Politik 05.12.2011

Hunde - die teuren Gefährten

Das Geschäft mit Rex & Co. boomt seit Jahren. Die Vierbeiner kosten mehr als auf den ersten Blick angenommen.

Izzy hört auch auf den Namen "Mausi". Den Spitznamen teilt sich der Australian Shepherd mit Tausenden Vierbeinern in Österreich. Vor drei Jahren ist Martina Gröschl auf ihren Hund gekommen. Izzy ist seitdem ein fixer Bestandteil im Leben der Sozialarbeiterin - und in ihrem Budget. "Der Hund gibt so viel mehr zurück. Da denkt man nicht mehr an die Kosten", sagt die 29-jährige Bad Vöslauerin.

Futter, Zubehör Arztkosten - ein eigener Vierbeiner kostet Geld. Das Geschäft mit Rex, Izzy & Co. boomt seit Jahren. Für die rund 720.000 Hunde in Österreichs Haushalten geben "Herrchen" und "Frauchen" geschätzte 850 Millionen Euro aus.

Die Österreicher lieben ihre Hunde – und geben pro Jahr 850 Millionen Euro für sie aus.
© Bild: Deutsch Gerhard

Diese Umsatzzahl rechnete Paul Cech hoch. Cech machte sein Hobby zum Beruf, betreibt PR für alles rund um den Vierbeiner und ist dank seines Statistik-Archivs ein verlässlicher Ansprechpartner für Studienautoren. "Die ,Firma Hund' wird sehr unterschätzt", sagt er. Die Branche trotze auch Wirtschaftskrisen. "Sie wächst jährlich um 2,5 bis drei Prozent." Nicht nur, weil es mehr Vierbeiner gibt, sondern auch, weil die Kosten kontinuierlich steigen.

Den größten Brocken macht die Preissteigerung beim Futter aus. Doch auch Wirtschaftskrisen spüren Hundebesitzer in ihren Geldbörsen: Viele Kommunen sichern sich mit einer erhöhten Hundesteuer zusätzliche Einnahmen. In der Bundeshauptstadt schnalzt die Gebühr gleich um 65 Prozent von rund 43 auf 72 Euro hinauf.
Was aber kostet ein Hund wirklich?

1200 Euro

Die Österreicher lieben ihre Hunde – und geben pro Jahr 850 Millionen Euro für sie aus.
© Bild: Deutsch Gerhard

Der treue Freund kann jedenfalls schnell zum teuren Gefährten werden. Im Jahr geben Hundebesitzer durchschnittlich 1200 Euro aus - darin inkludiert sind der Tierarzt, Futter, Zubehör, die Versicherung sowie die Anschaffung und Ausbildungskosten (Welpenschule, etc.).
Dass sich Hundebesitzer anstatt eines Kleinwagens tendenziell lieber einen teureren Kombi zulegen, ist der Autoindustrie längst bekannt.

Izzy ist ein Glücksfall: Obwohl sie alles zum Fressen gern hat, ist der quirlige Australian Shepherd topfit. Von gröberen Verletzungen bzw. Operationen blieb sie verschont. Zieht man den stolzen Kaufpreis von 1200 Euro und die Kosten für die Therapiehunde-Ausbildung von jährlich 350 Euro ab, kommt Martina Gröschl auf "rund 725 Euro".

"Man sollte sich das vorher gut überlegen. Es kommt noch vieles dazu. Da geht das halbe Urlaubsgeld schnell drauf." Gerade die Veterinärmedizin kennt kaum noch (Kosten-)Grenzen.
Doch nicht alle Ausgaben brechen unerwartet auf Hundebesitzer ein. Im Shop von Georgiana Gal kommen Frauchen auf ihre Kosten und Chihuahuas zu Daunenjacken und Glitzer-Halsbändchen.

Diese Kalkulationen bleiben viel schuldig. Hunde wie Izzy leisten wertvolle Dienste am Menschen, etwa in der Therapie, aber auch als gewöhnlicher Begleithund. Längst ist ihr positiver Einfluss auf die Gesundheit wissenschaftlich bewiesen. In Zahlen lässt sich das nicht gießen. Paul Cech fasst das so zusammen: "Es sollte Hunde auf Krankenschein geben."

Die Österreicher lieben ihre Hunde – und geben pro Jahr 850 Millionen Euro für sie aus.
© Bild: Deutsch Gerhard

"Wer etwas auf sich hält, der kauft modebewusst"
Louis ist wie gemacht für eine Handtasche. Seine Besitzerin, Marie Rybzynska (20) hat für den zwei Jahre alten Chihuahua auch einen tragbaren "Zweitwohnsitz" gefunden. Preis: 200 Euro. "Ich hab' hier eigentlich alles gekauft", schwärmt die Jus-Studentin. Mit hier meint sie den Pet Store von Georgiana Gal. Sie führt am Wiener Parkring ein Fachgeschäft für Tierzubehör - oder feiner gesagt: eine Boutique für den gehobeneren Tierbedarf. "Ich habe für jede Preisklasse etwas", sagt die Geschäftsführerin. Beisatz: "Der Kunde kauft hier etwas nach seinem Geschmack."

Der Kassenschlager ist Hunde-Kleidung. Daunenjacken oder ein Einteiler im Chanel-Stil. In dem Store haben Hundebesitzer die Qual der Wahl. Gal: "Das Gewand ist nicht nur modisch, sondern hat auch eine Funktion." Je kleiner der Hund ist, desto stärker friert er im Winter. Und Kleidung hält schließlich warm!

"Alles ist auch eine Frage des Geschmacks", sagt Gal. Etwa das Hundegeschirr mit Glitzersteinen - "von jenem Betrieb, der auch für Boss produziert", erzählt sie stolz. Das ist auch der Preis: 199 Euro. Gal: "Wer etwas auf sich hält, kauft modebewusst." Vielleicht ein Hundebett samt Viskose-Matratze um 499 Euro. Geld darf keine Rolle spielen.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011