Politik 07.04.2012

Besondere Geschenke

Ostern: Familientreffen dürfen bunt sein wie Eier im Nest. Kinder erinnern sich länger an gemeinsames Lachen als an Geschenke.

Zuckerl, Schokolade, Gelee – solche Kleinigkeiten verschenkte man früher zu Ostern an seine Kinder. Heute sind vermehrt Handys und Videospiele dabei. Dabei ist Eltern oft nicht bewusst, dass es die Kleinigkeiten sind, die Kindern in Erinnerung bleiben. KURIER Familycoach Martina Leibovici-Mühlberger löst einen Irrglauben auf: "Kindern geht es nicht um den materiellen Wert, sondern eher darum Verstecktes zu finden, spielerische Elemente auszuleben und sich in der Familie aufgenommen zu fühlen." Für Kinder ist es einfach schön, wenn die ganze Familie zusammen .

Besonders Großeltern sollen dabei einbezogen werden, denn: "Eine alte Tradition wie Ostern kann auch eine Chance sein, um den Familiensinn zu stärken", sagt Leibovici. Welche Bedeutung Ostern für ein Kind hat, hängt davon ab, welche Bedeutung die Eltern dem Fest geben. Und in welcher Weise sie ihre Kinder an Bräuche und Traditionen heranführen. Wenn Kinder erleben, dass in ihrer Familie Ostern als großes Fest gefeiert wird, an dem besonders gut gegessen wird und man zusammen Spaß hat, werden sie auch als Erwachsene für sich und ihre eigenen Kinder eine ähnliche Atmosphäre schaffen.

Geschenke

Egal ob Familienmensch, gläubig oder nicht – in Sachen Geschenke ist es immer besser, nicht zu übertreiben, erklärt der Familycoach: "Der Konsumationswahn zu Ostern ist ähnlich wie der zu Weihnachten und setzt Menschen unter Druck. Ostern sollte kein ‚zweites Weihnachten" sein. Viel gescheiter ist es, ein nettes Osternest für das Kind vorzubereiten, anstatt zu viele Geschenke zu machen." Erziehungsberater Mathis fügt an: "Statt das Kind mit fünf Nestern zu überfordern, können Eltern und Großeltern doch ein gemeinsames Nest verstecken."

Im Zentrum sollten Familienrituale stehen, zusammen Zeit zu verbringen und nicht den anderen mit Geschenken zu übertrumpfen. Ostern ist ein religiöses Fest wie Weihnachten und doch ganz anders. Ostern bietet mehr Möglichkeiten sich zu verwirklichen und festgefahrene Etiketten über Bord zu werfen. Wieso soll nicht einmal das jüngste Familienmitglied am Kopf des Tisches sitzen und den Osterschinken für alle anschneiden, während die älteren Kinder für die Erwachsenen Nester verstecken? Solche Auflockerungen machen Kindern Spaß und sind für sie eine coole Abwechslung.

Wie übrigens auch ungewöhnliche Geschenke. Wer zu Ostern zum Beispiel sein erstes Rad geschenkt bekommt, kann nicht nur in den Ferien gleich lostollen, sondern wird sich bestimmt ewig an dieses spezielle Ostergeschenk erinnern.

Familienzeit

Natürlich unterscheiden sich Osterbräuche und -rituale auf dem Land und in der Stadt, doch die Freude der Kinder ist überall gleich, wie Mathis betont: "Gerade kleine Geschenke führen bei Kindern zu großer Freude, daran sollten Eltern denken." Die erwähnten Aktionen rund um Ostern sind ein Spaß für die ganze Familie. Auch Tanten, Onkel und Großeltern erleben so das Familientreffen ganz neu. Denn so wenig man sich an austauschbare, wenn auch teure Geschenke erinnert, so sehr bleibt gemeinsames Lachen im Gedächtnis. Und auch ältere Geschwister spielen gerne bei der Nestsuche mit. Der Family­coach bestätigt das: "Genau an diese Momente erinnert man sich doch später einmal zurück, wenn man erwachsen ist." Nach Jahren sieht man sich vielleicht Fotos an und denkt zurück an schöne Osterfeste in Omas Garten. Ähnlich geht es auch Michael Sailer, Vater von vier Kindern: "Durch seine Kinder erinnert man sich teilweise wieder an die eigene Kindheit zurück, dabei fällt einem auch auf, dass man den Eltern einiges nachmacht."

Übrigens: Nester zu verstecken ist eine Kunst für sich, wie Sailer bestätigt: " Wir versuchen die Verstecke schwieriger werden zu lassen, was nicht so einfach ist." Eines ist fix: Würden Kinder für Erwachsene verstecken, bräuchten diese bestimmt länger zum Suchen.

Familien-Einblick: So feiern wir

M ichael Sailer ist Vater von vier Kindern im Alter zwischen einem und elf Jahren. Natürlich ist das Osterfest da ein großes Thema: "Die beiden ältesten Söhne gehen ratschen, ministrieren und nehmen sich meist etwas vor, auf das sie vor Ostern verzichten wollen." Dieses Jahr verzichtete einer der beiden auf Fleisch, der andere auf seine geliebten Fruchtsäfte. Der Vater weiß: "Neben dem Nestersuchen am Ostersonntag macht es ihnen Spaß, in der Gemeinschaft etwas zu machen und sich zu engagieren."

Wünsche

Die Osterwünsche der Kinder variieren, wie Sailer erzählt: "Manchmal sind es größere Sachen, wie vor ein paar Jahren ein Trampolin, dann wieder Kleinigkeiten wie ein Wecker." Natürlich werden auch Süßigkeiten versteckt und die Familie feiert zusammen: "Wir fahren nach der Ostermesse zu den Großeltern und genießen ein schönes Abendessen."

Ob es den Osterhasen wirklich gibt, interessiert die vierjährige Tochter momentan noch nicht. Sailer hat aber schon einen Plan: "Wenn sie eines Tages zu mir kommt und mich fragt, werde ich ihr natürlich die Wahrheit sagen, aber von selbst will ich ihre Fantasie nicht zerstören." Viel wichtiger seien zu Ostern die Gemeinsamkeiten, die auch später noch in Erinnerung bleiben sollen.

( Kurier ) Erstellt am 07.04.2012