© Stadtchronik Schwaz

Politik
09/16/2012

Heimkinder-Arbeit auch für Land

Auch das Land Tirol soll Zöglinge für sich arbeiten haben lassen. Ein Landeskontrollamtsbericht dokumentiert die Vorgänge.

Bereits seit 1977 soll das Land gewusst haben, dass Mädchen im Erziehungsheim Schwaz zu Arbeitsleistungen herangezogen wurden: In der Causa um Zwangsarbeit von Zöglingen der Tiroler Landeserziehungsanstalt St. Martin in Schwaz sind weitere Details bekanntgeworden. Auch das Land soll die Mädchen für sich arbeiten haben lassen, berichtete die Tiroler Tageszeitung in ihrer Sonntagsausgabe. Das gehe aus einem Landeskontrollamtsbericht aus dem Jahr 1977 hervor, der unter anderem die Vorgänge in der heimeigenen Lohnwäscherei dokumentiere. Diese habe Aufträge sowohl von Firmen, regionalen Institutionen als auch von Landesorganisationen angenommen.

Laut TT war dem Land zumindest seit 1977 bekannt, dass ein Teil der Mädchen zu Arbeitsleistungen herangezogen wurde. Die Lohnwäscherei sei 1963 eingerichtet worden, "um eine regelmäßige Beschäftigung und volle arbeitsmäßige Auslastung der Zöglinge zu erzielen", heißt es es in dem der Zeitung vorliegenden Prüfbericht. Als Auftraggeber würden neben Kompanien und Dienststellen des Bundesheers die Landesberufsschule für Optiker, die Landesgebäudeverwaltung, das Landessportheim, das Tiroler Hilfswerk, die Tyrolia-Werke, der Sportklub Schwaz, das Volkshaus Schwaz, Gasthöfe und das Krankenhaus Schwaz aufscheinen.

Zöglingskonto

Rund 100 Mädchen seien in den 1970er-Jahren im Erziehungsheim untergebracht gewesen. Bei ihrem Eintritt habe die Heimführung ein sogenanntes Zöglingskonto angelegt. Zwischen 13 und 28 Mädchen arbeiteten von 1970 bis 1976 in der Wäscherei. Im Jahr 1970 wurden beispielsweise rund 66.409 Kilogramm Wäsche gewaschen. Zudem hätten die Zöglinge auch Kleidungsstücke ausbessern müssen. Das Kontrollamt habe bereits 1977 gerügt, dass lediglich von 56 der 113 Mädchen, die im Prüfzeitraum das Heim verließen, die Konten aufgelöst und das Geld den Mädchen übergeben worden sei. Die Führung habe damals unter anderem fehlende Adressen als Begründung angegeben.

Öffentlich gemacht hatten die Vorgänge in dem Heim St. Martin ehemalige Zöglinge. Sie hatten darüber berichtet, für Swarovski, Darbo und Eglo in den 60er Jahren Arbeiten verrichtet zu haben, ohne von der Heimleitung entsprechend entlohnt worden zu sein. Das Land Tirol hatte daraufhin eine eigene Kommission unter dem Titel "Arbeit in Tiroler Heimen" ins Leben gerufen.

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