP, denn sie unterstreicht den Leistungsgedanken, der uns so wichtig ist", sagt Wöginger. Wer über das Pensionsalter hinaus arbeite, profitiere doppelt. Shetty betont, dass jene, die noch arbeiten wollten, bisher bestraft worden seien. Daher sei es notwendig gewesen, die geltenden Regelungen zu entbürokratisieren und zu attraktivieren. Gleichzeitig macht Shetty klar, dass die Neos weiter für eine Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters seien. Er geht davon aus, dass es spätestens in der kommenden Legislaturperiode so weit sein werde.

Transformationsfonds

Was die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer angeht, wird auf Betriebe sanfter Druck ausgeübt. Jene Unternehmen, die im Branchen-und Bundesländer-Vergleich einen geringen Anteil an Arbeitnehmern zwischen 60 und 64 beschäftigen, erhalten jährlich "zielgerichtete Informationen". In diesen wird auf spezifische Beratungs- und Förderangebote des AMS für diese Altersgruppe hingewiesen. 

Zudem wird ein Arbeitsmarkt-Transformationsfonds geschaffen, um Arbeitslose wie Arbeitnehmer bei der Bewältigung der durch Digitalisierung und KI bedingten Herausforderungen am Arbeitsmarkt zu unterstützen. Weiters werden laut Schumann 100 Millionen in einen Maßnahmenmix gesteckt, der ältere Arbeitslose, speziell Langzeit-Arbeitslose, wieder in Beschäftigung bringen soll.

Für das Gesamtpaket inklusive Arbeitsmarkt-Maßnahmen werden 2027 immerhin 470 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Eine Evaluierung ist für das Jahr 2030 geplant. Die gesetzlichen Maßnahmen für das Paket sollen demnächst in Begutachtung gehen.

Kommentare