Hochrangige Rettungsaktion für Dubai-Arzt

Angeklagt: Eugen Adelsmayr arbeitete sechs Jahre lang in Dubai als leitender Anästhesist. Seit Anfang Juli wird ihm ein Mordprozess gemacht. "Die Anklage ist ein Witz", sagt er.
Foto: Nihad Amara

Bundespräsident, Außenminister und Experten engagieren sich jetzt für den in Dubai angeklagten Arzt aus Österreich.

Eugen Adelsmayr kämpfte als Anästhesist um das Leben vieler Patienten. Jetzt geht es um sein eigenes. Der Oberösterreicher steht am kommenden Mittwoch erneut in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirf ihm vor, im Jahr 2009 einen Patienten falsch behandelt und ihm Hilfe vorenthalten zu haben. Für den "geplanten Mord" (der Staatsanwalt) drohen dem 52-Jährigen zwischen drei Jahre Haft oder im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Der Mediziner spricht von einer Intrige und streitet alles ab.

Die Causa Eugen Adelsmayr beschäftigt längst höchste politische Kreise. Das ist derzeit aus dem Außenministerium zu hören. Hochrangige Beamte, Experten und sowohl Außenminister Michael Spindelegger als auch Bundespräsident Heinz Fischer engagieren sich für den Arzt. Freilich in jener Manier, wie sie am diplomatischen Parkett üblich ist: im Hintergrund, mit Samthandschuhen, penibel abgestimmt.

Auf dem Tisch von Elisabeth Ellison-Kramer, der Leiterin der Rechtshilfe-Abteilung im Außenministerium, liegen Dutzende Akten von Landsleuten, die im Ausland Hilfe benötigen. Der Fall Adelsmayr besitzt für die Juristin aber besondere Brisanz. "Wir haben keine Parteienstellung", betont Ellison-Kramer gebetsmühlenartig, wenngleich die Strafandrohung "ein Warnsignal war". Die Beamtin will auf gar keinen Fall Panik aufkommen lassen. Es werde zwar "die Todesstrafe vollzogen", jedoch sei es "nicht üblich", dass sie über "Nicht-Muslime verhängt wird".

Fairer Prozess

Derzeit achten alle Akteure genauestens darauf, dass Adelsmayr eine gute Verteidigung und einen fairen Prozess bekommt, der internationalen Mindeststandards entspricht. So beobachtet Botschafter Julius Lauritsch den Prozess persönlich. Beamte halten Kontakt zu Adelsmayr und seiner Anwältin , und urgierten einen Dolmetscher, der dem Mediziner in der letzten Prozessrunde Anfang August vorenthalten worden war. Die Behörden gaben diesem Wunsch offenbar auch statt.

Bei Ellison-Kramer laufen alle Fäden des gesponnen Netzwerks zusammen. "Mein Eindruck ist, dass die Anklage auf schwachen Beinen steht", sagt die Juristin, die betont, dass "die Vorwürfe technisch nicht möglich sind", wie ihr renommierte Mediziner versichern.
Die Beamten kümmern sich auch um die Familie Adelsmayr in Österreich. "Wir unterstützen die Angehörigen", erklärt Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal.

Zeugen

Im "Dubai Court" sagen nächsten Mittwoch die Zeugen der Staatsanwaltschaft aus. "Wir wissen nicht mal, wer und wie viele geladen sind", berichtet Adelsmayr in einem Telefonat. Fünf, darunter Krankenschwestern und jener Arzt, der Adelsmayr anzeigte, stehen auf der Liste. Vermutlich werden zwei von ihnen befragt. Erst in späteren Verhandlungen kommen seine Entlastungszeugen und er selbst zu Wort. So verlangt es die Strafprozessordnung.

"Das Aktenstudium kostet mich so viel Überwindung. Es kriechen die Minuten dahin", erzählt der Oberösterreicher, der für seine Rehabilitierung kämpft. Sein Nervenkostüm ist angekratzt, sein Pass konfisziert, weshalb er im Land festsitzt. Nach seiner Suspendierung droht ihm ein finanzieller Ruin.

Der Oberösterreicher kämpft an einer anderen Front um seine Arzt-Lizenz, die ihm von seinem Arbeitgeber, dem Al Ain Hospital, das sich im Nachbaremirat Abu Dhabi befindet, entzogen wurde. "Es wäre ein symbolischer Erfolg, wenn ich meine Lizenz zurückbekommen würde." Nachsatz: "Die Anklage ist ein Witz." Die Strategie seiner Anwältin bestehe darin, die Aussagen der Zeugen zu entkräften und die medizinischen Fakten dem Richter, einem Ägypten, zu erklären. Sogar eine Expertenkommission sprach den 52-Jährigen von allen Vorwürfen frei, jedoch ermittelte damals bereits die Justiz. "Ob man das dem Richter plausibel machen kann, ist eine andere Sache", schießt Adelsmayr nach.

Insgeheim hofft der 52-Jährige, dass sich das Blatt am Mittwoch doch noch wendet: "Vielleicht wird die Anklage abgeschwächt." Hauptsache, der Mordvorwurf sei weg.

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(kurier) Erstellt am
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