Politik | Inland
01.04.2018

13 goldene Regeln: So wird das Handy nicht zur Falle

Was Eltern tun können, damit das Smartphone bleibt, was es ist: ein nützliches Werkzeug.

Sie machen es überall – im Schulhof, in den Öffis, ja sogar im Schlafzimmer: Die Kinder starren auf ihre Smartphones.

Unentwegt und weltvergessen, wie es scheint, wird gechattet und gespielt, werden Fotos gepostet, YouTube-Videos geschaut, geliked, geteilt. Smartphones haben ein Tor zu einer Welt aufgestoßen, in der sich Kinder erst zurechtfinden müssen – ebenso wie ihre Eltern.

Erkenntnisse

Was aber kann man tun, damit Kinder das Smartphone so verwenden, dass die Nutzen maximal und die Gefahren minimiert werden?

Im Zuge der Serie „Kinder, Hände weg vom Handy?“ hat sich der KURIER eine Woche lang mit dieser Frage beschäftigt. Die Erkenntnisse daraus? Dass ein totales Handy-Verbot nichts bringt, etwa. Das haben KURIER-Reporter in Wiens erster iPad-Schule und in einem Gymnasium, in denen der Umgang mit Handys vorübergehend ganz verboten wurde, festgestellt. Auch der Blick über die Grenze bestätigte das: In Bayern, wo seit 2006 das Handy in der Schule ausgeschaltet sein muss, rütteln jetzt sogar Lehrer am Verbot.

Und was, wenn das Ganze mehr als nur eine schlechte Angewohnheit ist? Dann ist handeln angesagt: „Die Zahl der Internet- und smartsüchtigen Jugendlichen geht nach oben – und zwar dramatisch“, sagte uns Kurosch Yazdi, der Chef der Linzer Ambulanz für Spielsucht.

Eltern sind darum gefordert, ihre Kinder genau im Auge zu behalten und ihnen einen souveränen Umgang mit Internet und Handys beizubringen. Dass sie dabei selbst ein gutes Vorbild abgeben sollten, ist wohl eine der wichtigsten Lehren der Smartphone-Ära: Nicht nur, dass viele Erwachsene selbst ständig online sind (wie schlimm es um Sie selbst bestellt ist, können Sie in nebenstehendem Test eruieren) ; sie nutzen die neuen Technologien auch oft, um ihre Kinder zu überwachen.

Mehr Chance als Gefahr

Zum Abschluss der Serie soll quasi die Quintessenz der Begegnungen und Experten-Gespräche zusammengefasst werden – in Form von 13 Tipps. Sie sollen helfen, dass die Smartphones das bleiben, was sie im Idealfall sind: ein nützliches Werkzeug.

Denn bei aller Vorsicht scheint nach wie vor Optimismus angebracht. Oder, wie eine der Pädagoginnen der Plattform „saferinternet“ sagte: „Die Vorteile der Digitalisierung überwiegen derzeit bei weitem die Risiken.“

Smartphone-Knigge: 13 Tipps für Eltern

Damit Smartphone und Internet nicht zur Geißel werden:

1.) Kinder sollen das Netz nicht allein entdecken

Zeigen Sie Interesse, suchen Sie  spannende Websites, die dem Alter ihres Kindes entsprechen, und erforschen Sie diese mit ihm. Gemeinsame Erfahrungen erleichtern es, über positive und negative Erlebnisse im  Internet zu sprechen.

2.) Vereinbaren Sie Regeln

Diese können etwa den zeitlichen Umfang, die genutzten Inhalte, den Umgang mit Bildern und persönlichen Daten oder Kosten betreffen. Regeln sind nur dann wirksam, wenn Ihr Kind sie versteht und akzeptiert.

3.) Seien Sie nicht zu kritisch

Kinder müssen und dürfen entdecken. Es kann zufällig passieren, dass sie auf für Kinder ungeeignete Inhalte stoßen. Diskutieren Sie offen darüber,   vereinbaren Sie  Regeln. Drohen Sie Ihrem Kind aber nicht sofort mit Verboten  –  das stört das Vertrauensverhältnis.

4.) Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Risiken einer leichtfertigen Datenweitergabe im Internet

Name, Adresse, Telefonnummer und persönliche Fotos sollte Ihr Kind nur nach Absprache mit Ihnen weitergeben. Erklären Sie ihm, wieso das wichtig ist – und suchen Sie kindgerechte Beispiele (etwa: niemand würde Plakate mit privaten Bildern oder Briefe an öffentlichen Plätzen aufhängen).

5.) Schaffen Sie handyfreie Zonen und Zeiten

Das Smartphone muss nicht immer und überall  präsent sein. Frühstück, Mittag- und Abendessen sind gute Gelegenheiten, bei denen darauf verzichtet werden kann. Überlegen Sie, ob  das Handy wirklich zur Schlafenszeit im Kinder- und in Ihrem Schlafzimmer liegen muss.

6.) Seien Sie vorsichtig bei  Online-Bekanntschaften

Es ist okay, Bekannte aus dem Netz im „echten Leben“ zu treffen. Allerdings sollte dies bei Kindern und Jugendlichen nur an öffentlichen Orten (Kino, Café, etc.) und in Begleitung (Erwachsener oder Freund) passieren. Sprechen Sie mit dem Kind unbedingt über die Risiken.

7.) Diskutieren Sie den Wahrheitsgehalt von Online-Inhalten

Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man diese durch Vergleich mit anderen Quellen prüft.  Auch Werbung ist für Kinder oft schwer zu durchschauen. Mitunter hilft es, das spielerisch anzugehen – etwa als Detektivspiel.

8.) Schauen Sie nicht weg, melden Sie Illegales

Kinderpornografie, rechtsradikale oder verhetzende  Inhalte können an www.stopline.at gemeldet werden.

9.) Ermutigen Sie Ihr Kind zu guter Netiquette

Einfach gesagt: Was im realen Leben erlaubt ist, ist auch im Internet erlaubt. Was im realen Leben verboten ist, ist auch im Internet verboten.
 
10.) Informieren Sie sich über die Mediennutzung Ihres Kindes

Lassen Sie sich  Lieblingsseiten, -spiele oder -apps zeigen,  versuchen Sie zu verstehen, warum Ihr Kind diese toll findet. Machen Sie die Internet- und Handynutzung zum Alltagsthema in der Familie – und erklären Sie Ihrem Kind, was Sie im Netz machen.

11.) Vergessen Sie nicht: Die Chancen der digitalen Medien übertreffen die Risiken

Internet und Handy können zum Lernen und in der Freizeit sinnvoll eingesetzt werden können. Ermutigen Sie Ihr Kind, digitale Medien bewusst zu nutzen. Unter Anleitung können die Risiken gut minimiert werden.

12.) Seien Sie Vorbild

Wenn Sie  Regeln aufgestellt haben, achten Sie darauf, diese selbst einzuhalten (handyfreie Räume und Zeiten). Haben Sie beim Essen das Handy neben sich, ihr Kind darf das aber nicht, entsteht nur Misstrauen.

13.) Überwachen Sie Ihr Kind nicht

Vertrauen Sie Ihrem Kind, reden Sie mit ihm. Überwachungs-Apps, die Handy- und Internetnutzung aufzeichnen, wiegen Eltern in falscher Sicherheit. Sie zerstören mehr Vertrauen als sie nutzen.