Politik
01.08.2012

Der Richter und die Nazi-Ärzte

Der Opferschützer Udo Jesionek im KURIER-Interview über Entschädigungen für Heimkinder und seine Kooperation mit Euthanasie-Arzt Gross.

Udo Jesionek ist Österreichs oberster Opferschützer. Als Präsident des Weissen Rings entscheidet er über die Entschädigungen für Wiener Heimkinder. Auch in der Klasnic-Kommission, die ehemalige Heimkinder aus katholischen Erziehungsanstalten entschädigt, sitzt Jesionek, ehemals Präsident des Jugendgerichtshofes.

Im KURIER-Interview sagt Jesionek, dass mehrere Strafverfahren gegen ehemalige Erzieherinnen und Erzieher laufen. Dass es in Kinderheimen Verbrechen gegeben hat, steht für ihn fest. Da nun das erste Heimkind eine Pension nach dem Verbrechensopfergesetz erhält (den Bericht dazu finden Sie hier), stellt sich die Frage, warum nicht schon länger auf diese Möglichkeit der Entschädigung hingewiesen wurde. "Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich habe nicht daran gedacht", sagt Jesionek. Mittlerweile seien alle Anwälte des Weissen Ringes darüber informiert. Der ehemalige Richter gibt aber zu bedenken, dass es für ehemalige Heimkinder schwierig werden könnte, die Verbrechensopferpension ausbezahlt zu bekommen. Ärztliche Gutachten müssten den direkten Zusammenhang von Verbrechen in Kinderheimen und schweren gesundheitlichen Folgen belegen. Jesionek: " Ich habe eine Angst, dass Opfer jetzt einen Antrag stellen und dann negative Bescheide bekommen...

Euthanasie-Arzt

Wie der KURIER in Erfahrung brachte hat Jesionek in den 1970er-Jahren eng mit zwei ehemaligen Nazi-Ärzten zusammengearbeitet. Gemeinsam mit dem Rassenhygieniker Gerhart Harrer und dem Euthanasie-Arzt Heinrich Gross war Jesionek Herausgeber der juristischen Zeitschrift "Forensia". Heute sagt Jesionek, dass er von der nationalsozialistischen Vergangenheit der beiden Mediziner damals nichts geahnt habe. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte sich der Kontakt stark reduziert." Über die Zeitschrift "Forensia" findet sich ein Hinweis im Wikipedia-Eintrag über Gerhart Harrer. Udo Jesionek kann man in diesem Zusammenhang allerdings nicht finden, weil sein Name in dem Wikipedia-Artikel  falsch geschrieben ist - U. Jensionek.

Das gesamte Interview finden Sie hier.

 

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