Politik | Inland
19.01.2018

Abschiebung trotz Fachkräfte-Mangels: "Das ist doch absurd"

Mangelberuf Koch & Co.In Oberösterreich droht 50 von 300 Asylwerbern in Ausbildung die Abschiebung. Grüne und Wirtschaft mobilisieren dagegen.

Nader Ansari ist 20 Jahre alt, macht gerade eine Koch-Kellner-Ausbildung, und sein Chef, der oberösterreichische Hotelier Dieter Kocher, ist höchst zufrieden mit ihm.

Das Problem dabei: Nader, ein gebürtiger Afghane, ist Asylwerber. Und er darf nicht bleiben: "Sein Aufenthaltsbescheid wurde in erster Instanz abgelehnt", sagt Rudi Anschober, Grüner Landesrat in Oberösterreich.

Angesichts der jetzt aufgeflammten Debatte über die Ausweitung der Mangelberufe "ist das doch absurd", wie Anschober sagt: Denn während auf der einen Seite darüber nachgedacht wird, den Arbeitsmarkt für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten zu öffnen, schicke man jene nach Hause, die hier mitten in der Ausbildung stecken. "Bei uns haben sich 50 solcher Fälle gemeldet, fast alle aus Oberösterreich", sagt Anschober; und das ist angesichts von etwa 300 Asylwerbern, die in OÖ eine Lehre machen, eine durchaus erkleckliche Zahl.

Anschober hat darum den Schulterschluss mit der Wirtschaft gesucht. Über das Projekt "Lehre für Asylwerbende in Mangelberufen" hat man versucht, Nachwuchskräfte zu rekrutieren; und auch die Wirtschaft setzt sich jetzt dafür ein, dass die jungen Leute bleiben dürfen: "Unsere Betriebe suchen händeringend nach neuen Fachkräften und investieren in deren Ausbildung. Dass diese Investitionen sinnlos verpuffen, ist inakzeptabel", sagt Wolfgang Wimmer, Obmann der WKO Perg – dort sind 18 von 22 Asylwerbern von Abschiebung bedroht.

Deutschland als Vorbild

Anschober plädiert darum für eine Übernahme des deutschen Vorbilds. Dort ist es Asylwerbern seit 2015 unter dem Motto "Drei plus zwei" erlaubt, nicht nur ihre dreijährige Ausbildung zu beenden, sondern auch noch zwei Jahre zu arbeiten. "In den vergangenen zwei Jahren hat man so 7000 Lehrlinge abgesichert", sagt Anschober. Gefordert hätten das vor allem diejenigen, die die Leute ausbilden. "Die Proponenten kamen vor allem aus der Wirtschaft." Auch die afghanische Botschafterin in Österreich spricht sich klar gegen Abschiebungen aus: Die Sicherheitslage sei "nicht so gut", umschreibt sie die Situation. Sie hofft, "für die Menschen, die alles verloren haben und jetzt beginnen, sich in Europa etwas aufzubauen, eine faire Lösung zu finden".

Für Nader könnte es eng werden: Er hat Berufung eingelegt. Wird auch die abgelehnt, droht ihm die Abschiebung nach Kabul.