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Politik
12/05/2011

Grazer SPÖ-Chef wirft das Handtuch

Edmund Müller tritt nach nur einem halben Jahr als Stadtchef zurück. Ihm folgt die 34-jährige Martina Schröck.

von Elisabeth Holzer

Seit seinem Amtsantritt haben ihm die Parteifreunde Fadesse und Farblosigkeit vorgeworfen. Doch am Montag zeigte Edmund Müller der Grazer SPÖ, dass er konsequent handeln kann: Er trat mit sofortiger Wirkung als Stadtparteiobmann zurück.
"Ab Dienstag bin ich nicht mehr Vorsitzender der SPÖ Graz", teilte Müller den Präsidiumsmitgliedern der Partei mit. Auch seinen Stadtratsposten gibt er auf.
Den Parteivorstand, der erst nach dem Präsidium tagte, traf das ziemlich unvorbereitet: Während Journalisten bereits von Müllers Rücktritt wussten, rechneten manche Vorstandsmitglieder noch damit, dass ihr Chef im Amt bleibt.
Innerhalb von eineinhalb Jahren hat die Grazer SPÖ nun bereits fünf Vorsitzende verbraucht.

Schröck folgt

Den Parteivorsitz übernimmt nun Stadträtin Martina Schröck - sie war als einzige
Kandidatin vorgeschlagen worden. Offiziell gekürt wird die 34-jährige Soziologin auf einem Stadtparteitag in wenigen Wochen. Schröck sieht ihre Aufgabe als dauerhaft: "Ich habe vor, länger zu bleiben." Zur Zukunft der Grazer SPÖ meinte sie: "Wir müssen aufhören, uns nur mit uns selbst zu beschäftigen, wir müssen uns ganz klar positionieren und Gegenentwürfe zur schwarz-grünen Koalition machen".
Wer Edmund Müller in seiner Funktion als Stadtrat nachfolgen könnte, wurde vorerst noch nicht festgelegt.

Von Anfang an unter Beschuss 

Müller wechselte von der Forschungsgesellschaft Joanneum Research ins Rathaus. Von Beginn an stand er wegen seiner Ansprüche auf eine Millionenpension unter Beschuss. Dass die einstige Bürgermeisterpartei in Umfragen nur noch bei 16 Prozent der Wählerstimmen vegetiert, schrieben die internen Kritiker ihm zu. Dabei begann der Niedergang der SP viel früher: 2008 erreichte sie nur noch 19,7 Prozent bei der Wahl. In 20 Jahren haben sich die Wählerstimmen der Partei halbiert.

"Die Zurufe waren nicht hilfreich", sagte Müller Montag über seinen Entschluss. Enttäuscht sei er nicht, aber: "Es gibt Situationen, wo man eine Entscheidung treffen muss, bevor man irgendwelche gesundheitlichen Auswirkungen spürt."

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