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Politik
05/02/2012

Fall Ghanem: Ermittlungen wegen Mordverdachts

Der Tod des libyschen Ex-Premiers sorgt international für wilde Spekulationen. Die Justiz prüft einen Mordverdacht.

von Dominik Schreiber

Seit Mittwochfrüh geben Polizei und Staatsanwaltschaft keine näheren Auskünfte mehr zum Tod des libyschen Ex-Premier Shukri Ghanem. Nur so viel: „Die Ermittlungen laufen wegen Mordverdachts", sagt Thomas Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Was wir untersuchen, kann ich nicht beantworten. Es gibt derzeit Umfeld-Erhebungen, die über die Todesursache hinausgehen."Ob damit auch Kontenöffnungen in Österreich gemeint sind? Dazu will sich die Justiz nicht mehr äußern.

 

Nichtschwimmer?

Wie berichtet, war Ghanem Sonntagfrüh tot aus dem Entlastungsgerinne vor der Wiener Copa Cagrana geborgen worden. Er ist ertrunken, ergab die Obduktion. Der Fall bleibt in jeder Hinsicht mysteriös. Während Reuters einen libyschen Ex-Minister mit den Worten zitiert, Ghanem sei Nichtschwimmer gewesen, geht die Wiener Polizei davon aus, dass der Ex-Premier gut schwimmen konnte.

Die zurückhaltende Informationspolitik der heimischen Justiz kurbelt international die Spekulationen an. Sogar der israelische Geheimdienst Mossad wird ins Spiel gebracht. „Wenn es ein Mord war, dann sicher ein ganz heimtückischer und gut geplanter", heißt es aus Polizeikreisen.

Tatsächlich hat Ghanem eine lange Liste von Feinden, denen so etwas zuzutrauen wäre. Schließlich könnte der einstige OPEC-Vizegeneralsekretär auch gewusst haben, wo die geschätzten 110 Milliarden Euro des ehemaligen Diktators Muammar Gaddafi versteckt sind (mehr dazu lesen Sie hier).

Gegen Ghanem soll laut Presse vergangene Woche in Tripolis ein Verfahren wegen Korruption eröffnet worden sein. Interessant ist, dass der 69-Jährige erst im April eine neue Firma in der Krugerstraße gegründet hat, die „Petrofin GmbH". Das offizielle Eigenkapital beträgt dabei aber nur 35.000 Euro. Nachdem der Libyer einen italienischen Pass hat, gilt er als EU-Bürger.

Familie in Libyen

Wenig Hilfe für die Polizei ist die Familie. Denn fast alle seine in Wien lebenden Verwandte sollen am Tag nach seinem Tod das Land verlassen haben – es soll sich um eine lang geplante Libyenreise gehandelt haben. Ghanem hinterlässt drei Töchter (29, 31 und 34 Jahre alt) sowie einen 35-jährigen Sohn.

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