Politik | Inland
01.07.2018

12-Stunden-Tag: Zwei von drei Befragten bezweifeln Freiwilligkeit

Regierung will Arbeitszeit flexibilisieren. Mehrheit der Beschäftigten wäre mit derzeitiger Regelung zufrieden.

 „Es bleibt bei diesen acht Stunden, lediglich die Flexibilität wird erhöht.“ (ÖVP-Chef und Kanzler Sebastian Kurz) „Niemand kann gezwungen werden, länger arbeiten zu müssen.“ (FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache). Allein: Alle mantrahaften Beteuerungen der Bundesregierung wie jene von ÖVP-Klubchef August Wöginger – „Wir geben eine Freiwilligkeitsgarantie ab“ – helfen scheint’s nichts. 65 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut OGM für den KURIER Befragten glauben nicht daran. 33 Prozent gehen davon aus, dass es die Freiwilligkeit bei einer elften und zwölften Arbeitsstunde nicht geben wird – nur zehn Prozent sind vom Gegenteil überzeugt (siehe Grafik). Während das Misstrauen unter den SPÖ-Wählern mit 89 Prozent wenig überrascht, ist das Ergebnis im FPÖ-Lager bemerkenswert. 33 Prozent der freiheitlichen Wähler glauben nicht an die Freiwilligkeit und damit an mögliche Konsequenzen bei Nicht-Leistung der elften und zwölften Stunde; bei den ÖVP-Wählern sind es 19 Prozent. Ginge es nach den Befragten quer durch alle Parteien, so müsste sich an der derzeitigen Arbeitszeitregelung nichts ändern. 89 Prozent sind sehr beziehungsweise eher zufrieden. Lediglich elf Prozent sind wenig bis nicht zufrieden. Doch das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die Österreicher die Reform der Regierung a priori ablehnen.

 

„Glaubt man Gewerkschaft und Arbeiterkammer, dann steht die Republik – in Anlehnung an den Sager von ÖGB-Boss Wolfgang Katzian („Wir reichen ihnen schon die Hand, aber wenn sie sie nicht annehmen, kann sie schnell zur Faust werden.“) – mit geballter Faust da. Das stimmt aber nicht“, sagt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Zwar spricht sich laut KURIER-Umfrage eine knappe Mehrheit (49 Prozent) gegen die Arbeitszeitflexibilisierung aus – ebenso viele gehen allerdings auch davon aus, dass der traditionelle 8-Stunden-Tag ob der neuen Arbeitswelten bald der Vergangenheit angehören wird. 45 Prozent lehnen Protestmaßnahmen in Betrieben und Demonstrationen wie die gestrige in Wien ab. 24 Prozent würden an Demos, 13 Prozent an Protestmaßnahmen in Betrieben selbst teilnehmen.

 

 

„Wenn man den Arbeitnehmernbeweist, dass die elfte und zwölfte Stunde in punkto Freiwilligkeit und Entlohnung klar und glaubwürdig geregelt wird, dann wird es ein hohes Maß an Akzeptanz in der Bevölkerung geben“, sagt Meinungsforscher Bachmayer und verweist in dem Zusammenhang auf die weiteren Ergebnisse der KURIER-OGM-Umfrage. 63 Prozent der über 800 Befragten geben an, ihre Überstunden derzeit freiwillig zu leisten, 27 Prozent tun dies „auf Anordnung“. Die Hälfte all jener mit Überstunden nehmen dafür Zeitausgleich.