© Jeff Mangione

Politik
05/06/2012

Der Fußgänger

Auf dem Gehsteig hört sich der Spaß aber auf!

von Martin Burger

Geistlos nenne ich jene Damen und Herren, die auf dem Gehsteig in die Pedale treten und keine Rücksicht auf das einfache Fußvolk nehmen. Eines Tages, ich trete gerade aus dem Haus, mit meiner zweijährigen Tochter auf dem Arm. Wir wollen zu dem im dritten Bezirk viel gerühmten Eissalon "Dolo­miten", da zischt ein Radler unmittelbar vor uns am Trottoir vorbei.

Ich werde, für meine Verhältnisse, unerhört kühn und rufe dem Radler ein "Sie Hiafla, passen S’ auf" nach. Das Wesen in wallender, weißer Leinen­hose bremst hart, steigt vom Rad, blickt sich kurz um (Zeugen?!) und geht dann auf Konfrontationskurs, es ist übrigens eine sie: "Des is a Einbahn, Oida. Deshalb foa ich am Gehsteig. Mir måcht des a kan Spaß, glauben S’ ma des." Wenn ich unbedingt jemanden beschimpfen wolle, dann bitteschön "die Trottl’n vom Amt", die für den Schilderwald in Wien verantwortlich seien. Sie sei ein Opfer. Auf einer Entschuldigung meinerseits besteht die gute Frau nicht, immerhin.

Blechen, bitte!

Es gibt natürlich Schlimmeres als Radler auf dem Gehsteig. Zum Beispiel Autofahrer, die den Zebrastreifen auf der Landstraßer Hauptstraße überfahren, gern auch ohne dabei mit der Wimper zu zucken. Da ich meiner Tochter sowohl den Zusammenprall mit einem 15-Kilo-Damenrad als auch die Kolli­sion mit einem Innenstadt-SUV ersparen will, fordere ich Gerechtigkeit für uns Fußgänger: Wenn ein Autofahrer fürs Stoppschild-Überfahren auf einer menschenleeren Weinviertler Landstraße 30 Euro ablegen muss, dann gehört auch der urbane Zebrastreifen- und Gehsteig-Rowdy bestraft, gell?

Sonst kann man als Spaziergänger nicht mehr tun als aufzupassen wie ein Haftelmåcher, um nicht unter die Räder zu kommen. Dahinter steckt ein grundsätzliches Problem. Die Wiener zu mehr Disziplin und Rücksichtnahme auf Schwächere zu ermahnen, ist ein Job für unbelehrbare Idealisten. Wo kämen wir denn da hin! Dann könnten wir ja gleich beim Einsteigen in die U-Bahn warten, bis alle ausgestiegen sind, oder den Frauen mit Kinderwagen den Platz neben dem Ausgang überlassen, einfach so, oder die Straßenschuhe nicht auf die Sitze legen. Eben, das klappt nie. Dieses Nicht-Befolgen der einfachsten Regeln des Zusammenlebens hat mit einem Mangel an Intelligenz und Niveau zu tun. Das ist nicht lieb gemeint, übrigens.

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