Politik 05.12.2011

Dubai: Neuer Richter für angeklagten Arzt?

Der Prozess gegen einen österreichischen Arzt, der in Dubai wegen "geplanten Mordes" angeklagt ist, könnte sich weiter verzögern.

Die Mühlen der Dubaier Justiz mahlen langsam. Diese Erfahrung macht Eugen Adelsmayr am Mittwoch aufs Neue. Der Arzt aus Oberösterreich steht nämlich zum dritten Mal wegen eines Mordvorwurfs in Dubai vor Gericht.
Oder doch nicht?
Der Termin um 9 Uhr im "Dubai Court" stand bis zuletzt auf der Kippe. Der Richter ist verhindert.

Wie der KURIER berichtete, wirft die Staatsanwaltschaft dem mittlerweile suspendierten Anästhesisten vor, einen Patienten im Jahr 2009 falsch behandelt und ihm Hilfe vorenthalten zu haben. Für den "geplanten Mord" (Anklage) sieht das Gesetz einen Strafrahmen von drei Jahren Haft bis zur Todesstrafe vor, wie sie der Staatsanwalt verlangt.
Der 52-jährige Angeklagte wartet seit Juni darauf, sich vor dem Richter zu verteidigen. "Die Anklage", erklärt der Oberösterreicher gebetsmühlenartig, "widerspricht medizinischem Basiswissen. Das ist ein Witz."

"Intrige"

Doch diese Gelegenheit könnte in noch weitere Ferne rücken. "Ich weiß nicht genau, was mich am Mittwoch erwartet", schildert Adelsmayr. Seine Anwältin konnte am Dienstag eruieren, dass es für den verhinderten Kadi einen Ersatz gibt, und dieser auch die Einvernahme erster Zeugen der Anklage plant. Das setzt voraus, dass der neue Richter den Fall übernimmt. Unter den Befragten wäre jener Mediziner, der den 52-Jährigen im Spital und bei der Justiz angezeigt hatte und laut dem Oberösterreicher der Drahtzieher hinter "einer Intrige" ist.

Erst dann wären die Entlastungszeugen und Adelsmayr selbst am Wort. Die mögliche Richter-Rochade könnte den ohnehin langwierigen Prozessverlauf aber auch gänzlich über den Haufen werfen.

Bisher hatte der 52-jährige Arzt nur Kurzauftritte vor Gericht: Anfang Juli bekannte er sich "nicht schuldig". Der Prozess wurde sofort vertagt. Einen Monat später endete die Verhandlung nach acht Minuten, die Adelsmayr schweigend und ohne Dolmetscher hinter einer Holz-Absperrung verbracht hatte. Der österreichische Botschafter urgierte einen Übersetzer, der Adelsmayr nun in Aussicht gestellt wurde.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011