Politik
28.12.2011

Dubai-Arzt: Anklage manipuliert

Die Anklage wegen Mordes an einem Patienten gegen den Arzt Eugen Adelsmayr kam durch ein gefälschtes Dokument zustande. Das Außenministerium protestiert nun auf das Schärfste.

Verfälscht, verkürzt, inkorrekt übersetzt. Es ist ein Meisterstück der Manipulation. In Dubai ließen am Mittwoch die Anwälte von Eugen Adelsmayr die Katze aus dem Sack. Das Kerndokument der Anklage, die dem Bad Ischler immerhin "geplanten Mord" an einem Patienten vorwirft, ist eine glatte Fälschung. "Es geht hier nicht um ein Paar alte Schuhe, sondern um mein Leben", sagt Adelsmayr. Das Strafausmaß reicht von drei Jahren Haft bis hin zur Todesstrafe, die der Staatsanwalt fordert.

"Der entscheidende Dominostein dieser Intrige ist gefallen", sagt der 52-Jährige. Der leitende Intensivmediziner stand am Mittwoch zum achten Mal vor dem Richter. Ein Dubaier Staatsanwalt spann in seiner Anklage einen aufsehenerregenden Mordfall. Adelsmayr, einem hochdekorierten Arzt, wird vorgeworfen, einen Patienten im Jahr 2009 durch falsche Medikation und unterlassene Hilfe getötet zu haben.

Jetzt sickerte durch, was Adelsmayr gebetsmühlenartig betont hat: Jener vom Englischen ins Arabische übersetzte Untersuchungsbericht der Dubai Health Authority (der Gesundheitsbehörde), auf dem die Anklage fußt, ist manipuliert worden.

Übersetzung

"Die Grundlage für die Mordanklage ist hinfällig", sagt der Arzt aus Bad Ischl. Die Manipulation des Dokuments wurde erst jetzt evident. Im Dezember langte endlich das englische Original ein. Und siehe da: Die in der Übersetzung angeprangerten medizinischen Fehler sind im Originalbericht reine "Routine", die nicht "zum Tod beigetragen" hätten. Ob Adelsmayr je befahl, den Patienten nicht mehr zu reanimieren, blieb im Bericht unklar. Doch nicht diese, sondern die vom Vorsitzenden der behördlichen Untersuchungskommission übersetzte Version landete zur Überprüfung beim Staatsanwalt. "Es wurden zwei Drittel, nämlich, alles was mich entlastet, weggelassen, Belastendes hinzugefügt und inkorrekt übersetzt", sagt Adelsmayr.

Über das Motiv dahinter kann er nur spekulieren. Der leitende Anästhesist hat zwei seiner Mitarbeiter schlecht bewertet und sich deren Groll zugezogen. Sie zeigten ihn an. Eine Rolle könnte auch die offenbar illegale Praxis in Spitälern in den Vereinigten Arabischen Emiraten spielen. Zwar ist es verboten und – wie der Fall Adelsmayr zeigt – mit Mord gleichzusetzen, wenn einem Patienten Hilfe vorenthalten wird. Laut dem Originalbericht soll es aber die Order geben, z. B. Arbeitsmigranten, die sich die Versorgung nicht leisten können, die Behandlung zu verwehren.

Protest

Nach dem Auffliegen der Causa war man im heimischen Außenministerium hochgradig verstimmt. Der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate wurde ins Ministerium zitiert. "Die Übersetzung wurde nachweislich verfälscht", sagt Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal. Dies sei dem Botschafter nachdrücklich mitgeteilt worden. In Dubai protestierte die Rechtshilfe-Chefin des Außenministeriums im Kabinett des Emirs.

In der achten Prozessrunde wurde der Arzt erneut entlastet. Eine Krankenpflegerin und ein Oberarzt sahen keine Verfehlungen. Das betonte auch der Vorsitzende des "Higher Committee for Medical Liability" (einer staatlichen Kommission für medizinische Belange), die Adelsmayr schon lange vor dem Prozess freigesprochen hatte. Er wiederholte seine Gründe dafür.

Ein Prozessende ist nun in Sicht. Das Gericht wird nun die Einwände prüfen. Für 22. Jänner ist das Schlussplädoyer der Verteidigung geplant, in einer folgenden Runde der Urteilsspruch. Adelsmayr empfand am Mittwoch "ein bisschen Genugtuung, auch wenn die ganze Wahrheit noch nicht auf dem Tisch ist".

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