Politik 05.12.2011

Estibaliz C: "Ohne Kind wäre sie schon tot"

Im Jänner erwartet die mutmaßliche Doppelmörderin Estibaliz C. ihr Baby. Jetzt spricht der Kindsvater über seine Sorgen.

Estibaliz C., die zwei Lebensgefährten ermordet und im Keller unter ihrem Eissalon in Wien-Meidling begraben haben soll, erwartet im Jänner ihr Baby. Der Kindsvater, der 47-jährige Wiener Roland R., spricht im KURIER-Interview über die Zukunft des Kindes und die Beziehung zu einer Frau, die möglicherweise eine lebenslängliche Haftstrafe erwartet.

Auch die Briefe, die ihm seine Freundin täglich aus der U-Haft schickt, zeigte Roland R. dem KURIER. Nur sein Konterfrei will der Wiener nicht in der Zeitung sehen - dafür waren seine bisherigen Erfahrungen mit den Medien zu schmerzhaft.

KURIER: Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dem Kind, das Estibaliz C. erwartet?
Roland R.: Dem Kind geht es gut. Der errechnete Geburtstermin ist der 25. Jänner.

Wird Estibaliz C. das Kind in der U-Haft behalten können?
Ich hoffe es, noch gibt es aber keine Entscheidung von den Behörden. Ich hoffe, dass das Kind so lange wie möglich bei ihr bleiben kann. Wenn das nicht geht, sollte sie das Kind zumindest abstillen können und dann würde ich es aufziehen.

Trauen Sie sich denn zu, ein Kind alleine großzuziehen?
Selbstverständlich, ich habe ja bereits zwei Söhne großgezogen. Außerdem bin ich nicht alleine, meine Schwiegertochter würde mir helfen und die Mutter von Esti hat auch ihre Unterstützung zugesagt. Die Behörden werden noch im Dezember meine Lebensumstände prüfen. Ich rechne mit einer Entscheidung über den Verbleib des Kindes im Jänner.

Werden Sie bei der Geburt anwesend sein?
Das würde ich sehr gerne, leider darf ich das nicht. Ich darf ja nicht einmal den Bauch meiner Freundin berühren. Ich besuche sie zwei Mal in der Woche in der U-Haft, aber wir sind immer durch eine Glaswand getrennt. Auch zu Weihnachten werde ich sie wohl nicht sehen dürfen, das wird besonders schlimm ...

Hypothetisch gefragt: Wäre es einfacher für Sie, wenn Estibaliz nicht schwanger geworden wäre?
Nein, dann wäre sie tot und ich im Gefängnis. Das Kind ist ihre ganze Lebensfreude, ohne das Kind hätte sie wohl Selbstmord verübt. Sie war damals in Udine immerhin im 6. Stock. Und mich hätte die Polizei wahrscheinlich eingesperrt, weil sie mich für einen Mittäter gehalten hätten.

Estibaliz C. wird ihr Kind im Jänner in U-Haft zur Welt bringen.

Wie geht es Estibaliz derzeit in der U-Haft?
Seit zwei Wochen ist sie auf der Mutter-Kind-Station und seitdem geht es ihr deutlich besser. Sie schreibt mir jeden Tag einen Brief aus der Haft. Zum Beispiel beklagt sie sich, dass die Mithäftlinge alles über sie zu wissen glauben, nur weil sie die Zeitungsartikel lesen. Aber sie betont in jedem Brief auch, wie sehr sie sich auf das Kind freut.

Sie könnte eine sehr hohe Haftstrafe bekommen. Wird Ihre Beziehung das überstehen?
Esti und ich sind ein Paar und das wird auch immer so bleiben. Selbst wenn sie lebenslänglich bekommt, wovon ich nicht ausgehe, werde ich auf sie warten.

Haben Sie angesichts der massiven Vorwürfe gegen Estibaliz C. nie an eine Trennung gedacht?
Nein. Natürlich war ich am Anfang angefressen und dann auch depressiv. Aber ich habe immer zu ihr gestanden und werde das auch weiterhin tun.

Was wiegt denn schwerer - die schweren Vorwürfe gegen Ihre Freundin oder die Tatsache, dass sie Sie belogen hat?
Esti hat mich nicht belogen. Als sie damals nach Italien geflüchtet ist, hat sie mir zwei Briefe geschickt und mir die Situation erklärt. Hätte sie mir früher etwas gesagt, hätte ich das sicher nicht für mich behalten können, also hat sie richtig gehandelt.

Und was sagen Sie zum Vorwurf des Doppelmordes?
Über den Fall selbst will ich mich nicht äußern. Nur so viel: Ich glaube, sie hat Schuld auf sich geladen und verdient dafür wohl eine Strafe.

Sieht Estibaliz C. das auch so?
Ich denke, sie sieht ihre Schuld noch nicht ganz ein.

Sehen Sie denn ein Motiv für die angeblichen Morde?
Wie gesagt, ich will mich zum Fall nicht äußern. Aber soviel ich weiß, haben ihr Ex-Mann und der Ex-Freund sie nicht gut behandelt und sie auch bedroht.

Sie können als Vater des Kindes von der Verweigerung der Aussage Gebrauch machen. Werden Sie im Prozess trotzdem aussagen?
Ich werde eine Woche vor dem Prozess ins Ausland reisen und erst eine Woche danach wiederkommen. Auch Esti hat mich gebeten, beim Prozess nicht dabei zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011