Politik 05.12.2011

Going: Nach Hangrutsch droht Rechtsstreit

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Nach dem Hangrutsch in Going Anfang Juli liegt nun der Sanierungsbescheid vor. Zur Zahlung verpflichtet sind Deponiebesitzer und -betreiber.

Die Rechtsanwälte streiten, und wir müssen ewig warten", kritisiert Franz Harasser. Der 46-jährige Postmitarbeiter ist einer von 135 Bewohnern, die nach dem Hangrutsch Anfang Juli in der Achenwegsiedlung in Going aus ihren Häusern evakuiert werden mussten. Noch immer kann die sechsköpfige Familie nicht in die eigenen vier Wänden zurück - zu groß sind die Schäden, die Erdreich und entwurzelte Bäume verursacht haben, als sie sich bis zu den Gebäuden wälzten.

Aber das ist nicht das Schlimmste: "Wir fühlen uns von den Behörden und Politikern mit allem alleine gelassen. Erst schwirren die hohen Herren alle auf dem Gelände herum und sagen ihre Unterstützung zu. Und dann, wenn alles abflaut, hörst und siehst du nichts mehr. Dass innerhalb der nächsten zwei Wochen mit der Sanierung begonnen werden soll, haben wir von Journalisten erfahren", meint der Tiroler und ergänzt: "Ich bin skeptisch, das muss ich mir erst anschau'n."

Alle Gutachten belegen zweifelsfrei, dass die Aushubdeponie des Stanglwirts, die oberhalb der Siedlung liegt, Auslöser des Unglücks war. "Der Sanierungsbescheid der Bezirkshauptmannschaft schreibt vor, wie der Hang zu sichern ist und wer dafür aufkommen muss", erklärt Hauptmann Michael Berger. Zur Zahlung verpflichtet seien zwei Gesellschaften: Deponiebesitzer und -betreiber.

Rechtsstreit

Sollten sie sich weigern - und danach sieht es wohl aus - "kann das Geld auch durch Zwangsvollstreckung eingebracht werden", erklärt Berger. Alle Zeichen deuten auf einen langwierigen Rechtsstreit. "Es sind Fehler passiert", räumt Berger ein. "Heute wissen wir, die Deponie hätte nicht bewilligen werden dürfen. Allerdings sind damals alle üblichen Erkundungsmaßnahmen durchgeführt worden." (Die BH genehmigte die Anlage nachdem der Besitzer ein Privatgutachten eingeholt hatte). Ob die Schuld an einem Einzelnen festgemacht werden kann, werde sich zeigen und obliege den Gerichten. Die Schaden dürfte in die Millionen gehen.

Den Bewohnern sind die Unstimmigkeiten über die Kostenfrage einerlei, sie hoffen, dass bald etwas passiert - weitere Rutschungen drohen. "Bei jedem Regen haben wir Angst, stehen nachts auf und pumpen Wasser aus dem Sammelbecken ab", erzählt Harasser. "Wir wollen endlich wieder ruhig schlafen und zum Alltag zurückkehren."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011