© Jeff Mangione

Politik
05/06/2012

Die Autofahrerin

Die kritische Rad-Masse ist für mich erreicht!

von Gabriele Kuhn

Ich habe Radfahrer immer bewundert. Das hatte drei Gründe: 1. Können sie etwas viel besser als ich – nämlich Radfahren (ich wäre im Sattel eine Art Selbstmordattentäterin). 2. Sah ich in ihnen romantische Weltverbesserer, Naturliebhaber, Pazifisten. Und 3. Wirkten sie stets dyna­mischer und fröhlicher als all die Auto-Piloten in ihren "Sport"-Sitzen und tiefer­gelegten Protzkisten.

Asphalthierarchie

Ich habe meine Meinung ein bisschen geändert. Seit in Wien die kritische Rad-Masse erreicht wurde, sind die strampelnden Stadtbewohner auch nix Besseres als schlichte Verkehrsteilnehmer, die verzweifelt um ihren Rang in der Asphalt­hierarchie kämpfen. Und das zuweilen mit allen Mitteln. Das Problem ist: Viele der Biker sehen sich als Opfer der Straße – schwach, in der Minderzahl, zu gut für diese Welt. Feindbild verzweifelt gesucht – und auch schon gefunden: die Depperten in ihren Autos.

So geschah es, dass mich in den letzten zwei Jahren fünf Radikal-Radler nicht nur verbal zur Sau gemacht haben, sondern auch Hand an mein Auto legten. Und nein – ich habe gar nix Böses getan, ich bin denen in einer 30er-Zone "nur zu omi­mäßig gefahren". Bei einem der Renitenten dachte ich gar, der springt jetzt von seinem Rennradsattel direkt auf meinen Schoß, um mich abzuwatschen. Das zum Thema Umwelt-Freundlichkeit.

Pech? Mag sein. Aber ich beobachte beim Typus Radfahrer die Arroganz des vermeintlichen Weltverbesserers, der ein Feindbild braucht, um seine Existenz zu rechtfertigen. Ja, das klingt böse. Aber viele – selbstverständlich nicht alle – Radfahrer mutieren zu Psychopathen, sobald sie in ihrem Sattel sitzen.

Gesetze? Regeln?

Abgesehen davon habe ich den Eindruck, dass nur sehr wenige Radfahrer wissen, dass es Gesetze und Regeln gibt, an die auch sie sich im Straßen­verkehr zu halten haben. Die bösere Vermutung wäre ja: Sie wissen es, aber sie pfeifen darauf. Es gibt – speziell an schönen Sommer­tagen – Momente, wo ich das Gefühl habe, umzingelt zu werden: Von Vorbeischlänglern, von Kampf-Radlern, von "Ätsch-ich-fahr-bei-Rot-und-du-Auto-Arsch-nicht"-Typen, von Leuten, die gegen mich statt mit mir sind.

Das habe ich nie gerne, aber wenn dadurch ein Menschenleben gefährdet wird, dann schon gar nicht.

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