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Politik
08/02/2012

Gross und Harrer, die Nazi-Ärzte

Gerhart Harrer und Heinrich Gross machten im Nationalsozialismus - und danach - Karriere

von Georg Hönigsberger

Gerhart Harrer, 1917 in Innsbruck geboren, begann  im Jahr 1935 das Medizinstudium in Wien. Seit Gymnasialzeiten war er in NS-Verbänden engagiert. Noch vor dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland wurde er SS-Mitglied – in jener Standarte die 1934 Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet hatte. An der Universität Wien befasste sich Harrer mit Erbbiologie und Rassenhygiene. Nach dem Krieg gelang es ihm, sich von seiner NS-Vergangenheit „reinzuwaschen“, ohne sich jedoch jemals davon zu distanzieren. 1950 wurde er Mitglied beim Bund sozialistischer Akademiker und machte eine Steile Karriere an der Uni Innsbruck, dem Salzburger Landeskrankenhaus, der Salzburger Landesnervenklinik und schließlich wurde er ordentlicher Professor für Forensische Psychiatrie an der Uni Salzburg. Die größte Chuzpe: Der ehemalige SS-Arzt und Rassenhygieniker wurde auch zum Gutachter in Opferfürsorgefällen der NS-Zeit bestellt. Im BSA-Buch „Der Wille zum aufrechten Gang“ wird Harrer die Nähe zu Heinrich Gross und weiteren NS-Größen bescheinigt. Harrer ist im Vorjahr verstorben.

Spiegelgrund

Heinrich Gross, 1915 in Wien geboren, trat 1933 der SA und 1939 der NSDAP bei. Ab 1940 war er – mit Unterbrechungen bis 1945 – Arzt in der Klinik „Am Spiegelgrund“. Dort wurden geistig oder körperlich behinderte Kinder getötet. Gross wird nach dem Krieg nur wegen Totschlags verurteilt. Das Urteil wird aufgehoben, 1951 wird das Verfahren eingestellt. Der Arzt steigt zu einem der meistbeschäftigten Gerichtsgutachter auf. Erst 1998 wird ein Strafverfahren  gegen ihn als „an Morden Beteiligter“  eröffnet.  Wegen Demenz des Angeklagten wird das Verfahren  2000 unterbrochen. Gross stirbt 2005.

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