Politik 05.12.2011

"Eisernes" Festhalten an Zentralmatura

Bildungsministerin Schmied teilt die Ängste der Lehrer und Schüler nicht. Sie kündigt an, dass die Umsetzung nun intensiviert wird.

Ihre Antwort ist so dick wie ein Telefonbuch ausgefallen. Claudia Schmied hat viel Kritik für ihre Pläne zur Zentralmatura eingesteckt, jetzt schlägt die Bildungsministerin (SPÖ) mit einem Stapel Papiere zurück: Handbücher, Grundlagen, Beispiele, Anleitungen - die gedruckte Antwort auf die "Schauermärchen", wie sie Schmied nennt. Lehrer-, Eltern-, und Schülervertreter hatten kritisiert, dass die "Zentralmatura" 2013/'14 zu früh komme, Schüler wie Lehrer könne man bis dahin nicht genug vorbereiten.

"Jede Innovation muss mit Informationen begleitet werden", sagt Schmied dazu. Die Gesetze seien beschlossen, ihr Fahrplan stehe - sie hält "eisern" daran fest. Die nötigen Grundkompetenz-Kataloge seien entgegen aller Gerüchte längst verfügbar, es gebe Übungsbeispiele für alle Fächer. Eigentlich wolle sie ja Selbstverwaltung fördern, aber auch jene, die "Haltegriffe brauchen", könne sie beruhigen, sagt Schmied: "Die nötigen Verordnungen gehen noch im Dezember in die parlamentarische Begutachtung." Das Modell wird ab 2013/'14 eingeführt und hat drei Säulen: vorwissenschaftliche Arbeit, schriftliche und mündliche Prüfung.

Die schriftliche Matura wird in ganz Österreich mit identen, zentral erstellten Aufgaben abgehalten - am selben Tag. Die Benotung übernehmen die Klassenlehrer mit standardisierten Beurteilungsrastern. Es wird keine "echte" Zentralmatura, wie sie in Frankreich abgehalten wird: Das Modell trifft nicht alle Fächer.

Mündig

Dass die Zeit zu knapp sei, um die Schüler vorzubereiten, glaubt Schmied nicht: "Daran wird ja schon gearbeitet. "Lehrer sind in Zukunft nicht mehr dazu da, Standards festzulegen. Sie müssen helfen, die Schüler auf das Niveau zu bringen. Wie ein Coach." Die Zentrale Idee bleibt die Umstellung auf "Kompetenzorientierung". Der Schwerpunkt soll weg vom Detailwissen, hin zur Kritikfähigkeit als "mündiger Bürger". Die Implementierung werde nun intensiviert, sagt Schmied. Neben den laufenden Schulversuchen in den Fremdsprachen werden auch bald welche in Deutsch und Mathematik gestartet.

Fahrplan zur Zentralmatura
Drei Säulen: Wann sie kommt, wie sie aussieht
Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung entwickelt die teilstandardisierte Matura. Auf www.bifie.at stehen Übungen und Anleitungen bereit. Die neue Matura wird 2013/'14 an den AHS, ein Jahr später an den BHS eingeführt; 2015/'16 folgt die Berufsreifeprüfung. Die Matura wird aus drei Säulen bestehen:
- Diplomarbeit (bzw. Vorwissenschaftliche Arbeit) mit 40.000 bis 60.000 Zeichen und viel inhaltlichem Spielraum. Das Thema wird im vorletzten Schuljahr festgelegt. Sie wird mündlich präsentiert und diskutiert.
- Schriftlich wird jedes Fach an einem Tag bundesweit geprüft. In Mathematik, der Unterrichtssprache und einigen Fremdsprachen mit bundesweit einheitlichen Aufgaben.
- Mündlich mit Aufgaben aus einem Themenpool (von den Lehrern der Schule zusammengestellt).
Inklusive Diplomarbeit besteht die Matura immer aus sieben Teilen: Die Schüler wählen, ob sie je drei Prüfungen machen wollen - oder lieber vier schriftliche und zwei mündliche.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011